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Corona Bonn: Italiener sorgen sich um Freunde und Verwandte

Corona-Krise : Italiener aus Bonn sorgen sich um Freunde und Verwandte

In Bonn lebende Italiener blicken mit Sorge auf die Entwicklung der aktuellen Corona-Krise in ihrem Heimatland. Die harten Entscheidungen zur Eindämmung des Virus halten sie für richtig.

„Sie erleben gerade eine Tragödie“, sagt Lorenzo Mormina über seine Landsleute in Italien. Niemand habe dort mit einem solchen Ausmaß gerechnet. Italien ist in Europa das Land mit den meisten Corona-Infizierten. Mehr als 15.000 Menschen sind an Covid-19 gestorben.

Mormina verfolgt täglich das italienische Fernsehen, um auf dem neuesten Stand zu sein. Seit 27 Jahren verkauft er in Bonn Espressomaschinen. Für vier seiner Mitarbeiter hat auch er bereits Kurzarbeit bis zum Juni angemeldet. Die Geschäfte laufen auch in Deutschland schlecht. „Aber ich weiß“, sagt Mormina, „wir müssen das akzeptieren.“ Bewundernd stellt er fest, dass in Deutschland Politiker aller Couleur in der Krise zusammenhalten. „In Italien wird die Katastrophe von der Opposition instrumentalisiert“, regt er sich auf. Die Corona-Katastrophe werde zu Propagandazwecken missbraucht.

Viele fragten sich in Italien, warum man nicht wie in Deutschland das Haus verlassen könne. „Sind wir dümmer als die Deutschen“, provozierte man ihn mit einer eher rhetorisch gemeinten Frage. „Natürlich nicht“, habe er entgegnet, aber die Italiener würden eben Gesetze nicht so respektieren, wie Deutsche das tun. Kaum denkbar, dass Italiener Anweisungen wie in Deutschland einhalten würden. Das Verhindern weiterer Corona-Infektionen könne nur durch ein Kontaktverbot und die strenge Kontrolle der Polizei umgesetzt werden, ist sich Mormina sicher. Nahezu ungläubig erstaunt über das Funktionieren deutscher Administration, berichtet er von seinem gestellten Antrag auf Unterstützung: „Bereits zwei Tage später bekam ich die Bewilligung per Mail.“

Toni Perrone, der in zweiter Generation den Italia-Import in Bonn führt, ist froh, dass er seinem Unternehmen bereits vor fünf Jahren mit dem Online-Handel eine dritte Säule hinzugefügt hatte. „Bisher machen wir etwa zwei Drittel unseres Umsatzes mit dem Großhandel und der Belieferung von Gastronomen“, sagt der 41-Jährige. Kaum jemand habe an den Online-Shop geglaubt, der nun mit dem Einzelhandel für das letzte Drittel des Einkommens sorgt. Trotzdem kam er nicht umhin, sieben seiner 20 Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, da die Belieferung der Gastronomie völlig zum Erliegen gekommen ist. Was er noch an frischer Ware zur Verfügung hatte, ging als Spende an Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen. Seinen Eltern Antonietta (73) und Antonio (75) fällt es schwer, das Geschäft an der Justus-von-Liebig-Straße nur noch nach Geschäftsschluss zu betreten. „Aber es macht Sinn, um sie zu schützen“, ist sich Sohn Toni sicher. Doch ihr abendlicher Blick auf das Geschäft muss sein.

Perrone hält regelmäßig Kontakt zu seinen Schwestern in Rom und im süditalienischen Nardò. Beiden gehe es gut. „Doch jetzt rächt sich die Sparpolitik Italiens“, sagt er. In Nardò habe man das Krankenhaus geschlossen, das jetzt dort genauso fehle, wie an vielen anderen Orten Italiens. „Und die Krankenhäuser, die es noch gibt, sind auch nicht mehr auf dem neuesten Stand“, so Perrone. Je tiefer man in den Süden gehe, desto schlimmer werde es.

Aktuell komme noch die Angst der Süditaliener dazu, dass nun eine Flut von Menschen aus dem hoch infizierten Norden zurück in den Süden flüchten könnte. „Die Firmen und Universitäten haben geschlossen und nun kommen wieder alle zurück zu Mama in den Süden“, sei eine allseits geäußerte Befürchtung, dass nun das Virus auch den noch kaum berührten Teil Italiens erfasse. Es ist laut Perrone aktuell nicht einfach, in Italien zu leben: Das Haus darf nur bis zum nächstgelegenen Lebensmittelgeschäft verlassen werden. Und man dürfe nur alleine unterwegs sein – ohne Familie. „Das fällt Italienern sehr schwer. Man lebt in Generationen zusammen. Anders als in Deutschland.“ Zudem sei man im Umgang miteinander wesentlich körperlicher als nördlich der Alpen: Man umarme und küsse sich und suche die Nähe zu anderen, was eine Übertragung der Viren beschleunigt.

In seinem Laden hat Perrone von der Handdesinfektion vor und nach dem Betreten des Ladens über Plexiglasscheiben vor Kasse und Bedientheke sowie Abstandsmarkierungen auf dem Boden viel getan, um seine Mitarbeiter und Kunden vor Virenübertragung zu schützen. „Dabei gehen die Italiener recht locker damit um“, ist seine Beobachtung. Eigentlich sehe man Handschuhe und Mundschutz eher nur bei den deutschen Kunden. Perrone lacht: „Die Italiener fühlen sich in Deutschland sicher.“

Aus Italien weiß er, dass manche nun ihre Social-Media-Aktivitäten stark eingeschränkt oder sogar aufgegeben hätten. Denn das Schlimmste sei die Psyche, sagt er. Die Leute machten sich mit den vielen unterschiedlichen Informationen verrückt. Ein ernstes Problem sei es allerdings für die Menschen, die mit der Quarantäne nun auch kein Geld mehr bekämen. „Da fragt man sich, wovon die nun leben sollen.“ Man könne nur hoffen, dass die Hilfsgelder jetzt auch da ankämen, wofür sie gedacht sind.