1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Ausbildungsbörse in Bad Godesberg: Das Interesse an Ausbildungsberufen schrumpft immer mehr

Ausbildungsbörse in Bad Godesberg : Das Interesse an Ausbildungsberufen schrumpft immer mehr

Bei der Ausbildungsbörse in der Bad Godesberger Stadthalle informierten sich potenzielle Azubis über die verschiedenen Branchen. Immer mehr Betriebe bieten eine Kombination aus Ausbildung, Meistertitel und Bachelor-Studium an.

Der Kampf um die Azubis wurde diesmal im Donut-Verzieren ausgetragen. Erst die Schokolade, dann Zuckerperlen und Streusel. Für die Ausbildungsbörse in der Godesberger Stadthalle hatte Bäckerei-Chef Andreas Voigt am Donnerstag jede Menge Backwaren angeliefert, um die Jugendlichen an seinen Stand zu locken. „Wir haben einen massiven Bewerbermangel, als Arbeitgeber muss man sich da von den anderen absetzen“, erklärte er.

Sein Plan ging auf: Ständig kamen neue potenzielle Azubis, schnappten sich die Süßigkeit und einen Flyer. Auf dem mussten die Jugendlichen nur noch ankreuzen, über welchen Job sie sich gerne genauer informieren würden. „Wir müssen uns für jeden ins Zeug legen“, sagte Voigt.

Diese offensive Art der Werbung hat einen ernsten Hintergrund. In der Region Bonn/Rhein-Sieg gibt es immer weniger Interessenten für die Ausbildungsberufe. Alleine im vergangenen Jahr blieben 500 Stellen unbesetzt. „Eine Entwicklung, die sich auch jetzt fortsetzt“, sagte Ralf Steinhauer von der Bonner Arbeitsagentur. Noch 2500 Stellen seien aktuell frei. „Die Bewerber haben in allen Bereichen eine große Auswahl“, so Steinhauer.

Aber besonders die naturwissenschaftlichen und technischen Jobs, das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie der Handelssektor hätten momentan noch viele offene Stellen. Selbst bei den beliebtesten Berufen, dem KFZ-Mechatroniker und in den elektrotechnischen Handwerken, würden Bewerber fehlen.

Blick auf Aufstiegsmöglichkeiten und Verdienst

„Der Mangel sorgt dafür, dass die Chancen auf einen Ausbildungsplatz so gut sind wie nie zuvor“, sagte Jürgen Hindenberg von der Industrie- und Handelskammer. Das geht sogar soweit, dass Bewerber angenommen werden, die den Anforderungen nicht entsprechen. Für sie bieten Arbeitsagentur und Betriebe Förderungen an, ehe die Ausbildung startet. In mehrmonatigen Praktika werden sie so für den Beruf fit gemacht, und es werden Grundkenntnisse vermittelt.

Aber auch ältere Bewerber, die sich für eine Ausbildung entscheiden, sind gerne gesehen. Sie gelten als lebenserfahren und motiviert – so wie Stefania Benning. Die 28-Jährige hatte ihren Freund und ihre Tochter im Gepäck, als sie sich die mehr als 130 Stände anguckte. Ihr Ziel: Eine Ausbildung in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb. „Nachdem ich mir für mein Kind eine Auszeit genommen habe, will ich nun wieder im Beruf starten“, erzählte sie.

Kriterien hatte sie sich schon im Vorfeld überlegt, sie war auf Empfehlung der Arbeitsagentur vorbeigekommen. Benning will nur eine Teilzeit-Stelle antreten, um Zeit für ihr Kind zu haben. „Wichtig ist mir auch, nicht zu weit von meinem Wohnort in Siegburg weg zu sein, damit ich nicht so viel fahren muss“, sagte sie.

Dieser Wunsch war bei den etwa 3000 Jugendlichen, die die Messe besuchten, nicht so ausgeprägt. Sie schauten vor allem auf die Aufstiegsmöglichkeiten und den Verdienst. „Viele glauben, dass man nach einer Ausbildung ein Leben lang weniger verdient, als wenn man ein Studium in der Tasche hat“, sagte Hindenberg. Deshalb wird nun verstärkt mit dualen und sogar trialen Studiengängen geworben, die Ausbildung, Meistertitel und Bachelor miteinander vereinen.