Bücherhof an Universität in Bonn: Geschäft schließt - Räumungsverkauf

Räumungsverkauf bis Mitte Dezember : Darum muss der Bücherhof an der Universität in Bonn schließen

Der Bücherhof gegenüber der Universität schließt Mitte Dezember seine Türen. Ab sofort läuft der Räumungsverkauf. Über die Gründe der Schließung spricht der Geschäftsführer Henrik van Lunzen.

Der Bücherhof gegenüber der Universität schließt Mitte Dezember seine Türen. Nach zehn Jahren läuft der Mietvertrag Ende des Jahres aus. Die kleine Truppe um Geschaftsführer Henrik van Lunzen überlegte hin und her, entschied sich aber letztlich gegen eine Verlängerung. „Der Umsatz ist in den letzten Jahren immer stärker zurückgegangen, es hätte einfach keinen Sinn mehr ergeben”, sagte van Lunzen.

Die Gründe sind vielschichtig, wie er erzählt. „Vor allem hat uns der Online-Handel zugesetzt wie anderen natürlich auch.” Zudem hätten aber auch durch die Sanierung der Marktgarage und den jahrelangen Ausfall der Unigarage (derzeit in der Sanierung) die Kundenströme in der Straße Am Hof merklich nachgelassen. Das moderne Antiquariat verkauft vor allem Restauflagen und Remittenden zu günstigen Preisen deutlich unterhalb der sonst geltenden Buchpreisbindung. „Für uns ist die Laufkundschaft von enormer Bedeutung, alleine von der Stammkundschaft können wir nicht leben.” Nicht eben förderlich sei deshalb für den Absatz die Gestaltungssatzung der Stadt gewesen, nach der die Fläche der Verkaufskisten auf dem Bürgersteig stark reduziert werden musste.

Wesentlich mehr habe der Bücherhof allerdings unter dem Weggang von Bouvier aus der Ecke Am Hof/Fürstenstraße im Jahr 2013 gelitten. 2004 hatte Thalia Bouvier übernommen, 2010 einen neuen Standort im alten Metropol-Kino am Markt aufgemacht und sodann drei Jahre später die Konsequenz gezogen, die alte Bouvier-Buchhandlung mit ihren verwinkelten Wegen zu schießen.

Bouvier, das war im Grunde auch so etwas wie die Wiege des Bücherhofs. An Ort und Stelle war über Jahre Bouviers modernes Antiquariat angesiedelt. Zum Januar 2010 übernahmen ehemalige Bouvier-Mitarbeiter um van Lunzen die Räume mit einem ähnlichen Konzept, „aber nur mit sehr bescheidenem Bestand”, erinnert sich van Lunzen. Das änderte sich recht schnell, in den Regalen türmen sich die Bücher bis heute: Romane, Reiseliteratur, Sprachlexika neben philosophischen Abhandlungen von und über die alten Griechen. In den ersten Jahren habe das Geschäftsmodell gut funktioniert. Mit der Zeit nahm der Bücherhof Kinder- und Kochbücher ins Programm auf, Hörbücher ebenso, auf Kundenwunsch hin und um Umsatzrückgänge aufzufangen.

Als der 50 Jahre alte van Lunzen in den 90er Jahren als Student vom Niederrhein nach Bonn kam, fing er alsbald bei Bouvier als Aushilfe an. Nach Abschluss des Germanistikstudiums war eine Stelle in der Buchhandlung frei, die er annahm.

Zu diesen Zeiten sprach auch die Bonner Bürgerschaft von einer „Büchermeile” gegenüber der Universität. Das mag mit den großen Verkaufsflächen von Bouvier zu tun gehabt haben. Aber neben der noch bestehenden Buchhandlung Witsch und Behrendt hatte auch die für Kunst und Ausstellungskataloge bekannte Buchhandlung Walther König Verkaufsräume, eine Filiale gibt es noch an der Bundeskunsthalle.

Büchermeile im Verlauf der Jahre von Gastronomie abgelöst

Ohne nach Schuldigen suchen zu wollen, stellt van Lunzen fest, dass die Ansiedlung von gastronomischen Betrieben an der Ecke Am Hof/Fürstenstraße zumindest für den Verkauf von Büchern nicht unbedingt förderlich gewesen sei. Ab diesem Montag beginnt im Bücherhof der Räumungsverkauf. Geöffnet ist noch bis Mitte Dezember, in der zweiten Monatshälfte wird der Laden dann vor der Übergabe an den Vermieter zurückgebaut.