Hochwasser in der Region: Darum steigt zurzeit der Rheinpegel in Bonn

Hochwasser in der Region : Darum steigt zurzeit der Rheinpegel in Bonn

Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen bringt der Rhein in Bonn Hochwasser mit sich. Solche Ereignisse könnten künftig häufiger auftreten. Bis Samstagmorgen ist der Pegel des Flusses gestiegen. Was ist die Ursache dafür?

Über die Promenaden und Fußgängerwege entlang des Rheins schwappt zur Zeit auf beiden Seiten des Flusses das Wasser. Parkbänke, Bäume und Straßenschilder werden umspült, auf der Beueler Rheinseite hat das Technische Hilfswerk inzwischen die ersten Hochwassertore geschlossen. Bereits Anfang Januar war der Rhein bis zu einem Pegel von 8,21 angestiegen. Wo aber kommt das viele Wasser her?

Am örtlichen Niederschlag liege es jedenfalls nicht, sagt der Bonner Klimatologe Karsten Brandt. "Das Wetter vor Ort hat kaum Wirkung auf den Pegel des Rheins." Brandt macht vielmehr die aktuelle Großwetterlage für die beiden Hochwasser in Bonn verantwortlich. Große Mengen an Niederschlägen im Südwesten sorgen demnach dafür, dass der Rhein mit einigen Tagen Verzögerung in Bonn anschwillt. Laut Deutschem Wetterdienst braucht es derzeit etwa drei bis vier Tage, bis die Hochwasserwelle des Oberrheins, die sich aus Niederschlägen in Baden-Württemberg, am Bodensee und der Schweiz speise, Bonn erreicht.

"Seit Ende November ist derart viel Regen gefallen, dass die Böden völlig gesättigt sind", sagt Brandt. Der Regen, der nun falle, fließe deshalb sofort in die Bäche und Flüsse ab. Für die großen Regenmengen sorgt wiederrum die Wetterlage in Mitteleuropa. Der Jetstream, ein Windstrom in fünf Kilometer Höhe, bringe in diesem Winter eine Reihe von Tiefdruckgebieten nach Europa. Diese sorgen laut Brandt für milde Temperaturen, hohe Niederschläge, viel Wind und dunkle Tage.

Niedrig- und Hochwasser werden wahrscheinlicher

Bis zum frühen Samstagmorgen hatte der Klimatologe Brandt einen Pegelanstieg zwischen 7,70 und 7,85 Meter erwartet. Höher werde das Rheinwasser seiner Einschätzung nach nicht mehr steigen. Anschließend werde sich der Fluss zurückziehen. Ein drittes Hochwasser erwartet der Experte in Kürze nicht mehr. Im Februar gebe es in der Regel weniger Niederschlag. Erst im März könne der Pegel aufgrund von Schneeschmelze in den Alpen wieder ansteigen.

Seit dem Hochwasser von 1995 sei es in Bonn verhältnismäßig ruhig geblieben. "Wir haben in den vergangenen Jahren einfach sehr viel Glück gehabt", sagt Brandt. Sowohl das Auftreten von Niedrig- als auch Hochwasser werde laut Brandt in Zukunft aber wahrscheinlicher. "Mit dem Klimawandel steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Wetterextreme bei uns zunehmen", sagt er.

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