Premiere am Freitag: Circus Roncalli ist in der Stadt

Premiere am Freitag : Circus Roncalli ist in der Stadt

Ein wenig Geduld mussten Verlademeister Gabriel Mircea und seine Mitarbeiter aufbringen, doch dann endlich hieß es: "Der Circus Roncalli ist in der Stadt!"

Mit kleiner Verspätung rollte der rund 700 Meter lange Sonderzug des Circus Roncalli, beladen mit historischen Zirkuswagen, am Dienstamorgen in den Beueler Güterbahnhof ein. Nachdem die wertvollen Anhänger entladen waren, zogen Traktoren sie zum Spielort an der Beethovenhalle. Am Nachmittag begann dort der Aufbau des Zeltes.

"Da kommt das Zelt und da die Fassade. Das ist der Mannschaftswagen, in dem die Crew schläft, und das ist die Küche", erklärte Mircea. Er weiß schon bei der Vorbeifahrt des Zuges genau, was sich in den zum Teil 120 Jahre alten und aufwendig restaurierten Zirkuswagen aus dem Privatbesitz von Zirkusgründers Bernhard Paul befindet.

Wer allerdings hoffte, rollende Käfige zu erblicken und Raubtiergebrüll zu hören, wartete vergeblich. "Roncalli hat schon längst keine Raubtiere mehr, und ein Transport auf Schienen, wäre schon aus Tierschutzgründen nicht erlaubt", sagte Rainer Bohnet, Geschäftsführer der Rhein-Sieg-Eisenbahn, die am Güterbahnhof den reibungslosen Ablauf der Verladung ermöglichte. Alles Lebendige wie Pferde und Menschen reiste daher abseits der Schienen.

"Roncalli ist heute der einzige Zirkus in Deutschland, der seine Wagen noch mit dem Zug transportiert. Was früher der Normalfall war, ist heute eine absolute Ausnahme", weiß Fachbuchautor Volkhard Stern, der sich die Ankunft in Beuel nicht entgehen ließ. Die Gründe lägen in den gestiegenen Tarifen für die Nutzung der Trassen und in einem logistischen Problem. "Es gibt immer weniger Güterbahnhöfe und auch die Zukunft des Beueler Bahnhofs ist gefährdet", erklärte Bohnet. Dennoch hält Roncalli an der Schiene fest.

"Unser Zirkus soll so sein, wie vor 100 Jahren", sagte Mitarbeiterin Angela Weller. "Wir sind ein rollendes Museum, in dem alles echt bleiben soll." Auch beim Zeltaufbau machte Roncalli daher, trotz der Hitze am Nachmittag, keine Kompromisse. "Wir ziehen unser Zirkuszelt nur mit Muskelkraft hoch - genau wie früher".

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