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CityTree: bundesweit erstmals vor der Telekom-Zentrale in Bonn aufgestellt

Moose filtern Feinstaub : Vor der Bonner Telekom-Zentrale steht der bundesweit erste „CityTree“

Er sorgt für eine Insel reiner Luft: Vor der Bonner Telekom-Zentrale steht der bundesweit erste „CityTree“. Mit Hilfe von Moosen filtert er bis zu 80 Prozent des Feinstaubs aus der Luft.

Um frische Luft zu schnappen, genügen für Mitarbeiter der Telekom-Zentrale ein paar Schritte zur Tür hinaus. Dort ist die vielbefahrene Friedrich-Ebert-Allee, eine Feinstaub-Brutstätte par excellence. Seit Donnerstag steht dort außerdem ein „CityTree“, der aber kein Baum ist, sondern ein viereckiger Kasten mit viel Technik innerhalb der Holzlamellen-Verkleidung. Er kann, was Bäume auch können, nur effizienter. Er filtert Schadstoffe aus der Luft und kühlt die Umgebung herunter, und zwar mit Moosen.

Diese wachsen auf speziellen Matten und werden rund um die technischen Apparaturen – Belüftung, Bewässerung, Sensorik und mehr – im Inneren herum angebracht. Die Moose dienen als Biofiltersystem und ziehen Feinstaub an, ähnlich wie ein Mikrofasertuch. Denn Feinstaub, erklärte Peter Sänger, Mitgründer und Geschäftsführer des verantwortlichen Start-up-Unternehmens Green City Solutions, seien geladene Teilchen und Moose gegengeladen. Sie nähmen den Großteil davon auf: „Danach hat man bis zu 82 Prozent weniger Feinstaub“, so Sänger.

Aufstellungen auf Plätzen oder Schulhöfen denkbar

Eine tolle Lösung, für die sich auch schon die Stadt Bonn interessiere, sagte er. Man könne die Technik auf öffentlichen Plätzen, Schulhöfen und an anderen Stellen aufstellen. Auch andere Städte, Immobilienunternehmen und Industriefirmen im Ausland hätten schon angeklopft. Vor dem Telekom-Gebäude steht der weltweit erste serienreife CityTree, weil das Unternehmen die Datenübertragungstechnik für die Auswertung von Messwerten und für die Fernwartung liefert.

Der Radius für eine spürbar sauberere Luft und bis zu 2,5 Grad Celsius kühlere Temperaturen liegt bei fünf Metern, erklärte Sänger. „Das ist aber kein Ersatz für einen echten Baum“, betonte Gabriele Kotulla-Münster von der Smart-City-Unit bei T-Systems. Es gehe eher um eine gegenseitige Ergänzung. Aber immerhin könnten die Moose pro Stunde Luft in einem Volumen filtern, das der ausgeatmeten Luft von bis zu 7000 Menschen entspricht.

„Der Filtereffekt ist eine Maßgabe der Natur, die man durch Technik maximieren kann“, so Sänger. Zukunftsperspektiven wären noch effizientere CityTrees, etwa solche für den Heimgebrauch. Sieben Jahre lang haben die Experten von Green City Solutions daran getüftelt. Sie basiert auf Forschung an der Bonner Universität: Der Botaniker Jan-Peter Frahm experimentierte mit den Filtereigenschaften von Moosen. Die kann sich laut Sänger jeder zu Eigen machen, der einen Garten hat: „Einfach das Moos im Garten nicht wegkratzen, sondern wachsen lassen.“

Weitere Infos: www.greencitysolutions.de