Festspielhaus: Das Land gibt kein Geld

Festspielhaus : Das Land gibt kein Geld

Die NRW-Landesregierung ist nicht bereit, sich finanziell am Betrieb eines Beethoven-Festspielhauses in Bonn zu beteiligen. "Das Land muss bei der Kulturförderung das Prinzip der Gleichbehandlung im Blick behalten", erklärte Lars Rehling, Vize-Sprecher des Kulturministeriums.

Da in NRW die Kulturförderung in erster Linie in der Hand der Kommunen liege, fördere das Land auch in anderen Städten keine vergleichbaren Einrichtungen: weder die Philharmonie Essen, noch die Kölner Philharmonie oder das Konzerthaus Dortmund. "Deshalb hat das Kulturministerium bereits mit allen Akteuren vor Ort besprochen, dass das Land sich am Festspielhaus in Bonn finanziell nicht beteiligen kann", so der Sprecher.

Das geplante Konzerthaus ist allerdings kein rein städtisches Projekt. Der Bund hat 39 Millionen Euro für die spätere Betriebsstiftung zugesagt - unter dem Vorbehalt einer angemessenen Beteiligung des Landes, der Stadt oder privater Geldgeber. Ob die Millionensumme auch fließen kann, wenn das Land NRW aussteigt, blieb zunächst unklar. Der SPD-Obmann im Haushaltsausschuss des Bundestages, Johannes Kahrs, hält das Konzerthaus nicht für gefährdet. Im Zweifel wolle der Bund das Festspielhaus auch.

"Ich kann mir vorstellen, dass sich alle Beteiligten dafür interessieren, dass das Projekt zustande kommt", sagte Kahrs. Man suche "nach Wegen für eine Lösung". Aus anderen Kreisen des Haushaltsausschusses verlautete, es gebe "keinen Automatismus" in die eine oder andere Richtung. Bei der Kulturfinanzierung zahle der Bund normalerweise nur anteilig.

Ob es tatsächlich bei der Zusage von 39 Millionen Euro bleibe, sei "Teil des Regierungshandelns" und liege in der Zuständigkeit der Bundesregierung. Das Bundesfinanzministerium gab gestern keine klare Auskunft: Von einer Entscheidung der NRW-Landesregierung wisse man nichts, hieß es lediglich.

Nike Wagner, die Intendantin des Beethovenfestes, geht unterdessen auf Distanz zum Festspielhausprojekt. Zwar würde sie das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 gern in einem neuen Konzertsaal feiern, sagte sie während einer Veranstaltung des Bonner Medien-Clubs. Die Betriebskosten eines Festspielhauses sehe sie aber mit Sorge. Sie ließ auch Zweifel an der bislang kalkulierten Zahl von jährlich rund 175.000 Besuchern erkennen.