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Coronavirus in Bonn: Zehn bestätigte Fälle - Stadt will Diagnostikzentrum

Zahl der Fälle steigt auf zehn : Stadt Bonn will eigenes Diagnostikzentrum für Coronavirus

Wie die Stadt Bonn mitteilt, ist die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten nochmals gestiegen. Während es am Montag fünf bestätigte Fälle gab, stieg die Zahl inzwischen auf zehn. Eine spezielle Anlaufstelle soll Ärzte und Kliniken entlasten.

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Bonn ist am Dienstagmittag auf zehn gestiegen. Bei den  neuen Fällen handele es sich allesamt um Reiserückkehrer, teilte die Stadt Bonn mit. Vier Erkrankte hätten sich in Südtirol aufgehalten, eine Person in Österreich. Alle fünf Betroffenen, von denen derzeit nur einer Symptome zeige, seien in häuslicher Quarantäne. Das Gesundheitsamt ermittele derzeit die Kontaktpersonen. Von diesen fünf neuen Fällen waren drei gemeinsam auf einer Skifreizeit. Insgesamt befänden sich 233 Bonner in häuslicher Quarantäne.

Bei den bis Dienstag bestätigten Fällen einer Familie (Vater und Mutter, beide arbeiten beim Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, DZNE) zeigen die beiden Kinder keine Symptome. Die Bad Godesberger Kita, in der die Familie angemeldet ist, bleibt in Betrieb.

Weil Virologen mit einem weiteren Anstieg von Coronavirus-Fällen rechnen, will die Stadt Bonn in den nächsten Tagen ein eigenes Diagnostikzentrum eröffnen. Nach GA-Informationen ist im Gespräch, dass das Deutsche Rote Kreuz die Einrichtung in einem Gebäude in der Gotenstraße mit eigenem Personal betreiben soll. Nachdem vor Ort Rachenabstriche genommen wurden, würde ein Fahrdienst die Proben in die Bonner Uniklinik bringen, um sie untersuchen zu lassen.

„Ziel ist, die Ärzte und Krankenhäuser zu entlasten“, sagt Stadtsprecherin Monika Hörig. Zudem werde dadurch die Gefahr minimiert, dass Infizierte in die Praxen kommen und dort andere, möglicherweise schwer erkrankte Menschen zusätzlich anstecken – das, was viele Bonner Ärzte schon seit langem fordern. Derzeit erarbeite das Gesundheitsamt mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenhäusern die konkreten Aufgaben, die im Diagnostikzentrum gebündelt werden. „Dazu gehört auch die Frage, wer dort wie hinkommt“, so Hörig. Die Behandlung müsse auf einem „gelenktem Wege“ passieren. Über das genaue Vorgehen wolle die Stadt die Bürger in den kommenden Tagen informieren.

Wie die Arbeit im Diagnostikzentrum aussehen kann, zeigt die Stadt Düsseldorf. Dort hat es bereits vor einer Woche den Betrieb aufgenommen. Rund um die Uhr gibt es eine Telefonhotline mit geschultem Personal, bei der sich die Bürger melden können. Wenn am Infotelefon abgeklärt wurde, dass ein Test notwendig ist, wird direkt ein Termin für den nächsten Tag vermittelt. Anschließend müssen die Betroffenen in das Zentrum kommen, um einen Rachenabstrich machen zu lassen. Alternativ besucht ein Ärzteteam die möglichen Infizierten zu Hause.

Ob und welche Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern in Bonn abgesagt werden, konnte Oberbürgermeister Ashok Sridharan am Dienstagabend noch nicht absehen. „Die Stadtverwaltung hat den Erlass zur Kenntnis genommen und nimmt ihn selbstverständlich ernst“, sagte er. Es würde eine „ganze Reihe von Fragen“ geben, die man sich von der NRW-Landesregierung am Mittwoch beantworten lassen will. „Zum Beispiel nach Haftung und Schadensersatzforderungen.“ Kleinere Veranstaltungen würden im Einzelfall geprüft. „Wir warten jetzt erst einmal ab, wie die Stadtverwaltung auf den Erlass der Landesregierung reagieren wird“, sagte Michael Kleine-Hartlage,  Geschäftsführer der Managementgesellschaft des World Conference Center Bonn (WCCB). Das WCCB wäre hart von angeordneten Absagen betroffen: So ist für den 26. März die Hauptversammlung der Deutschen Telekom mit bis zu 3000 Teilnehmern im Kongresszentrum vorgesehen.  

Der Bonner  Generalintendant Bernhard Helmich ging am Dienstag davon aus, dass die Bonner Oper keine Veranstaltung absagen muss, also auch nicht die  „Fledermaus“, die an diesem Mittwoch auf dem Spielplan steht. Zwar verfüge das Haus am Boeselagerhof über 1024 Plätze, aber es werde darauf geachtet, dass die Zahl der Besucher unter 1000 bleibe. Das sei kein Problem, weil zurzeit ohnehin mehr Absagen als normal erfolgten.  „Wir erheben allerdings im Moment keine Umtauschgebühren, falls jemand seine Karte eintauschen möchte.“

Bei den Schulen und Kitas in Bonn, so Sozialdezernentin Carolin Krause, werde man im Einzelfall entscheiden. An vielen Bonner Schulen fallen allerdings geplante Schülerreisen aus. Zudem haben Kitas und Schulen dafür gesorgt, dass ihre Seifenbestände aufgestockt wurden und Kinder sowie Jugendliche sich öfter die Hände waschen. An der vorsorglich geschlossenen Clemens-August-Schule in Poppelsdorf soll der Unterricht wieder am Montag, 16. März, aufgenommen werden.

Der erkrankte 13-jährige Schüler der Bonn International School (BIS) war auch in Südtirol, teilt die Stadt mit. Die BIS ist bis 23. März geschlossen. An der Bonner Universität wurde unter anderem die Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft abgesagt, zu der rund 2000 Teilnehmer erwartet worden waren, so Unisprecher Andreas Archut. Organisatoren von kleineren Veranstaltungen empfehle man, sie möglichst zu verschieben. Ob die von der Universität selbst organisierte Wissenschaftsnacht Ende Mai stattfinden kann, ist nicht klar. Archut: „Wir hoffen, dass sich die Lage bis dahin entspannt hat.“