Schwere Gewitter: Das sagen Experten zur Unwetterlage in der Region

Schwere Gewitter : Das sagen Experten zur Unwetterlage in der Region

Die Elektrik in drei Kirchen, zwei brennende Häuser, ein defektes Stellwerk: Blitze haben in den vergangenen Tagen große Schäden in Bonn angerichtet. Experten erklären Zusammenhänge und geben Tipps.

Zwei schwere Gewitter sind innerhalb einer Woche über Bonn hinweg gezogen. Blitze schlugen in Kirchtürme in Vilich-Müldorf, Beuel und Poppelsdorf ein. Am Donnerstagabend setzten Blitze Wohnhäuser in Lannesdorf und der Bonner Nordstadt in Brand. In Bad Godesberg erwischte es am Donnerstag ein Stellwerk der Deutschen Bahn, weshalb die Züge zwischen Bonn und Mehlem nur eingeschränkt fahren konnten. Damit Schäden gering bleiben und Menschen nicht verletzt werden, gibt es Verhaltensregeln bei Gewittern. Der GA beantwortet wichtige Fragen.

Warum gewittert es derzeit so häufig?

„Dass es vermehrt im Sommer blitzt und donnert, ist kein Zufall“, sagt Matthias Habel, Meteorologe beim Bonner Wetterdienst WetterOnline. Am häufigsten gewittere es von Mai bis August mit Schwerpunkt im Juli. Insgesamt werden in dieser Zeit deutschlandweit zwei bis drei Millionen Blitze registriert. Langfristig gesehen, werden Gewitter stärker, wie der Blitzinformationsdienst von Siemens herausgefunden hat. Er betreibt spezielle Messstationen in ganz Europa. Auch Stadtstatistiker Klaus Kosack hat eine Zunahme der Starkregenereignisse bemerkt. 2009 und 2007 fielen binnen eines Tages mehr als 60 Liter Regen pro Quadratmeter in Bonn. April und Mai waren in diesem Jahr zudem die zwei wärmsten Monate, die seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen wurden.

Woher kommt der Donner?

Durch Blitze entsteht eine große Hitze von bis zu 30.000 Grad. Dabei dehnt sich die Luft explosionsartig aus – der Knall des Donners entsteht. „Da sich Licht schneller ausbreitet als Schall, hören wir den Donner umso lauter, aber auch umso kürzer, je näher wir uns am Ort des Blitzschlages befinden“, erklärt Habel. Anhand von Blitz und Donner lässt sich die Entfernung eines Gewitters bestimmen. Liegen zwischen ihnen etwa sechs Sekunden, so ist der Blitz zwei Kilometer entfernt.

Wie entscheidet sich, wo ein Blitz einschlägt? Blitze treffen meist die größte Erhebung, aber auch nicht immer, sagt Habel. „Dass sie aktuell so oft in Bonn einschlagen, ist purer Zufall.“ Blitze bahnen sich einen mehrere Kilometer langen Weg durch die Luft, erst auf den letzten 50 Metern entscheidet sich, wo sie herunterkommen. Dort entsteht durch die enorme Spannung große Hitze, die Holzbalken mühelos entflammt. Ob man ein Handy am Ohr hat oder auf dem Fahrrad sitzt, hat kaum einen Einfluss auf einen Blitzschlag. Trotzdem gilt: Wer sich bei Gewitter draußen aufhält, begibt sich in Lebensgefahr.

Wo kann man sich in Sicherheit bringen?

Im Auto ist man vor Blitzen geschützt, da man sich in einem Faraday'schen Käfig befindet. Der Physiker Michael Faraday fand heraus, dass sich die elektrische Ladung an der Außenseite eines geladenen Leiters konzentriert. Weil der Strom an allen Seiten herumfließt, bleibt das Innere einer Metallkiste frei von elektrischen Spannungen. Nach diesem Prinzip funktioniert auch der Blitzableiter eines Hauses, weshalb geschlossene Räume dem Bonner Feuerwehrsprecher Frank Frenser zufolge ebenfalls guten Schutz bieten. „Von Bäumen sollte man sich dagegen fernhalten“, sagt er. Ebenso von Gewässern, weil sie den Strom über größere Distanzen weiterleiten. Ist kein sicherer Ort in Sicht, sollte man auf einer freien Fläche – optimalerweise in einer Kuhle – in die Hocke gehen und die Füße möglichst nah aneinander stellen. „Damit so etwas nicht nötig ist, hilft vor dem Rausgehen ein Blick in den Himmel“, sagt Matthias Habel.

Fällt man tot um, wenn man vom Blitz getroffen wird?

In den vergangenen Jahren gab es durchschnittlich fünf Blitztote pro Jahr, mehr als Hundert Menschen mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Gleichzeitig blieben im Schnitt 90 Blitzopfer unverletzt. „Der Grad der Verletzung hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Frenser. Ist die Haut beispielsweise nass, kann der Strom über die Oberfläche in den Boden abfließen. Dann bleibt es bei äußeren Verbrennungen. Diese Verbrennungen können aber auch im Körper und an den Organen geschehen. „Durch den Strom wird zudem unser empfindliches Nervensystem gestört“, so Frenser. Die Spätfolgen bei Blitzopfern sind bisher kaum erforscht.

Wie informiert sich die Feuerwehr über Gewitter?

Sie greift in ihrer Leitstelle auf das Feuerwehr Wetter-Informationssystem und auf eine große Datenbank mit Vorhersagen zu. „Durch ein Regenradar bekommen wir sehr detaillierte Bilder“, so Frenser.

Wie können sich Bürger informieren?

Frenser rät jedem, die Warnapp Nina auf dem Smartphone zu installieren.Über sie gibt die Feuerwehr auch Unwetterwarnungen heraus. Zudem bieten der Deutsche Wetterdienst und der Bonner Dienst WetterOnline mit ihren Apps zuverlässige Vorhersagen. Auf der Internetseite www.lightningmaps.org werden Blitze weltweit und in Echtzeit dokumentiert.

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