ÖPNV, Flughäfen und Kitas: Das müssen Sie zum Streik in Bonn und der Region wissen

ÖPNV, Flughäfen und Kitas : Das müssen Sie zum Streik in Bonn und der Region wissen

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst sollen am Dienstag und Mittwoch massiv ausgeweitet werden. In der Region sind der Nahverkehr, einzelne Kindertagesstätten sowie der Flughafen Köln/Bonn betroffen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erhöht vor der wahrscheinlich entscheidenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst den Druck auf die Arbeitgeber: Ab Dienstag sollen die Warnstreiks massiv ausgeweitet werden, Bürger müssen sich auf deutliche Beeinträchtigungen einstellen. Betroffen sind alle Bereiche des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen, so Verdi.

Massive Ausfälle bei Bus und Bahn

Unter anderem wird am Dienstag der Nahverkehr bestreikt. Die Stadtwerke Bonn (SWB) und die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) rechnen damit, dass ihre Busse und Bahnen überhaupt nicht fahren werden, nur sporadisch werden laut KVB einzelne Busfahrten von Subunternehmen durchgeführt. Also verkehren die Bahnlinien 16 und 18 zwischen beiden Städten ebenfalls nicht. Streikposten an den Betriebshöfen verhindern die Ausfahrten.

Dennoch werden einige Linienbusse auch in der Stadt auf der Straße sein. Die Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) fährt aus dem Rechtsrheinischen mit einigen Linien in die Stadt hinein und die Regionalverkehr Köln (RVK) aus dem Linksrheinischen. Beide Unternehmen werden nach eigener Einschätzung nicht bestreikt, ihre Fahrer haben eigene Tarifverträge. RSVG und RVK rechnen allerdings mit Auswirkungen wie Verspätungen, weil ihre Busse in der Regel besonders voll und die Straßen stärker befahren seien.

„Nach unseren Erkenntnissen fahren wir erst zum Betriebsbeginn am Mittwochmorgen wieder planmäßig“, sagte SWB-Sprecherin Veronika John auf Anfrage. Streikbedingte Ausfälle seien nicht von der Mobilitätsgarantie abgedeckt. Die Fahrgäste haben also keinen Anspruch auf Erstattung der Fahrtkosten oder Kosten für Ausweichverkehrsmittel wie Taxen. Wer zum Flughafen will, kann die Regionalzüge von Beuel Bahnhof nehmen. Deutsche Bahn, Mittelrheinbahn (MRB) und National Express sind vom Streik ebenfalls nicht betroffen.

Die Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) hingegen geht laut Mitteilung aktuell davon aus, dass ihre Buslinien auch am Dienstag verkehren. Die von der RSVG und den Stadtwerken Bonn gemeinsam betriebenen Buslinien sind jedoch betroffen: die 640 vollständig, die 550 vereinzelte Fahrten sowie die SB55 mit einer Vielzahl von Fahrten. Die weiteren Busse werden voraussichtlich fahren.

Für Autofahrer gibt es eine gute Nachricht: Straßen NRW hat die angekündigte Sperrung einer Spur auf der Autobahn 565 hinter der Anschlussstelle Poppelsdorf in Richtung Meckenheim wegen des Streiks verschoben.

Die Müllabfuhr werde teilweise bestreikt, teilt die RSAG mit. Die Müllwerker von Bonnorange wollen ebenfalls dem Streikaufruf folgen.

Kitas bleiben geschlossen

Auch die Gewerkschaft Komba, die die Interessen von Beamten und Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst vertritt, plant einen Warnstreik. Nach Angaben der Stadt Bonn von Montagnachmittag bleiben am Dienstag und am Mittwoch aus diesem Grund mehrere Kindergärten in der Stadt geschlossen. Folgende Kitas sind am Mittwoch laut Komba geschlossen: Markusplatz, Estermannstraße, Herpenstraße, Waldenburger Ring 30, Waldenburger Ring 44, Domhof, Ellesdorfer Straße, Maria Montessori Allee, Heinrich-Schneiders-Straße, Weidenweg, Alte Bonner Straße, Ossietzkystraße, Graurheindorfer Straße, Annabergerstraße und Limpericher Straße. Das Jugendamt hat Notgruppen organisiert und eine Hotline für alle Eltern von 8 bis 16 Uhr eingerichtet. Die Mitarbeiter sind erreichbar unter 02 28/77 55 44.

Die Stadt hat unter der Telefonnummer 0228/77 55 44 eine Hotline eingerichtet. Dort bekommen Eltern montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr Infos zu den bestreikten Kitas.

Die Bürgerdienste sollen durch den Streik nach bisherigem Stand kaum eingeschränkt werden. In Bonn soll deutschlandweit die größte Komba-Demonstration mit rund 7000 Teilnehmern stattfinden. Der Zug geht ab 9.30 Uhr vom Stiftsplatz zum Markt, wo um 13 Uhr die Abschlusskundgebung stattfinden wird.

Die rechtliche Seite

Arbeitnehmer sind laut dem Bonner Fachanwalt für Arbeitsrecht, Stephan Pauly, verpflichtet, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Da der Streik in den Medien angekündigt wurde, seien die Mitarbeiter verpflichtet, ihre Anfahrt zum Arbeitsplatz anderweitig zu organisieren. Bei Unpünktlichkeit drohe eine Abmahnung und eine Gehaltskürzung.

