Neue Show "Rockstar": Das GOP lässt's ordentlich krachen

Neue Show "Rockstar" : Das GOP lässt's ordentlich krachen

Die neue Show „Rockstar“ des GOP-Varietétheaters besticht mit spektakulärer Artistik. Sie feierte am Freitag Premiere und läuft noch bis zum 28. April.

Musiker werden überbewertet. Zumindest manchmal. Verzerren das Gesicht, stürzen sich in brachiale Soli und können doch nicht verhindern, dass das Publikum innerhalb kürzester Zeit den eigentlichen Star des Abends ausmacht: den Roadie. Der Lakai im Hintergrund, der die Mikrofonständer bringt und andere Handlangerdienste verrichtet, hat nämlich zumindest bei der neuen Show des Bonner GOP-Varietétheaters mehr Rock im kleinen Finger als die Comedy-Moderatoren von Akascht in ihrem gesamten Körper.

Jerry heißt er, ein nur auf den ersten Blick tollpatschiger junger Mann – doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Rebell, ein Frauenheld und ein Biker der besonderen Art. Eben ein echter „Rockstar“ und daher zu Recht die Titelfigur des Programms, das am vergangenen Freitag eine umjubelte Premiere feierte.

In Bezug auf die Artistik ist die Euphorie im Saal auch völlig berechtigt. Das GOP, immerhin der größte Arbeitgeber für Akrobaten aller Couleur in Europa, hat einmal mehr erstklassige Künstler zusammengebracht, um zur Musik von den Cranberries über Guns 'n' Roses bis hin zu AC/DC Vollgas zu geben.

Wenn sich dann Elizabeth Williams an Ketten in die Luft erhebt oder die Australierin „Pippa The Ripper“ ihre Hula-Hoop-Reifen mit überbordender Geschwindigkeit um jedes nur erdenkliche Körperteil wirbelt (die Nase eingeschlossen), bekommt das Publikum schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Und das beinhaltet nicht die Auftritte von Stefan Erz und Hans von Chelius alias Akascht. Die beiden Herren sollen eigentlich in und durch die Welt des Rocks führen – doch nimmt man ihnen nicht ab, dass sie wirklich wissen, was sie da tun. Ja, spielen können sie, auch wenn in Ermangelung von Schlagzeug und Bass irgendein halbgares Halbplayback aus den Boxen tönt.

Die eigentliche Schwäche des Duos ist vielmehr ihr aufgesetzter Humor, der zumindest in Teilen aus der Krabbelkiste zu stammen scheint. Wer das Applaudieren mit dem Saal übt, ist sich der eigenen Pointen offenbar nicht sicher – wobei das angesichts einer peinlichen Nummer mit Mexikaner-Verkleidung sogar eine treffende Einschätzung ist. Dabei haben Akascht das eigentlich nicht nötig. Sie müssten nur der Musik vertrauen, insbesondere den drei Akkorden, die sie selbst überall finden. Dann wird's auch lustig.

Zum Glück nimmt die Moderation nicht überhand, nicht zuletzt dank Jerry. Der Kunstradfahrer, der auch mal auf dem Lenker oder der Mittelstange stehend über die Bühne rast, ist ein nicht nur ein beeindruckender Künstler sondern auch ein überaus sympathischer Charakter, erst recht dank der aufblühenden Beziehung zur süßen Schwedin Silea.

Für die artistischen Höhepunkte des Abends sorgen derweil das Duo Ogor mit einer der wahrscheinlich besten Boden-Akrobatik-Nummern, die bislang im Bonner GOP zu sehen waren, sowie der phänomenale Diabolo-Jongleur Phil Os, der dem Titel der Show vollständig gerecht wird. Rasant, wild, energiegeladen und mit dem Auftreten eines wahren Rockstars setzt der 30-Jährige einen fulminanten Schlusspunkt.

Die Show läuft noch bis zum 28. April in Bonn. Karten gibt es unter anderem in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets.

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