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Bäderkonzept: Das Frankenbad bleibt Zankapfel der Bonner Politik

Bäderkonzept : Das Frankenbad bleibt Zankapfel der Bonner Politik

Die Bezirksvertretung Bonn diskutiert über ein neues Bäderkonzept. Die Fraktionen SPD, Grüne und Linke halten dabei an der Sanierung des Frankenbads fest.

Auf einen Tagesordnungspunkt warteten die Politiker der Bonner Bezirksvertretung am Dienstag mit spürbarer Spannung: die Rahmenplanung zur Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft. Sport- und Kulturamtschefin Birgit Schneider-Bönninger und der Leiter des Sport- und Bäderamtes, Stefan Günther hatten sich angekündigt, um das Konzept mit Fokus auf den Stadtbezirk Bonn zu erläutern. Die Politiker wollten Fragen loswerden.

Bis dahin war die umfangreiche Tagesordnung zügig abgearbeitet worden. Wegen ausgefallener Sitzungen hatte sich einiges angesammelt. Solange die Corona-Vorschriften bestehen, sind elf Politiker von 19 für eine beschlussfähige Versammlung im Ratssaal zugelassen. Alle hatten einen Mundschutz dabei, der beim Verlassen des Platzes sofort angelegt werden musste – andernfalls gab es einen Ordnungsruf von Bezirksbürgermeisterin Birgitta Poppe-Reiners. Auch Günther kassierte einen.

Die Kehrtwende im Bäderkonzept, weg von einem zentralen Bad hin zu jeweils einem pro Stadtbezirk, gehört für Schneider-Bönninger zu einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung, denn „ein öffentliches Bad erfüllt viele Funktionen“. Am Ende dieses „ambitionierten Entwicklungsprozesses“ – anvisiert ist 2030 – steht eine Gesamtinvestition von derzeit geschätzten 130 Millionen Euro (der GA berichtete).

Im einwohnerstärksten Stadtbezirk stehen als Schwimmhallen Frankenbad und Sportpark-Nord zur Verfügung. „Wegen des Sanierungsbedarfs und der Denkmalschutzvorgaben im Frankenbad schlagen wir als weitere Alternative die Prüfung eines Neubaus auf dem Gelände des Römerbads – Parkplatz oder Liegewiese – vor“, so Günther. Geschätzte Kosten: rund 30 Millionen Euro. Probleme: Bestehender Bebauungsplan und Überschwemmungsgebiet.

Im Frankenbad, das seit 1996 unter Denkmalschutz steht, ist laut Verwaltung ein geschätzter Sanierungsaufwand von mindestens 35 Millionen Euro. In der Variante „Generalsanierung Frankenbad“ wird neben einer Aufwertung der Funktionen auch die Erweiterung der Wettkampfbahnen von sechs auf acht vorgeschlagen.

Der Sportpark-Nord hat acht 50-Meter-Bahnen, dort würde laut Günther allerdings für hochklassige Wettkämpfe ein Trainingsbecken fehlen. Fürs Schulschwimmen wäre ohnehin ein weiteres Lehrschwimmbecken erforderlich. Geschätzte Kosten: 15 Millionen Euro.

Wie Günther erläuterte, würden im Falle der Sanierung von Frankenbad und Sportpark-Nord-Halle etwa 204 Schulschwimmstunden wegfallen. Deshalb sei es notwendig, zur Überbrückung ein temporäres Schwimmbad zu bauen. Geschätzte Kosten: rund zehn Millionen Euro.

Seitens der Politik prallte die Einschätzung zum Frankenbad und der Variante Neubau am Römerbad unversöhnlich aufeinander. SPD, Grüne und Linke fordern die Sanierung des Frankenbads und halten daher eine Prüfung am Römerbad für überflüssig. Die CDU lehnt die Sanierung des Frankenbads für den Schwimmsport rundheraus ab. Für sie kommt eher die Umwandlung in eine Kultureinrichtung, die auch bereits angedacht war, infrage.

Schneider-Bönninger hat sich für den Fall bereits Beispiele in anderen Städten angeschaut und verweist etwa auf das umfunktionierte Neubad in Luzern. „Die Einrichtung muss nicht unbedingt in städtischer Regie geführt werden. Ich stelle mir das als bürgerschaftlichen Prozess vor.“ Die Frage, was der Denkmalschutz im Frankenbad zulässt – wie etwa den Anbau zweier weiterer Schwimmbahnen – befindet sich laut Günter im Klärungsprozess mit der Unteren Denkmalschutzbehörde. Vor drei Jahren wurde ein „Denkmalpflegerischer Bindungsplan“ erstellt, der Bauteile und umliegende Freiflächen in ihrer baugeschichtlichen Bedeutsamkeit einordnet und zugleich Veränderungspotenzial aufzeigt.