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Coronavirus in Bonn: Auswirkungen auf Hoteliers und Gastronomen

Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft : Coronavirus trifft Bonner Hoteliers und Gastronomen

Übernachtungsgäste und Tischreservierungen bleiben in Bonn derzeit aus. Eine Nacht im Hotel soll nur noch in Ausnahmefällen möglich sein. Ein Überblick, wie das Coronavirus die lokale Wirtschaft trifft.

Das Coronavirus setzt auch den Bonner Hoteliers und Gastronomen zu. Am Montagnachmittag haben der Bund und die Länder bekanntgegeben, dass Restaurants künftig frühestens um 6 Uhr öffnen dürfen und spätestens um 18 Uhr schließen müssen. Hotelübernachtungen sollen nur noch in Ausnahmefällen möglich sein.

Das hat teils gravierende Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft: Corinna Ecker arbeitet an der Rezeption des V-Hotels in Ippendorf. Die 23-Jährige sagt, dass sie gerade viele Stornierungen entgegennimmt, obwohl sich das Hotel so gut wie möglich auf das Virus vorbereitet hatte. „Wir haben neue Desinfektionsmittel bestellt und neben den Aufzügen und in den Zimmern aufgehängt“, sagt Ecker. „Viele wurden uns gestohlen, deswegen hängt jetzt neben jedem Desinfektionsmittel ein Schild, worauf steht, dass diese nicht mitgenommen werden sollen“.

Ruth Maria van den Elzen, Direktorin des Hotels Collegium Leoninum, sagt, dass es bei ihnen nun an jedem Eingang Spender mit Desinfektionsmitteln gebe. Die Mitarbeiter seien etwa darauf hingewiesen worden, sich regelmäßig die Hände zu waschen und den Gästen nicht die Hand zu geben. Auch ihr Haus verzeichne derzeit Stornierungen und sie rechnet mit weiteren.

„Selbstverständlich trifft die Ausbreitung des Coronavirus auch unseren Stiefel“, sagt Olaf Dreesen, der neben dem Rheinhotel Dreesen in Rüngsdorf auch das Gasthaus „Im Stiefel“ in der Innenstadt betreibt. Durch die abgesagten Tagungen und Veranstaltungen, besuchen auch weniger Gäste sein Haus. „Solange wir noch aufhaben dürfen, haben wir auf und solange kommen auch die Bonner noch“, sagt er. Die Dacapo Service GmbH, vertreten durch Lydia Lohmeier, betreibt die Restaurants Waldau, Godesburg und Schützenhof. „Wir sind ganz schön gebeutelt“, sagt sie. „Seit über einer Woche hagelt es Absagen.“ Der gesamte Umsatz sei eingebrochen.

„Große Unsicherheit, auch unter den Gästen“

„Es herrscht eine große Unsicherheit, auch unter den Gästen“, so Lohmeier. „Wenn es zu einer Schließung kommen sollte, werden wir Mitarbeiter entlassen müssen. Die Kurzarbeit zu beantragen, reicht da nicht aus“. Sie hoffe vor allem auf die Hilfe vom Staat. „Wir müssen schauen wie wir das überstehen. Es ist wirklich eine noch nie dagewesene Situation“, meint Lohmeier. Auch das Bistro L’unico in Bad Godesberg hat sich der Ausnahmesituation angepasst und bietet ab sofort einen Take-away-Service an.

Heike Matuszek-Rickert, Inhaberin des Reisebüros „Der Ferienplaner“ in Beuel, sagt, dass sie seit Freitag nur noch Stornierungen erhalte und alle kurzfristigen Reisen abgesagt werden würden. „Es ist für alle eine sehr kritische Situation“, so die 58-Jährige. Die Veranstalter befänden sich im Krisenstatus und seien oftmals nur schwer zu erreichen. „Wir erhalten alle paar Minuten neue Informationen, es herrscht eine große Unsicherheit“, meint Matuszek-Rickert. Dabei würden die Reiseverbote die Situation noch verschlimmern.

Sehr viele Stornierungen durch Reiseverbote

Das „Reisebüro am Weidenbach“ gibt es schon seit 30 Jahren. Inhaber Franz Bäuml macht das Virus Sorgen. „Es kommen keine Neubuchungen“, so der 65-Jährige. „Die Reiseverbote haben zur Folge, dass wir sehr viele Stornierungen erhalten.“ Auch die laufenden Kosten bereiten ihm Kopfzerbrechen, so sehr, dass er sogar Kurzarbeit beim Arbeitsamt beantragt hat. „Wir werden unser Büro schließen und nur noch per E-Mail oder Telefon erreichbar sein“, so Bäuml.

Das Personal müsse frühzeitig in den Urlaub geschickt werden, um die Kosten zu minimieren. „Wir sind seit 30 Jahren hier und nun gibt es zum ersten Mal die Situation, dass wir unsere Kosten nicht decken können“, sagt Bäuml. „Den Jahresumsatz zu erreichen, haben wir uns abgeschminkt“, sagt er. „Zudem rechnen wir mit einem Minus im zweistelligen Bereich“. Er habe die Hoffnung, dass sich die Situation in zwei bis drei Monaten beruhige.