Rahmenprogramm der Klimakonferenz: Cop23-Weltkugel steht auch Bonnern offen

Rahmenprogramm der Klimakonferenz : Cop23-Weltkugel steht auch Bonnern offen

Der Climate Planet - eine 20 Meter große Nachbildung der Erde - steht zwischen den beiden Konferenzarealen im Amphitheatrum in der Rheinaue. Das Modell steht auch nicht Cop23-Teilnehmern offen und bietet Informationen rund um das Thema Klimawandel.

„Es gibt keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt“, hat der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der Weltklimakonferenz Cop22 im vergangenen Jahr in Marakesch gesagt. Wie sehr die Erde vom Klimawandel bedroht ist, kann man aktuell anschaulich bei der laufenden Weltklimakonferenz Cop23 in Bonn in der 20 Meter hohen, begehbaren Nachbildung unserer Weltkugel hautnah sehen und erleben. Aufgebaut ist der für alle Bürger – also auch ohne Akkreditierung – zugängliche Climate Planet, so der offizielle Name der Kugel, zwischen der Bonn- und der Bula-Zone im Amphitheater in der Rheinaue.

Marianne und Horst Strecker sind extra wegen des Climate Planet nach Bonn gekommen. „Wir haben uns gedacht, wenn so ein großes Ereignis in Deutschland und dann so nah bei uns stattfindet, sollten wir uns das nicht entgehen lassen. Auf diese Weise können wir wenigstens ein bisschen von der Cop live miterleben“, sagt das Rentnerehepaar, das in der Eifel lebt und sich selbst als sehr umweltbewegt bezeichnet. „Wir essen schon seit Jahren kein Fleisch mehr und bauen unser Gemüse selbst an. Natürlich ohne Chemie“, sagt die 69-Jährige.

Kooperation

Der Climate Planet wurde von Global Citizen entwickelt und erstmalig in Aarhus, der Europäischen Kulturhauptstadt 2017, ausgestellt. Das BMZ und die Stadt Bonn präsentieren den Climate Planet in Kooperation mit der GIZ, Engagement Global und Global Citizen. In den kommenden drei Jahren soll der Climate Planet in 24 Städten Europas zu sehen sein.

Durch ein längliches Zelt erreicht das Ehepaar Strecker den Eingang zum Climate Planet, wo zunächst Personen- und Taschenkontrolle angesagt ist. Es ist relativ ruhig an dem späten Vormittag, ein großer Schwung Schülergruppen ist bereits auf dem Weg zum Ausgang. Darunter sind auch Schüler vom Ernst-Moritz-Arndt- und dem Friedrich-Ebert-Gymnasium sowie von der Elisabeth Selbert-Gesamtschule. „Super. Und nicht so langweilig wie bei uns im Erdkundeunterricht“, antwortet ein Mädchen auf die Frage, wie ihr denn der Climate Planet gefallen hat.

Für die Schulen hat das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) in Kooperation mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der dänischen Nichtregierungsorganisation Global Citizien und der Stadt Bonn ein eigenes Schulprogramm (BMZ) auf die Beine gestellt. „Es ist leider komplett ausgebucht“, bedauert Petra Gohr-Guder von der dafür zuständigen Agentur Engagement Global. Rund 5000 Schüler aus Bonn und der Region werden laut Gohr-Guder am Ende der Cop die begehbare Weltkugel besucht und die Sonderschau zum Klimawandel gesehen haben.

Mit Virtual Reality Brillen geht es nach Fidschi

„Ja, man kann gar nicht früh genug damit anfangen, die Kinder über Umweltschutz aufzuklären“, meint Horst Strecker. Während er und seine Frau die Kontrollen geduldig hinnehmen, beschwert sich eine andere Besucherin. „Was kramen sie in meiner Tasche?“, blafft sie den Sicherheitsmann an. „Glauben Sie, das mache ich gerne?“, kontert er, „das dient der Sicherheit“. Die Streckers schütteln über das Verhalten der Frau nur den Kopf und dann geht es hinein in die Kugel.

Weil der Film zum aktuellen Zustand der Erde und der historischen Entwicklung des Klimas, der auf einer vier Meter großen Kugel als 360- Grad-Bildschirm gezeigt wird, erst um 15 Uhr beginnt, besichtigt das Ehepaar auf dem überdachten Außengelände der Weltkugel eine interaktive Ausstellung. Sie informiert über die konkreten Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben der Menschen und zeigt Beispiele auf, wie Entwicklungs- und Klimapolitik, ja, eigentlich wir alle dem entgegenwirken können.

Aktionen rund um den Klimawandel

Beim Thema Stadt und Mobilität kann man zum Beispiel auf einer Waage genau abwiegen, wie viel CO2-Ausstoß etwa eine Fahrt mit dem Auto von Bonn nach Berlin und zurück verursacht: Rund 240 Kilogramm. „Das ist ja unglaublich“, zeigt sich ein junger Mann überrascht, „ich hätte nicht gedacht, dass das so viel ist“.

An einem anderen Stand setzt Simon Straub, Politikstudent und Praktikant bei der GIZ, den Besuchern sogenannte Virtual Reality Brillen auf. Man sieht damit einen Film über den Inselstaat Fidschi, der die Präsidentschaft über die Cop23 übernommen hat und dessen Bevölkerung extrem unter dem Klimawandel leidet. Durch die Brille ist man quasi live dabei, wenn ein Bewohner auf sein durch Sturm und Hochwasser zerstörtes Haus zeigt. Der Mann berichtet, dass sein ganzes Dorf umgesiedelt werden musste, weil der Meeresspiegel stetig steigt und der Süd-Pazifik immer mehr Land schluckt und das überflutende Salzwasser den Ackerbau immer schwieriger werden lässt.

Und plötzlich glaubt man, tatsächlich auf dem Boot des Fischers von Fidschi zu stehen. „Sie haben ganz schön geschwankt“, sagt Simon Straub und lacht, als er der Besucherin die Brille wieder abnimmt. Inzwischen hat die Weltkugel die Streckers verschluckt. Der Film beginnt gleich, und den wollen sie auf keinen Fall verpassen.

Nachmittags und an den Wochenenden sind die Filmvorführungen allen Interessierten kostenlos und ohne Anmeldung zugänglich. Die Ausstellung ist ganztägig geöffnet. Weitere Informationen im Internet unter www.climateplanet.de

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