Kommentar zur Situation am Johanneskreuz: Das Kernproblem bleibt

Kommentar zur Situation am Johanneskreuz : Das Kernproblem bleibt

Die Sitzpoller aus Stein am Johnneskreuz sollen durch schmale Stahlpoller ersetzt werden, um die Trinkerszene ein paar Meter weiter an den Brunnen in der Mitte des Platzes zu verlagern. Unser Autor meint: Das Kernproblem bleibt.

Die Situation am Johanneskreuz mit pöbelnden Trinkern und Drogenabhängigen ist vor sechs Jahren vor allem deshalb öffentlich diskutiert worden, weil ein Anwohner die Lage in einem empörten Brief an den damaligen Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch beschrieben hatte. Die Resonanz war erstaunlich groß. Das Stehen und Liegen der Betrunkenen vor Wohneingängen war damals ein wichtiger Punkt.

Es ist immer schwierig, für solche Probleme eine geeignete Lösung zu finden, die allen gerecht wird. Den öffentlichen Raum teilen Bürger untereinander auf. Und natürlich gehören Anwohner ebenso dazu wie verweilende Gruppen. Wie im Straßenverkehr auch, müssen die Nutzer eines Platzes sich an Regeln halten, um miteinander klar zu kommen. Das funktionierte am Johanneskreuz offensichtlich nicht mehr, und es scheint immer noch nicht zu funktionieren.

Nun liegt nach Beratung mit den direkten Anwohnern der viel diskutierte Vorschlag auf dem Tisch, die Sitzpoller aus Stein durch schmale Stahlpoller zu ersetzen, um die Szene ein paar Meter weiter an den Brunnen in der Mitte des Platzes zu verlagern. Kommt diese Idee – sofern sie funktionieren sollte – wirklich schon einer Verdrängung gleich, wie es im Sozialausschuss hieß? Letztlich steuern die Kommunalpolitiker darauf zu, die einzige, wenn auch kleine bauliche Änderung am Johanneskreuz zu kippen.

Was von den besprochenen Maßnahmen übrig bliebe, wäre ein bisschen mehr Grünpflege, eine Ansiedlung von Gastronomie und die Prüfung, ob eine öffentliche Toilette bezahl- und unterhaltbar ist. Das wird für viele Anwohner ein frustrierendes Ergebnis sein, weil ihr Kernproblem vor den Haustüren dadurch nicht verschwinden wird.