Brückenrunde in Bonn: App "Sight Running NRW" informiert Läufer

"Sight Running NRW" : App informiert Jogger bei Brückenrunde in Bonn

Entlang der Bonner Brückenrunde informiert eine neue App der Architektenkammer über Gebäude an der beliebten Laufstrecke. Welchen Mehrwert bietet das Angebot? Ein Selbstversuch.

Als die Kennedybrücke in Sichtweite kommt, wünsche ich mir für den letzten Kilometer ein Fahrrad. Acht liegen schon hinter mir. Von der Rheinpromenade in Höhe des Stadtgartens über Regierungsviertel, Rheinauenpark und Konrad-Adenauer-Brücke hat mich die App „Sight Running NRW“ auf die rechte Rheinseite gelotst. Dort verfalle ich von einem dynamischen Laufschritt zunehmend in schwerfälliges Schlurfen.

Insgesamt 9,2 Kilometer lang ist die Brückenrunde, die entlang stadttypischer Gebäude und Grünflächen führt. Die in Bonn beliebte Runde sowie 17 weitere Routen in Köln, Düsseldorf, Detmold und weiteren Städten haben es der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen angetan. „Wir wollen einen neuen Weg eröffnen, Architektur in unseren Städten und Gemeinden zu erleben“, erklärt deren Präsident Ernst Uhing. Die App kann von Spaziergängern, Läufern, Radfahrern und Inlineskatern genutzt werden und soll, so die Idee ihrer Macher, zu Bewegung und Fitness animieren.

"Sight Running NRW" macht informative Ansagen

Bei mir hat das geklappt. Ich laufe zwar regelmäßig, allerdings nicht mehr als sieben Kilometer. Dank der Baukultur-Lauf-App habe ich an diesem Abend spielend zehn geschafft. Nicht nur, weil die Audioansagen zu den Bauten auf der Strecke informativ sind: Bevor ich die Brückenrunde beginnen konnte, musste ich von meiner Unterkunft zwei Kilometer zum Ausgangspunkt joggen. Die Handhabung der App ist kinderleicht. Nachdem sie installiert ist, findet man über die Suche Routen in seiner Stadt. Wermutstropfen: Für die 18 Städte gibt es jeweils nur eine Route; die meisten sind zwischen fünf und zehn Kilometer lang. Ziel der Macher von „Sight Running“ sei es, weitere Routen anzubieten.

Also Route wählen, Ohrstöpsel rein und „Lauf starten“ auswählen. Dann erscheint auf dem Handydisplay eine Umgebungskarte, auf der die Route samt architektonischer Sehenswürdigkeiten eingezeichnet ist. Um die Navigation starten zu können, muss die GPS-Funktion aktiviert sein. Die Routen können heruntergeladen und während des Laufs offline, also ohne mobilen Datenverbrauch, abgerufen werden.

Ausführlichere Informationen gegen ödes Laufen

Sobald ich mich einem Bauwerk nähere, informiert eine Männerstimme über Entstehungszeit, Nutzung und Architektur. So erfahre ich, dass sich unter dem eingeschossigen Flachbau der Universitäts- und Landesbibliothek ein dreigeschossiges unterirdisches Magazin befindet. Für meinen Geschmack könnten die knappen Ansagen noch ausführlicher sein, um mich die Eintönigkeit des Rennens, die ich sonst mit Musik betäube, vergessen zu machen. Was hilft: Am Rhein bin ich noch nie entlanggejoggt. Entsprechend hilfreich ist die Frauenstimme, die mich in Richtung UN-Campus navigiert.

Einige Bauwerke auf der linken Rheinseite werden erst erläutert, wenn man schon am gegenüberliegenden Ufer entlangjoggt, etwa der Lange Eugen. Der Architekt des ehemaligen Abgeordnetenhauses mit seinen 32 Geschossen auf 114 Metern Höhe, Egon Eiermann, hatte sich zunächst gegen einen Hochhausbau ausgesprochen mit der Begründung: Der Bau stünde „wie ein peinlicher Finger in der Gegend“. Das alles können Nutzer der App mit Antippen des Bauwerks auf der Karte in Ruhe nachlesen. Man kann also Teile der Strecke weglassen oder zu einem späteren Zeitpunkt begehen. Apropos, ich habe tatsächlich durchgehalten und den Lauf durch die Baukultur Bonns in 57 Minuten absolviert. Auch wenn ich die letzten Meter über die Kennedybrücke bis zur Oper mehr gegangen als gelaufen bin. Es war einfach kein Durchkommen: Die Fußgänger waren in der Überzahl.

Mehr Informationen stehen auf www.sight-running-nrw.de. Die App gibt es kostenlos im App Store (iOS) und auf Google Play (Android).

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