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Coronavirus in Bonn und der Region: Gemischte Bilanz nach Corona-Lockerungen

Corona-Lockerungen : Innenstädte in Bonn und der Region füllen sich wieder

Nach wochenlangem Corona-Lockdown haben am Montag viele Einzelhändler in Bonn und der Region wieder geöffnet. Während sich viele Kunden über den Einkaufsbummel freuen, sehen andere die Lockerungen eher skeptisch.

Nach wochenlangem Lockdown ist mit der heutigen Öffnung vieler Einzelhandelsgeschäfte wieder ein Stückchen Normalität in die Innenstädte zurückgekehrt. Viele Kunden und Einzelhändler aus der Region freuen sich über die Ladenöffnungen und neu gewonnene Freiheit, andere betrachten die Corona-Lockerungen eher skeptisch.

Besucher der Bonner Innenstadt verzichten größtenteils auf Schutzmasken

Da die meisten Einzelhandelsgeschäfte in den Fußgängerzonen von Bonn, Beuel oder Bad Godesberg über Ladenflächen unter 800 Quadratmetern verfügen, konnten sie sich wieder über Kunden freuen. Auch Autohäuser, Fahrradläden, Möbelhäuser und Babyfachmärkte durften ihre Türen wieder öffnen.

Während sich die meisten Geschäftsinhaber hoch erfreut über ein Ende von Kurzarbeit und Umsatzausfall äußerten, war die Stimmung auf Kundenseite eher verhalten. Man bedankte sich vor allem über für die Abwechslung: „Zuhause fiel mir langsam die Decke auf den Kopf“, so Berthold Hartmann aus Bonn, der sich bei den sonnigen Wetteraussichten darauf freute, ein paar sommerliche Polohemden kaufen zu können.

Mehrfach wurde jedoch auch die Sorge geäußert, dass die Lockerung der Schutzmaßnahmen vielleicht zu früh sein könnte. Trotzdem verzichtete der Großteil der Innenstadtbesucher auf Schutzmasken, während in den meisten Geschäften viel dafür getan wurde, eine mögliche Ansteckungsgefahr durch das Covid-19-Virus über die Einhaltung von Abstandsregeln, Trennscheiben aus Plexiglas und Aufstellung von Handdesinfektion zu vermeiden.

Fußgängerzone in Bad Honnef ist gut besucht

Bereits am Vormittag ist die Bad Honnefer Fußgängerzone gut besucht. Die einen begutachten die Auslagen in den Schaufenstern, andere durchstöbern die Stände mit Aktionsware vor den Geschäften. Viele haben mehr als eine Einkaufstüte in der Hand, die Eisdiele hat gut zu tun. Es scheint als würden die Menschen die Corona-Lockerungen dankbar annehmen.

„Wir hatten heute morgen schon richtig gut zu tun.“ Najat Capellmann von der Modeboutique „Soho“ ist guter Stimmung – wie auch ihre Kundschaft. „Viele haben sich gefreut, bei dem schönen Wetter herauszukommen“, so ihr Eindruck. Vor allem Sommerkleider und T-Shirts seien bei der weiblichen Kundschaft an Tag eins nach dem Lockdown gefragt gewesen. Die modische Beratung allerdings leistet Capellmann nur mit Sicherheitsabstand. Und bietet am Eingang den Kunden die Möglichkeit, die Hände zu desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen – rund 300 Masken liegen am Eingang zur Mitnahme bereit.

Diese Corona-Regeln gelten seit dem 20. April in NRW

„Einzeln eintreten bitte“ heißt es gegenüber im Blumenstudio von Karin Vorrath. Etwas ruhiger als in den vergangenen Wochen sei es an diesem Montag, so ihr Eindruck. Vermutlich, da ihr Geschäft als eines von wenigen in der Fußgängerzone auch in den vergangenen Wochen geöffnet war. „Insofern sind wir hier im Umgang mit der Kundschaft schon gut eingespielt“, sagt sie. Mundschutz für alle Mitarbeiter, Desinfektionsmittel für alle Oberflächen: „Es ist anstrengend, immer auf alles zu achten“, sagt sie. „Aber die Sicherheit aller geht vor.“