Herbert Kaupert, ebenfalls Fachanwalt für Arbeitsrecht in Bonn, weist daraufhin, dass Eltern im Falle einer wegen des Streiks geschlossenen Kita einen Anspruch auf freie Tage haben, wenn die Betreuung des Nachwuchses anderweitig nicht möglich sei. „Grundsätzlich können sich Eltern bis zu fünf Tage frei nehmen, müssen aber ihre Arbeitgeber rechtzeitig informieren“, so Kaupert.

Warnstreiks bei der Telekom

Die Gewerkschaft Verdi hat im Tarifkonflikt mit der Telekom weitere Streiks für Dienstag angekündigt. Bundesweit betroffen ist vor allem der Kundenservice der Telekom, wie die Gewerkschaft Verdi am Montag mitteilte.

Auswirkungen im Rhein-Sieg-Kreis

Notgruppen in Bornheim

In Bornheim sind von dem Streik voraussichtlich drei städtische Kindertageseinrichtungen betroffen. Nach Angaben der Stadt sollen am Dienstag in der Einrichtung "Klapperschuh" in der Brachstraße in Sechtem von 8.15 bis 15 Uhr sowie in der Kita Widdig in der Römerstraße von 8.15 bis 14.45 Uhr aufgrund des Streiks Notgruppen für bis zu 30 Kindern angeboten werden. Am Mittwoch ist die Kita "Lummerland" in der Friedrichstraße in Roisdorf betroffen. Dort soll es von 7.30 bis 16 Uhr eine Notfallgruppe für maximal 20 Ü30-Kinder geben.

Der Warnstreik im öffentlichen Dienst wirkt sich am Dienstag und Mittwoch auch im rechtrheinischen Rhein-Sieg-Kreis aus. Besonders betroffen sind städtische Kindertagesstätten in Hennef, Sankt Augustin und Troisdorf sowie die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG).

Auswirkungen in Hennef, Sankt Augustin und Troisdorf

In der Stadt Hennef ist in der Kita Kunterbunt an der Ringstraße am Dienstag nur eine Notgruppe eingerichtet, die Kita Rasselbande öffnet aufgrund des Streiks erst um 8 Uhr. Am Mittwoch bleiben die Kita Deichkinder an der Deichstraße sowie die Großtagespflegestelle Gänseblümchen in Happerschoß geschlossen. Die Eltern seien informiert, so Stadtsprecherin Mira Steffan. Die anderen Einrichtungen seien entweder nicht betroffen oder es würden lediglich einzelne Mitarbeiter fehlen.

In Sankt Augustin wird am Dienstag die Kita „Waldstraße“ in Hangelar bestreikt, ein Notdienst steht zur Verfügung. Deutlicher trifft es die städtischen Einrichtungen am Mittwoch. Dann seien schwerpunktmäßig die Kitas „Marktstraße“, „Siegstraße“ und „Im Rebhuhnfeld“ in Menden betroffen, teilt die Stadt mit. Notdienste würden jeweils angeboten. Laut Verwaltung sind Mitarbeiter des Fachdienstes Frühkindliche Bildung unter 0 22 41/24 35 95 zu erreichen, sollte es in Einzelfällen nicht gelingen, einen „besonders schwerwiegenden Betreuungsbedarf direkt in der Kita zu befriedigen“. Erster Ansprechpartner sei aber die Kita.

In Troisdorf sind am Dienstag ebenfalls einige Einrichtungen betroffen. Die drei Kitas Heidenaustraße in Spich, Markusstraße in Bergheim und Lambertusstraße in Müllekoven sind geschlossen, 14 weitere bieten einen eingeschränkten Notdienst an. Im Offenen Ganztag bleibt laut Verwaltung voraussichtlich die Trogata an der Sternenschule in Spich geschlossen. Eine Übersicht über die einzelnen Kitas bietet die Stadt auf ihrer Facebook-Seite.

Streik am Flughafen

Auch am Flughafen Köln/Bonn wird am Dienstag gestreikt, wie Verdi am Montag mitteilte. Es sei von "starken Einschränkungen im Luftverkehr" auszugehen. Bestreikt werden die Bodenverkehrsdienste und teilweise auch die Flughafenfeuerwehr.

74 der 250 Flüge am Dienstag sind am Köln/Bonner Airport vorab gestrichen worden, teilte der Flughafen am Montag mit. Demnach hat die Lufthansa auf der Strecke nach München insgesamt zwölf Flüge annuliert, Eurowings hat 62 geplante Flüge gestrichen. Der Flughafen rechnet aufgrund des Warnstreiks darüber hinaus mit weiteren Beeinträchtigungen.

Passagiere der Lufthansa könnten einmalig ihren Flug kostenfrei umbuchen oder im Inland auf die Bahn ausweichen, hieß es vom Luftfahrtkonzern.

Der Flughafen hat eine Telefon-Hotline unter der Rufnummer 02203-40 4000 für die Passagiere eingerichtet. Diese ist am Montag von 16 bis 19 Uhr und am Dienstag ab 6 Uhr besetzt.

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