Regelung in Haus- und Badeordnung: Das droht beim Fotografieren in Bonner Freibädern

Regelung in Haus- und Badeordnung : Das droht beim Fotografieren in Bonner Freibädern

Augen auf beim Knipsen von Fotos: Aufnahmen von Dritten im Freibad können Ärger nach sich ziehen. So auch in Bonn. Welche Konsequenzen bei Verstößen drohen, lesen Sie hier.

„Das Springen vom Beckenrand ist untersagt!“ gehört wohl zu den bekanntesten Verboten in deutschen Freibädern und den Lieblingssätzen von hiesigen Bademeistern. In Zeiten, in denen so gut wie jeder ein Smartphone mit Kamerafunktion besitzt, gilt noch eine andere wichtige Regel: Augen auf beim Knipsen von privaten Fotos. Denn laut Badeordnung ist das Fotografieren und Filmen fremder Personen ohne deren Einwilligung nicht gestattet und kann im Extremfall bestraft werden.

„Bei solchen Verstößen kann das Aufsichtspersonal in schweren Fällen Hausverbote erteilen“, sagt Elke Palm, stellvertretende Amtsleiterin des Sport- und Bäderamtes. „Denn in Paragraph 6 der Haus- und Badeordnung für die Bonner Bäder ist das Fotografieren und Filmen Fremder, auch durch Fotohandys, ohne deren Erlaubnis nicht gestattet.“ Die Richtlinien seien im Internet zu finden und würden zudem in jedem städtischen Freibad aushängen, so Palm. Das Erstellen von Aufnahmen Dritter kann neben Hausverboten rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

„Wobei das von den Details des jeweiligen Falles abhängig ist“, weiß der Bonner Medien- sowie Internetrechtsexperte und Anwalt Steffen Koch. „Zunächst einmal muss unterschieden werden, ob die Aufnahmen gezielt gemacht worden sind oder ob betreffende Personen nur zufällig im Bild auftauchen und so nur Beiwerk im Hintergrund sind.“

Bei Nacktbildern droht Freiheitsstrafe

Bei einer gezielt angefertigten Aufnahme käme es zudem darauf an, ob diese für private Zwecke oder eine Veröffentlichung dient. „Beides kann in das Persönlichkeitsrecht eingreifen“, so der Experte. „Eine absichtlich angefertigte Aufnahme für den privaten Zweck kann einen Unterlassungsanspruch des Betroffenen nach sich ziehen. Anders sieht es bei einer Veröffentlichung aus.“

Hier greift der Straftatbestand der Verletzung des Rechts am eigenen Bild, die Opfer können Schmerzensgeld einklagen. Auch Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr sind möglich, zum Beispiel bei Nacktbildern aus der Umkleidekabine.

„Wer denkt, dass unerlaubt Aufnahmen von sich gemacht worden sind oder wer so etwas beobachtet, kann sich jederzeit an das Aufsichtspersonal wenden“, sagt Palm. Das hätte das Recht, die Betroffenen anzusprechen und für die Thematik zu sensibilisieren, im Notfall könnte es zusammen mit den Opfern auch eine Löschung der entsprechenden Medien einfordern und die Polizei hinzuziehen.

Gefahr von Unterwasseraufnahmen

„Ich habe so etwas zum Glück noch nicht erlebt“, sagt ein Bademeister aus Bonn. „Was mir jedoch Sorge bereitet, ist, dass die Smartphones heute unterwassertauglich geworden sind. Im Wasser fühlen sich die Leute frei, intimere Aufnahmen sind möglich.“ Dieser Punkt der Badeordnung sei dort schwer zu kontrollieren.

(Anmerkung der Redaktion: Dieser Text erschien in einer ersten Fassung bereits 2017 und wurde aktuell überarbeitet.)