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Coronavirus in Bonn: Infizierte bei Polizei und Feuerwehr - Kritik am Umgang mit dem Virus

Auch Einsatzkräfte Infiziert : Keine Quarantäne für Reiserückkehrer bei der Polizei Bonn

Drei Polizisten und ein Freiwilliger der Bad Godesberger Feuerwehr sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Insider kritisieren den internen Umgang mit den Fällen, Polizei und Stadt weisen die Kritik jedoch zurück.

Die Zahl derer, die sich in Bonn mit dem Coronavirus infiziert haben, steigt täglich. So ist es kaum verwunderlich, dass das Virus auch vor Einsatzkräften nicht halt macht. Laut Heiko Basten von der Bonner Feuerwehr ist ein Freiwilliger aus Bad Godesberg betroffen, der sich beim Skifahren in Südtirol infiziert haben soll. Bei der Polizei gibt es nach Auskunft von Sprecher Robert Scholten mittlerweile bestätigte Fälle „im unteren einstelligen Bereich“. Nach GA-Informationen handelt es sich um drei infizierte Polizisten, bei knapp über zehn besteht der Verdacht einer Coronainfektion.

Doch wegen des Umgangs mit diesen Fällen wird Kritik laut. Innerhalb der Behörde sei nicht bekanntgegeben worden, wer genau positiv getestet worden sei, so ein Polizist, der anonym bleiben möchte. Das Problem: Mögliche Kontaktpersonen wüssten somit nicht Bescheid. Seien diese dann doch ermittelt worden, würde nicht automatisch getestet. Sondern nur, wenn der Betroffene Symptome zeige. Bis dahin müsse er zur Arbeit erscheinen. „Wozu dies bei einer Inkubationszeit von zwei Wochen führt, kann man sich ausmalen“, so der Beamte. Doch das sei noch nicht alles: Polizisten, die in Krisengebieten Urlaub gemacht hätten – zum Beispiel in Österreich oder der Schweiz – würden nicht in Quarantäne geschickt. Dieses Vorgehen sei verantwortungslos, zumal es derzeit vermehrt zu Einsätzen wegen falscher Polizisten komme. Die Opfer seien nahezu ausschließlich Senioren, „welche die Risikogruppe des Coronavirus darstellen“.

Lediglich in einem Punkt gibt Scholten dem Kritiker recht: Wer aus dem Urlaub in Krisengebieten zurückkommt, wird nicht automatisch unter Quarantäne gestellt. Das Gleiche gelte auch für Kontaktpersonen, die aber jederzeit selbst aktiv werden und einen Arzt aufsuchen könnten. „Wir würden allerdings dazu raten, einen Test machen zu lassen“, so der Polizeisprecher. Und zwar in beiden Fällen. Und was geschieht, wenn jemand nicht zum Arzt gehen möchte? „Dann würden wir sagen, dass es sein muss.“

Zurückgehalten aber werde nichts. Im Gegenteil. Sobald ein Polizist positiv getestet wird, würde die betroffene Dienststelle vom behördeneigenen Pandemiestab informiert, „um die Kontaktpersonen zu ermitteln“, widerspricht Scholten den Aussagen. Das könne auch weitere Kreise ziehen. Dann nämlich, wenn der Betroffene zum Beispiel bei Lehrgängen Kontakt zu Beamten anderer Behörden gehabt habe. Sollte es den Verdacht einer Infektion geben, sei derjenige angehalten, sich an seinen Arzt oder das Gesundheitsamt zu wenden. „Dort werden die Tests angeordnet.“

Generell würde die Situation jeden Tag neu bewertet, (präventive) Maßnahmen daraufhin angepasst. In den Kommissariaten zum Beispiel werde – sofern vertretbar – dienstfrei gegeben. „Ziel ist es, dass dort alle im Einzelbüro arbeiten.“ Schwieriger werde es da im Streifenwagen. „Wenn es geht, lassen wir die Teams zusammen.“ Soll heißen, dass immer die gleichen Polizisten miteinander Streife fahren. „Das ist aber nicht immer möglich“, räumt Scholten ein. Nach Auskunft des Kritikers hingegen kommt es so gut wie nie vor.

