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Verdienstkreuz für Bonnerin: Carola Baaten-Abdelsalam: Botschafterin für eine weltoffene Stadt

Verdienstkreuz für Bonnerin : Carola Baaten-Abdelsalam: Botschafterin für eine weltoffene Stadt

Im vergangenen Jahr war Carola Baaten-Abdelsalam offizielle Bonn-Botschafterin. In der Bewerbung um den Sitz des Green Climate Fund stand die Agraringenieurin aus Lannesdorf in Text und Bild für die weltoffene Bundesstadt.

"Da habe ich mit Sätzen geworben wie: Jeder kann in dieser Stadt seine Persönlichkeit leben", erinnert sich die vierfache Mutter. Und, war es ihr ernst damit? "Selbstverständlich, ich stehe voll dahinter. Ich lebe mit meiner Familie gerne hier. Hier können sich auch meine Kinder entfalten", bekräftigt die 56-Jährige sofort.

Dann kommt ein Lächeln. Sie werde ja oft als Vorzeigemigrantin gehandelt. "Sie sprechen aber sehr gut deutsch" und "Woher in der Türkei kommen Sie denn eigentlich?" hießen dann Fragen.

Carola Baaten-Abdelsalam lacht schallend. Sie könnte dann sagen, sie sei geborene Duisburgerin und stamme aus einer ganz normalen deutschen Familie. "Ich nehme es den Leuten nicht übel, wenn sie neugierig sind. Mit meinem Kopftuch stellen mich einige eben ganz schnell in eine bestimmte muslimische Ecke."

Baaten-Abdelsalam hat vor ein paar Tagen Post vom Bundespräsidenten erhalten. Joachim Gauck wird ihr als einzige Bonnerin am 7. März in Berlin zum Weltfrauentag das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik verleihen. Doch ja, das habe sie sehr gefreut. "Aber am glücklichsten ist meine Mutter. Wir fahren zusammen nach Berlin. Sie ist ganz aus dem Häuschen. Das allein ist die Sache schon wert."

Die Tochter strahlt. Sie tritt bescheiden auf. Die Genugtuung, für ihr inzwischen 20-jähriges ehrenamtliches Engagement für Bonner Familien geehrt zu werden, spricht ihr aber auch aus den Augen. Baaten-Abdelsalam hat seit 1991 mit ihrem Mann den Internationalen Sportclub AlHilal, die mit 900 Mitgliedern größte Bonner Migrantenselbstorganisation, aufgebaut. Wobei ihr bei dieser Pionierarbeit natürlich ihr Know-how als Ingenieurin, als Macherin, zugute kam.

Als junge Frau packte sie über Jahre im Sudan in Diensten der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in der Entwicklungshilfe an. Dort lernte sie ihren Mann kennen und gründete eine Familie, die dann nach Bonn übersiedelte. Und als sie nun hier als Muslima vergeblich geschlechtergetrennte Schwimmstunden suchte, da schaffte sie sie sich eben kurzerhand gleich selbst: mit AlHilal. "Es gibt und gab schon immer viele Muslime in Bonn, die keine angemessenen Schwimmangebote gefunden haben", betont Baaten-Abdelsalam und erzählt von ellenlangen Wartelisten.

Von Anfang hatte sie die DLRG-Trainerinnen Erika und Heidi Flamm im Boot, die einen großen Stab an eigenen Trainerinnen aufbauten. Lange Jahre managte Baaten-Abdelsalam von der Küche aus die Vereinsgeschäfte. "Auch wenn der Einsatz für Trainingszeiten mal vom Spaghetti-Abgießen unterbrochen wurde. Die Kinder wollten ja essen", sagt sie und lacht. Die vier hatte sie übrigens in christliche Gymnasien geschickt: der dortigen Wertevermittlung wegen.

Der langjährige Sport- und Bäderamtsleiter Detlev Griesbach habe sie immer wunderbar unterstützt. Auch der Integrationsbeauftragten Coletta Manemann verdanke sie viel, sagt die Frau, die Ende 2012 die Vereinsverantwortung in andere Hände gab. "Ich habe mit allen immer auf gleicher Augenhöhe kooperiert", bezeichnet Baaten-Abdelsalam als ihr Erfolgsrezept.

Gerade als AlHilal sich weiter öffnete und ihr Sohn Younis Kamil die integrativ arbeitende Fußballabteilung aufbaute, habe sie Gegenwind, ja böse Kritik abbekommen, gibt sie dann zu. "Ich bin nicht blauäugig, aber denke immer positiv und lasse mich nicht frustrieren." Der Erfolg gibt ihr Recht: AlHilal erhielt 2009 den Bonner Ehrenpreis des Sports, 2010 den Integrationspreis der Deutschen Islam Konferenz und 2012 den des Deutschen Fußballbundes.

Nun fährt sie also zu Joachim Gauck, eine deutsche Muslima, eine Bonner Bürgerin mit Kopftuch. Was übrigens die Kritik an diesem Tuch angehe: Sie mische sich ja auch nicht ein, wenn andere sich beim Kleidungsstil nicht nach Konventionen richteten. "Jeder Mensch in diesem Staat hat das Recht auf persönliche Entfaltung."