Gemischte Bilanz in den Geschäften im Rhein-Sieg-Kreis

  • Sankt Augustin: Die Atmosphäre ist angenehm am Montagmittag im Huma-Einkaufscenter in Sankt Augustin: Die Menschen bewegen sich ruhig und gelassen, achten auf Abstände. Einige tragen Mundschutz, andere Handschuhe. Überall mahnen Schilder, die geforderten Abstände einzuhalten, Ordner sind an neuralgischen Punkten postiert. Noch haben nicht alle Geschäfte offen, aber auch hinter den geschlossenen Türen wird gearbeitet, damit alle Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Bereits geöffnet hat der Orsay-Store, doch hier ist es bis 14 Uhr sehr ruhig. Dann muss Teamleiterin Eileen Szurowski das Geschäft schließen, denn plötzlich tummeln sich acht Menschen auf den 180 Quadratmetern, mehr sei nicht möglich. „Am Eingang weisen wir die Kunden nochmal auf das Desinfektionsmittel hin, das wird oftmals vergessen oder übersehen“, sagt sie. Ansonsten sei das Verhalten vorbildlich. Geradezu begeistert steuert Andrea Krämer aus Lohmar mit ihren Einkäufen die Kasse an. „Ich habe Mittagspause und verspürte den Drang, mal wieder was für die Seele zu tun“, sagt die Kundin. „Das ist einfach herrlich, statt Essen mal wieder was zum Anziehen zu kaufen“, ergänzt sie.
  • Siegburg: Auch in der Siegburger Innenstadt haben die Inhaber ihre Läden auf die Wiedereröffnung vorbereitet. Zahlreiche Menschen sind auf dem Marktplatz unterwegs, genießen die Sonne und einige auch einen Einkaufsbummel. Dazu gehören Julia Schlegel aus Siegburg und Karin Schaefer aus Niederkassel, die es spontan ins Schuhgeschäft gezogen hat. Die Ladenschließungen hätten sie vorher nicht so eingeschränkt, sagt Schlegel. Aber es sei schön, wieder Leute zu sehen. Sie ist gleichzeitig aber auch skeptisch wegen der Lockerungen. „Man muss sehen, wie es sich entwickelt.“ In den Geschäften fällt die erste Bilanz unterschiedlich aus. „Es war schon einiges los“, erzählt Hilla Schubert, Leiterin des Tamaris-Ladens, am frühen Nachmittag. „Alle Kunden freuen sich, dass wieder offen ist.“ Es habe bereits zwei, drei Situationen gegeben, bei denen Kunden draußen hätten warten müssen. Die Stimmung sei insgesamt sehr gut, alle seien rücksichtsvoll. Von einem eher verhaltenen Start berichtet hingegen eine andere Geschäftsfrau, die nicht namentlich genannt werden möchte. „Es ist alles noch sehr zögerlich“, sagt sie. Sie selbst habe am Morgen auch mit gemischten Gefühlen aufgemacht. „Man weiß ja nicht, was einen erwartet.“

„Wahnsinnsbetrieb“ im Rheinbacher Zentrum

Schon am Vormittag fiel auf, dass sich etwas im Vergleich zu den vergangenen Wochen verändert hat: Wo Autofahrer im Rheinbacher Zentrum nach dem Lockdown tagsüber noch die freie Parkplatzwahl hatten, waren die Buchten wieder gut belegt. Viele Menschen waren zu Fuß in der Innenstadt unterwegs. Nicht nur, um wieder etwas „Freiheit“ zu genießen, sondern vor allem auch, um in den Einzelhandelsgeschäften in der Innenstadt einzukaufen, wie an den zahlreichen Einkaufstaschen mit Bekleidung oder Schuhen zu sehen war. Menschen, die einen Mund-Nase-Schutz trugen, waren indes die Ausnahme.

„Es war schon ein Wahnsinnsbetrieb“, sagte Einzelhändlerin Ruth Gelbe. In ihrem Modegeschäft trugen die Mitarbeiter Masken, an der Kasse war ein Spuckschutz aufgestellt, es gab Desinfektionsmittel für die Hände und für Flächen sowie Einmal-Rührstäbchen, damit Kunden beim bargeldlosen Bezahlen hygienisch sauber ihre Geheimzahl an den Geräten eingeben konnten. Auch von den Kunden erhoffe sie sich entsprechendes Schutz- und Vorsorgeverhalten. „Wir möchten, dass die Kunden uns und unsere Gesundheit auch respektieren“, sagte die Geschäftsfrau. Aber nur sehr wenige Kunden hätten sich selbst und andere geschützt. „Die Leute meinen: Ach, jetzt sind die Geschäfte wieder auf, und jetzt ist alles wie vorher“, merkt Gelbe kritisch an. Dem sei aber gewiss nicht so.

Vereinzelte Schlangen in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Nach einigen Wochen ohne geöffneten Einzelhandel kehrte am Montag das „normale Leben“ auch im Kreis Ahrweiler in ersten kleinen Schritten zurück. Schon im Vorfeld war die Freude groß, aber auch die Skepsis, dass es keinen allzu großen Zulauf geben würde. In Bad Neuenahr-Ahrweiler und am Rhein bestätigte sich die Prognose der Händler. Nur vereinzelt bildeten sich Schlangen vor den Geschäften, weil die Zahl der zulässigen Kunden erreicht war. In Bad Neuenahr war dies beim Textildiscounter Zeeman der Fall. Der feierte allerdings auch Wiedereröffnung nach dem Neubau seiner Filiale in der Hauptstraße und hatte entsprechende Angebote parat. Bunte Luftballons am Eingang wiesen auf die Neueröffnung hin. Im Laden ging es nach den gebotenen Corona-Regeln zu, Abstand wurde gehalten, viele Besucher schützen sich mit Alltagsmasken. Es war ansonsten ruhig in Bad Neuenahr, die Fußgängerzone wirkte überschaubar, Parkplätze gab es zuhauf.

In Ahrweiler war die Fußgängerzone schon wieder deutlich voller, als in den Tagen der geschlossenen Geschäfte. Schon am Sonntag waren weitaus mehr Menschen unterwegs, um sich die Schaufenster anzuschauen, als in den Wochen davor. Überhaupt scheint die Corona-Krise in der Kreisstadt keine Geschäfte in den Konkurs zu treiben. „Uns sind in der Corana-Krise bisher keine Geschäftsaufgaben oder Insolvenzen bekannt, es wurde nichts mitgeteilt“, so Stadtsprecher Karl Walkenbach.