Und was ist mit der Einsatzhunderschaft (EHU), die mangels Demonstrationen, Fußballspielen und ähnlichem derzeit weniger Einsätze haben? Die Beamten seien weiterhin im Dienst, unter anderem seien sie in Bad Godesberg, Tannenbusch und der Innenstadt im Zuge der laufenden Konzepte weiterhin präsent, so Scholten. Sondereinsätze der EHU würden über das Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste (LZPD) geregelt. Dort hat man das Geschehen im Blick, macht sich auch Gedanken um Notfallpläne, um die Polizei auch dann handlungsfähig zu halten, wenn viele Beamte landesweit erkrankt seien, so ein Sprecher.

Kritik an geringen Schutzmaßnahmen

Auch innerhalb der Bonner Feuerwehr wird Kritik am Umgang mit Corona laut. Was viele Wehrleute erbost: Die Wehrleitung trifft ihrer Ansicht nach zu wenig Quarantäne- und Schutzmaßnahmen – „und riskiert damit die Einsatzbereitschaft der gesamten Organisation“, so ein Wehrmann, der anonym bleiben will. Unter anderem stand am 7. März die Jahreshauptversammlung der Godesberger Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Programm. Die hatte laut eines Zeugen auch der Infizierte besucht. Was sich nun mancher Wehrmann fragt: Warum musste die Versammlung überhaupt stattfinden? Schließlich hatte bereits einen Tag zuvor, am 6. März, die Kreisfeuerwehr ihren Einheiten im Rhein-Sieg-Kreis empfohlen, den Ausbildungs- und Dienstbetrieb drastisch zurückzufahren, erklärt Markus Zettelmeyer, Feuerwehrchef in Wachtberg und Vize-Kreisbrandmeister. „Das ist meines Wissens nach auch flächendeckend im Kreis befolgt worden.“

Davon ist die Bonner Feuerwehr weit entfernt. „Der Dienst- und Übungsbetrieb wird ganz normal weitergeführt“, ereifert sich ein Insider: „In Bonn werden alle Ratssitzungen abgesagt, und trotzdem haben sich am Dienstagabend die gesamte Amtsleitung sowie alle Löscheinheitsführer der Freiwilligen Feuerwehr zu einer Dienstbesprechung getroffen.“

Auch was den Dienstbetrieb der Jugend- und Kinderfeuerwehr angeht, sah die Leitung nach einer E-Mail vom 13. März, die dem GA vorliegt, bislang keinen Anlass, die Aktivitäten explizit herunterzufahren. Zudem gibt es keine Einschränkungen für den Übungsdienst der Freiwilligen Feuerwehr.

Vorsorgemaßnahmen "täglich neu bewertet"

Gefragt, welche Vorkehrungen die Amtsleitung grundsätzlich trifft, um zu verhindern, dass sich das Virus in Feuerwehr und Rettungsdienst ausbreiten kann, teilte das Presseamt mit: Man habe bereits am 1. März eine Dienstanordnung erlassen, die sehr detaillierte Vorkehrungen zum Schutz der Mitarbeiter und zur Verringerung der Ausbreitung beinhaltet, so Stadtsprecherin Monika Hörig.

 In der Berufsfeuerwehr gibt es laut Hörig derzeit auch keinen bestätigten Fall. Weiterhin würden die Vorsorgemaßnahmen aber „täglich im Führungsstab neu bewertet und der Lage angepasst“. Was Versammlungen und Besprechungen angeht, würden diese „aktuell auf das nötige Maß beschränkt“. Man führe sie durch, „wenn sie für die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes der Feuerwehr Bonn notwendig sind“.