Kanzelrede in der Bonner Kreuzkirche: BSC-Präsident Mazurkiewicz über das Vereinsleben

Kanzelrede in der Bonner Kreuzkirche : BSC-Präsident Mazurkiewicz über das Vereinsleben

Dirk Mazurkiewicz, Präsident des BSC, spricht über die verbindende Kraft des Vereinslebens. Auch das Scheitern kommt zur Sprache.

Dirk Mazurkiewicz, Präsident des Bonner SC, stieg auf die Kanzel in der Kreuzkirche und setzte sich, in Anlehnung an den 1. Korintherbrief, mit der Gemeinschaft im Verein und speziell im Fußball auseinander. Insbesondere während einer Weltmeisterschaft ziehe der Fußball Milliarden von Menschen in Stadien, vor den Fernseher, zum Rudelgucken oder vor den Live-Ticker auf dem Handy. Milliarden von Euros seien es auch, die in der Wechselphase in den europäischen Ligen investiert werden in Spielertransfers.

„Geht es beim Fußball nur ums Geld?“, fragte Pfarrer Rüdiger Petrat am Sonntagabend, bevor Mazurkiewicz' im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kanzelreden in der Kreuzkirche“ das Wort ergriff. Wie sehe es aus mit ethischen Vorbildern im Leistungssport?

Für seinen Vortrag hatte sich Mazurkiewicz, Professor für Sportmanagement an der Hochschule Koblenz und seit 2015 Chef des Regionalligisten BSC, Kapitel zwölf des 1. Korintherbriefes ausgesucht. Dort schreibt Paulus über die Einheit im Geist, über die Glieder eines Leibes, die unweigerlich zusammengehören. „Nach seinem Willen soll unser Leib nämlich eine untrennbare Einheit sein, in der jeder einzelne Körperteil für den anderen da ist“, heißt es dort.

Das Vereinsleben sei wie das Leben im Rudel

Diesen Grundsatz vertrete man auch beim BSC, sagte Mazurkiewicz: „Wir haben unsere Charta, die sich an unserem Maskottchen, dem Rheinlöwen, orientiert.“ Das Vereinsleben sei wie das Leben im Rudel: Es brauche Ehrlichkeit, Gemeinschaft, Verantwortungsbewusstsein, Toleranz und Respekt füreinander. Wie die Umsetzung dieser Werte aussehe, bestimmten die Trainer. Das Zusammenspiel der einzelnen Glieder, wie es im Bibeltext heißt, sei ein wichtiger Fokus.

„Wir führen die Menschen wieder zusammen, die beispielsweise im Bildungssystem getrennt wurden. Herkunft oder Bildung spielen auf dem Platz keine Rolle“, sagte Mazurkiewicz. Ehrbare Überzeugungen, die jedoch nur für das Team gölten, das am Ende auch auf dem Platz stehe: „An meinem ersten Tag als Vorstandsvorsitzender war ich im Büro, als ein kleiner Junge hereinkam, seine Mütze abnahm und nach seinem Spielerpass fragte. Man habe ihn jetzt aussortiert“, sagte er. Das habe ihn, Mazurkiewicz, getroffen. Doch auch Niederlagen gehörten zum Sport. Einen Platz im Rudel bekomme nicht jeder. Sport bringe Kindern bei, mit Rückschlägen umzugehen. Doch es gehe nicht nur ums Team: „Es sind die Fans, die vielen Ehrenamtlichen, die Menschen, die wir in irgendeiner Weise mit dem Sport erreichen können. Die bringen wir im Rahmen des Fußballs zusammen.“ Gerade in der Kreisliga gehe es darum, Gemeinschaft zu stiften.

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