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Coronavirus Bonn: Oper will 1000 Schutzmasken pro Woche nähen

Nähen gegen das Coronavirus : Bonner Oper will 1000 Schutzmasken pro Woche produzieren

Wo normalerweise farbenfrohe Kostüme genäht werden, geht seit einigen Tagen nur noch ein Produkt über den Tisch: Infektionsmasken in schlichtem Beige. Etwa 1000 Exemplare hoffen die fünf Schneider pro Woche zu schaffen. Der GA stellt Alltagshelden in der Krise vor.

Bis vor kurzem hießen ihre Herausforderungen „Die Fledermaus“, „Staatstheater“ und „Tod in Venedig“. Doch auch für die Mitarbeiter der Bonner Oper hat das Coronavirus ein neues Drama geschrieben. Und an dem wird nun auch hinter den Kulissen fleißig gearbeitet – auf dass es so schnell wie möglich zum Ende kommt.

Wo normalerweise prächtige, farbenfrohe Kostüme genäht werden, geht seit einigen Tagen nur noch ein Produkt über den Tisch: Infektionsmasken in schlichtem Beige. Etwa 1000 Exemplare hoffen die derzeit fünf Schneiderinnen und Schneider der Oper pro Woche zu schaffen und dem städtischen Gesundheitsamt übergeben zu können. Den entscheidenden Impuls für die Aktion habe ein Gespräch mit seiner Schwester gegeben, die als „Helferin vor Ort“ im Einsatz sei, sagt Gewandmeister Gerhard Kreuzer. „Sie berichtete, dass sie und ihre Mitstreiter keine Schutzmasken hätten. So kam die Idee auf, dass wir sie hier bei uns nähen könnten“, so der 58-Jährige. Und soweit der Spielbetrieb an der Oper bekanntlich ohnehin ruht, fand er auch bei seinen Kollegen und Mitarbeitern sowie der Leitung des Hauses ein offenes Ohr.

„Zunächst haben wir einen Prototypen entwickelt, den wir jetzt in Serie produzieren“, erklärt Kreuzer. Er und drei Kollegen waren am Dienstag in der Schneiderwerkstatt mit Blick auf den Rhein ausschließlich mit der Maskenproduktion beschäftigt – unterstützt von zwei weiteren Mitarbeitern in Heimarbeit. Arbeitsgrundlage bot eine Anleitung aus den Reihen der Essener Feuerwehr. „Möglichst wenige Nähte“ sei für das Bonner Team eine wichtige Prämisse gewesen, so Kreuzer.

Als Material dient ihm und seinen Kollegen einfache, unbehandelte und naturfarbene Baumwollnessel. Das Besondere: Damit sind die Masken waschbar und kein Wegwerfprodukt. In klinischer Hinsicht haben die behelfsmäßigen Produkte zwar nicht den zertifizierten Standard, schützen aber beispielsweise in gewissem Maße vor Tröpfcheninfektion durch feuchte Aussprache.

Dass es in einem hochentwickelten Industrieland wie Deutschland zu einer Situation kommen konnte, in der Theaterschneider dem staatlichen Gesundheitssystem aushelfen, während Politiker behaupten, das Land sei stabil auf die Krise vorbereitet, hätte bis vor kurzem auch Kreuzer nicht für möglich gehalten: „Kein Mensch hat damit gerechnet, dass die Situation in China derart eskalieren konnte und wir nun in gleicher Weise betroffen sind“, sagt der Bayer, der seit 21 Jahren in Bonn lebt.

Peter Brombach stellt in der Werkstatt an der Siegburger Straße Kunststoffscheiben für Kassen und Schalter her. Foto: Privat

Nicht nur in der Oper am Boeselagerhof, auch in den Theater-Werkstätten kämpfen Mitarbeiter des Bonner Schauspiels gegen die Ausbreitung des Virus. Sieben Leute um Tischlermeister Peter Brombach sind seit Tagen beschäftigt, aus gelagerten Acrylglasplatten Hygienewände herzustellen. 30 Exemplare à 70 mal 65 Zentimeter konnten sie in eineinhalb Tagen auf diese Weise produzieren, sie sollen nun innerhalb der Stadtverwaltung zum Einsatz kommen. Peter Brombach und seine Leute stehen weiter bereit: „Wir helfen, wo wir können“, sagt Peter Brombach.

Die Näh- und Pflegeanleitung für Behelfsmasken findet sich im Internet unter www.essen.de/gesundheit/coronavirus_6.de.html