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Lesung im Museum: Briefe und Erinnerungen des Ehepaars Macke

Lesung im Museum : Briefe und Erinnerungen des Ehepaars Macke

Birte Schrein und Timo Berndt haben im vollbesetzten Museum August Macke Haus aus Briefen und Erinnerungen von August und Elisabeth Macke gelesen. Dabei kam Interessantes aus dem Privatleben des Ehepaars zutage.

„Als Bonner Schauspieler und Bürger empfinden wir es als eine Ehre, Elisabeth und August Macke hier sprechen zu dürfen“, sagte Birte Schrein kurz bevor sie mit Timo Berndt das mit rund 60 Zuhörern voll besetzte Auditorium im Museum August Macke Haus betrat. Auch wenn die beiden in den vergangenen 15 Jahren schon viele Male aus den Briefen und Erinnerungen von August und Elisabeth Macke gelesen hatten, war der Auftritt am Donnerstagabend eine Premiere im neu erstellten Erweiterungsbau des Museums.

Dass die Lesung nicht in der Enge von Mackes Atelier stattfand, bedauerte der aus Köln kommende Besucher Thomas Becher: „Da hatten die Worte noch den ganz besonderen Nachhall des Authentischen.“ An diesem Abend führte der Weg zur Lesung nicht mehr über die knarzende Holztreppe in das Dachgeschoss im dritten Stock, in dem Macke von 1911 bis 1914 seine wohl produktivste Schaffensphase hatte, sondern es öffneten sich beim Betreten des erst im Dezember eingeweihten Erweiterungsbaus geräuschlos gläserne Eingangstüren, hinter denen die Besucher nun neben dem neuen Ausstellungsbereich im Obergeschoss auch Café, Museumsshop und ein Veranstaltungssaal erwarten.

„Ich habe schon eine Lesung zu Franz Marc und August Macke in dem neuen Saal abgehalten“, sagte Berndt und befand: „Das hat ganz vorzüglich geklappt.“ Als genauso vorzüglich sollte sich die Rezitation der Briefe des Liebespaars Elisabeth und August Macke an diesem Abend erweisen. Dem größtenteils aus Paaren mittleren Alters bestehenden Publikum, zauberten die Inhalte der Briefe und Erinnerungen nicht zuletzt auch durch die hohe Sprechkunst der beiden Schauspieler ein kaum mehr weichendes Lächeln in die Gesichter. „Ich weiß bestimmt“, zitiert Berndt den noch jungen August Macke in seinen Briefen an die junge Elisabeth, „dass ich Dich, mein zweites Ich, nie auf dieser Erde wiederfinde. Und Du wirst mich auch vergebens zum zweiten Male suchen.“

Als sich die beiden 1903 kennenlernten, war sie fünfzehn Jahre alt, Macke ein Jahr älter. Von Anbeginn begleitete und unterstützte Elisabeth ihren Mann auf seinem Weg als Künstler. Der Briefwechsel zwischen den beiden ist ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer Seelenverwandtschaft. Elisabeth bestärkt August sowohl zu Beginn seiner Studien an der Düsseldorfer Kunstakademie, wie auch bei der Entscheidung, sie zu verlassen. Auch in der Ablehnung der für die damalige Zeit mit 18.000 Mark Jahresgehalt hoch dotierten Stelle eines Bühnenbildners am Düsseldorfer Schauspielhaus unterstützt Elisabeth ihren Mann.

Gegen alle Widerstände ihrer reichen Familie heiratet sie August 1909 und bestärkt ihn darin, ein Leben als freier Maler zu führen. In nur wenigen Jahren entstehen nahezu 600 Ölgemälde und annähernd 9000 Zeichnungen. „Alles was ich gemacht habe, sind Experimente“, schreibt August 1910 seiner Frau, mit der er zwei Söhne bekommt. Vier Jahre später wird er bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum Militärdienst eingezogen. Am 26. September 1914 stirbt er im Alter von 27 Jahren an der Westfront bei Perthes-lès-Hurlus in Frankreich und wurde auf dem Soldatenfriedhof von Souain in einem Sammelgrab begraben.