Clan-Kriminalität Bonn: Polizei sieht keine Probleme

Kampf gegen Clans : Clan-Kriminalität in Bonn und der Region kein Thema

In Essen gibt es so viele Clans wie nirgendwo sonst in Nordrhein-Westfalen. In Bonn ist das dagegen kein Thema. Laut Polizei gilt das nicht nur für Bonn, sondern auch für den restlichen Zuständigkeitsbereich der Bonner Polizei in der Region.

Im Einzugsbereich des Bonner Polizeipräsidiums ist Clan-Kriminalität aktuell kein Thema. Polizeisprecher Robert Scholten sagte auf Anfrage, "dass unsere Behörde in diesem Jahr keine Straftat irgendwelchen Clans zuordnen konnte". Das gelte nicht nur für den eigentlichen Zuständigkeitsbereich der Bonner Polizei, also für die Stadt Bonn, den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und im Rechtsrheinischen die Städte Königswinter und Bad Honnef, sondern auch für Euskirchen und den gesamten rechtsrheinischen Kreis. Denn auch für diese Kommunen wäre eine Bonner Kriminalinspektion verantwortlich und müsste in die Ermittlungen mit einbezogen werden.

Auch in den Vorjahren hätte die Bonner Polizei nicht mit verbrecherischen Familien zu tun gehabt. Dass das Landeskriminalamt (LKA) dennoch in den Jahren 2016 bis 2018 für Bonn insgesamt 396 Straftaten auf das Konto von kriminellen Clans verbucht hat, erklärt Scholten mit dem Raster, das dieser Statistik zugrunde liegt. "Das LKA hat nach Familiennamen gesucht und geschaut, ob einzelne Mitglieder Straftaten verübt haben." Diese Art der Erfassung lasse aber zumindest für Bonn und die umliegenden Kommunen nicht den Schluss zu, dass die Straftaten von der gesamten Familie gemeinsam geplant oder durchgeführt worden wären. Unter den 396 Straftaten seien also keine Verbrechen gewesen, bei denen die Polizei Anhaltspunkte für eine Clan-Struktur im Hintergrund gehabt hätte.

Diese Einschätzung teilt auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), der bei seinem Besuch der Wache Gabi im Januar betonte, in der Bundesstadt gebe es keine Clan-Struktur.