Bahnverkehr zwischen Bonn und Köln : Das sagen Pendler zu den derzeitigen Bahnproblemen

Bahnverkehr zwischen Bonn und Köln : Das sagen Pendler zu den derzeitigen Bahnproblemen

Es war für Pendler eine Schocknachricht: Die Verbindung Köln-Bonn wird im nächsten Jahr planmäßig mehrfach eingeschränkt. Doch schon jetzt gibt es allen Grund zur Klage.

Zug-Verspätungen zwischen Köln und Bonn durch die Baustelle am Eifelwall in Köln und übervolle Nahverkehrszüge wegen Reparaturarbeiten bringen seit Wochen Hunderte Pendler auf die Palme. "Ich habe kein Auto, aber nach dem bisher Erlebten überlege ich mir ernsthaft, eins zu kaufen", berichtet eine GA-Leserin erbost. Ihr Protokoll allein für den Morgen des 17. Oktober am Hauptbahnhof Köln in Richtung Bonn: "Der RE 5 um 8.32 Uhr hat 75 min Verspätung, der um 9.32 Uhr über 20 Minuten. Die Züge der RB 48 um 8.36 Uhr bzw 9.36 Uhr fallen aus."

Auch andere Pendler sind stocksauer. Denn wenn doch ein Zug kommt, dann oft nur mit einem Zugteil und überfüllt. "Stehen noch mindestens 100 Personen hier, die nicht mitgekommen sind", macht eine Reisende bei Facebook ihrem Ärger Luft. Heinz Unger veranlassten "menschenunwürdige Zustände" in einem Zug der Mittelrheinbahn zu einer Beschwerde beim Nahverkehr Rheinland (NVR).

Von seiner Fahrt am Nachmittag des 16. Oktober berichtet er: "In den Zug drängten so viele Menschen, dass die Türen nicht mehr geschlossen werden konnten. Die Menschen gerieten teilweise in einen Ausnahmezustand und fingen an, sich gegenseitig zu beschimpfen, eine junge Frau bekam eine Angstattacke, eine offensichtliche Asthma-Patientin erlitt einen Anfall."

Geänderter Fahrplan „völlig irreal“

Zoe A., am 21. Oktober auf dem Weg nach Düsseldorf, erlebte den Kollaps einer anderen Mitreisenden. Um nicht stehen zu bleiben, quetschten sich viele Fahrgäste in die übervollen Züge und verlängerten die Fahrzeit zusätzlich. Die Zeiten des geänderten Fahrplans seien "völlig irreal", findet Pendler Klaus Wildner, "so dass wir sehr zuverlässig etwa 15 Minuten verspätet in Bonn ankommen".

Noch bis Ende Dezember führt die Deutsche Bahn an der über 100 Jahre alten Eisenbahnüberführung Eifelwall zwischen Köln-West und Hürth-Kalscheuren umfangreiche Sanierungen durch. Deshalb lässt National Express seit dem 4. Oktober keine Züge auf der Linie RB 48 zwischen Köln und Bonn-Mehlem fahren. Ein eingeschränktes Platzangebot war die Folge. Ab Montag soll sich dieses Nadelöhr entspannen. Zu Vollsperrungen werde es vorerst nicht mehr kommen, verspricht eine Bahn-Sprecherin in Düsseldorf. Bei einzelnen Zügen werde aber der Halt in Köln Süd entfallen.

RRX-Triebwagen mussten in die Werkstatt

Zu allem Übel kamen Probleme mit den neuen Triebwagen des Rhein-Ruhr-Express (RRX) auf der Linie RE 5. Alle Fahrzeuge mussten nach und nach in die Werkstatt, berichtet NVR-Sprecher Holger Klein. Deshalb seien viele Fahrten nur mit einem Zugteil statt zweien gelaufen. Für den Vorsitzenden des Bonner Verkehrsausschusses, Rolf Beu (Grüne), der selbst wiederholt betroffen war, ein ärgerlicher Umstand. Für die nächste Sitzung des NVR-Hauptausschusses verlangt er als Mitglied eine Stellungnahme.

Vor allem erstaunt Beu, dass Betreiber National Express ab 28. Oktober werktags ein RRX-Fahrzeug auf der RB 48 zwischen Bonn bzw. Köln und Wuppertal-Oberbarmen einsetzen möchte. "Das passt doch nicht zusammen. Entweder man hat zu wenig Fahrzeuge oder man hat welche übrig", sagt er. Der NVR solle seine Bestellung einfordern. Immerhin zahle der Nahverkehr für zwei Zugteile auf dem RE 5.

„Verkehrsunternehmen müssen ihren Pflichten nachkommen“

"Die Verkehrsunternehmen müssen ihren Pflichten nachkommen", fordert auch der CDU-Landtagsabgeordnete Oliver Krauß aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Die Strafzahlungen an den NVR für nicht erbrachte Leistungen nützten betroffenen Fahrgästen nichts. "Mit einem solchen Angebot kann man niemanden vom Umstieg auf Bus und Bahn überzeugen", glaubt er.

Bei National Express in Köln übt man sich in Beschwichtigung: In der zweiten Oktoberwoche habe es beim RE 5 eine "Kapazitätsabweichung" von vier Prozent gegeben, in der Folgewoche von 2,3 Prozent, erklärt Sprecherin Cansu Erdogan. Mehrere Fahrzeuge seien instand gesetzt worden. Da man alle zwei Wochen zwei neue Zugteile erhalte, reiche der Fuhrpark sowohl für den Ausleihwagen auf der RB 48 als auch den Vorläuferbetrieb auf der Linie RE 6 vom Flughafen Köln/Bonn nach Minden. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wird National Express diese Linie komplett übernehmen.

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