Corona-Virus: Krankenhäuser in Bonn wappnen sich gegen Erreger

Klinik wartet auf Virus-Probe : Krankenhäuser in Bonn wappnen sich gegen Corona-Erreger

Die Bonner Krankenhäuser bereiten sich auf die Diagnose des Corona-Erregers aus China vor. Sie arbeiten dabei eng mit der Berliner Charité oder mit einem Kölner Labor zusammen.

Die Bonner Krankenhäuser sehen sich für den Fall gerüstet, dass ein mit dem neuen Coronavirus infizierter Patient eingeliefert werden sollte. Nach bisherigem Stand schätzten Virologen wie Christian Drosten, der früher an der Bonner Uniklinik (UKB)  arbeitete und heute an der Berliner Charité tätig ist, die Lage zwar nicht als beängstigend, aber ernst zu nehmend ein.

Auch Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am UKB, sagte dem GA: „Das jetzige Risiko, sich mit dem neuen Coronavirus zu infizieren, ist bisher gering.“ Dennoch habe die Bonner Uniklinik entschieden, im Laufe der Woche alles vorzubereiten, um einen in Berlin an der Charité entwickelten Nachweistest auch in Bonn etablieren zu können. In den nächsten Tagen werde eine positive Probe des Erregers, der zunächst in China nachgewiesen wurde und in der Folge in weiteren asiatischen Ländern sowie den USA, von der Charité nach Bonn gesandt. Sie sei notwendig, um die Testreihen im Labor vorbereiten und durchführen zu können. Streeck geht davon aus, dass die Nachfrage dieser Tests auch aus Sorge aufgrund der medialen Berichterstattung zunehmen werde.

Wichtige Informationen über das Virus und neue wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht derzeit das zuständige Robert-Koch-Institut (RKI). Es ist maßgeblich für Infektionspräventionsfragen innerhalb Deutschlands und als ein Institut des Bundesgesundheitsministeriums weisungsgebend. Das städtische Gesundheitsamt habe Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte über die Empfehlungen des Instituts informiert, sagte Isabel Klotz aus dem Bonner Presseamt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewerte die aktuelle Lage stets neu.

Das Robert-Koch-Institut hat einen Orientierungsleitfaden für Ärzte herausgegeben, den es in ähnlicher Form schon beim Sarsvirus gab. „Im Verdachtsfall wird analog diesen Vorgaben gehandelt und die Patienten werden entsprechend der Vorgaben isoliert und medizinisch betreut“, sagte Anja Wallau, Oberärztin und Krankenhaushygienikerin an Johanniter- und Waldkrankenhaus. Die Krankenhausmitarbeiter seien derzeit angehalten, bei Verdachtsfällen Patienten danach zu fragen, ob sie in den vergangenen 14 Tagen in China gewesen seien oder Kontakt zu Menschen hatten, die in der Region Wuhan waren. Zudem würde die Isolierung in Einzelzimmern und die Behandlung unter erhöhten Hygieneauflagen erfolgen, bis die Diagnose Klarheit bringt. „Einen Abstrich würden wir nach bisherigem Stand nach Berlin in die Charité schicken“, erklärte Wallau.

Auch das Gemeinschaftskrankenhaus Bonn mit den Häusern Sankt Elisabeth und Sankt Petrus, die GFO-Kliniken, zuständig für Marienhospital, St. Josef und Häuser in Bad Honnef, Troisdorf und Brühl, sowie das Malteserkrankenhaus, sehen sich gewappnet. „Das Ärzteteam, die Pflege sowie ganz speziell die Abteilung für Krankenhaushygiene sind auf Patientinnen und Patienten mit speziellen Erregern wie diesen vorbereitet“, teilte das Gemeinschaftskrankenhaus mit. Für Rücksprachen zu einer etwaigen Therapie stünden Experten an der Charité bereit.

Edith Fischnaller, Chefärztin Krankenhaushygiene bei den GFO-Kliniken, betonte: „Wir sind in enger Abstimmung mit den Gesundheitsämtern.“ Sollte ein Fall auftreten, so seien die Krankenhäuser verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt zu unterrichten. Die Behörde wiederum entscheide, wie ein Patient weiter zu behandeln wäre. Es könnte beispielsweise zu einer Verlagerung an die Uniklinik kommen, die über eine größere Anzahl Isolierstationen verfügt. Tim Flasbeck, Chefarzt der Notfallmedizin am Malteserkrankenhaus, sagte dem GA, es sei nicht angebracht, in Panik zu verfallen, aber etwas zu übersehen, wäre wiederum  fahrlässig. Die Mitarbeiter seien angewiesen, bei der Diagnose genau hinzuschauen. Im Gegensatz zu einer Erkrankung durch Influenzaviren seien bei einer Erkrankung durch das Coronavirus nach bisherigem Kenntnisstand die oberen Atemwege nicht betroffen. „Die Patienten haben also beispielsweise keinen Schnupfen.“

Gerade weil die Influenza in dieser Jahreszeit vermehrt auftauche, ähnliche Symptome zeige und ebenfalls in Isolationszimmern behandelt werde, „müssen wir darauf achten, die Isolationszimmer sinnvoll zu füllen und nicht sinnlos vollzustopfen“, so Flasbeck. Die Malteser arbeiten derweil mit einem Kölner Labor zusammen, das, so Flasbeck, ab der kommenden Woche in der Lage sein werde, einen Abstrich oder eine Sekretprobe aus den Atemwegen auf den Coronavirus testen zu können.