Janina Findeisen: Bonnerin spricht über ihre Geiselhaft in Syrien

Janina Findeisen : Bonnerin spricht über ihre Geiselhaft in Syrien

Die Bonnerin Janina Findeisen sprach im Haus der Evangelischen Kirche über ihre fast einjährige Geiselhaft in Syrien. Dass sie hochschwanger in das Bürgerkriegsgebiet einreiste, nennt sie heute eine falsche Entscheidung.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Wie sehr Janina Findeisen die alte Volksweisheit verkörpert, zeigte sich am Mittwochabend im Haus der Evangelischen Kirche. Mehr als 300 Menschen zog es dorthin, um sich ein Bild von der 34-jährigen Journalistin zu machen. Die Bonnerin hatte es 2015 für eine gute Idee gehalten, hochschwanger ins syrische Bürgerkriegsgebiet zu reisen.

Dort machte sie zwar wie geplant ihre alte Schulfreundin Laura ausfindig, die als Konvertitin über Bonner Islamistenkreise in den „Heiligen Krieg“ gezogen war; wenig später aber wurde sie von Terroristen entführt und verbrachte fast ein Jahr in Geiselhaft der Miliz. In dieser Zeit brachte sie ihren Sohn zur Welt. Ihre Erlebnisse schrieb sie auf und verewigte sie in dem vielbeachteten Buch „Mein Zimmer im Haus des Krieges“. Dass trotz seiner 336 Seiten Fragen offen bleiben, verdeutlichte das Gespräch, das sich auf dem Podium zwischen der Autorin und GA-Chefreporter Wolfgang Kaes entspann. Eine der aus Sicht des Auditoriums wohl drängendsten Fragen beantwortete Janina Findeisen, die wie ihre Freundin Laura gleich um die Ecke aufwuchs und das Clara-Schumann-Gymnasium besuchte, offenherzig: Eine „Mischung aus subjektivem Sicherheitsgefühl und Naivität“ habe sie im ausschlaggebenden Moment zu der falschen Entscheidung für die Einreise nach Syrien geführt, erzählte sie. Auch habe sie einen gewissen Druck verspürt, ein bereits begonnenes Filmprojekt mit Kooperationspartnern nicht sterben zu lassen. Welchen Einfluss das persönliche Umfeld zu diesem Zeitpunkt auf die schwangere Journalistin hatte, blieb dabei offen.

Nicht nur von Syrien handelt ihr Buch, sondern auch von Bonn. Von der Stadt also, die sich in ihrer Geschichte gemessen an der Einwohnerzahl schon der höchsten Dichte an Rechtsanwälten, Beamten, Spionen und eben auch Dschihadisten „rühmen“ konnte. Nach dem Regierungsumzug sei Bonn „gewissermaßen in Rente“ gegangen, schreibt Findeisen im Buch. Und weiter: „Bonn war bedeutungslos geworden und wir mit ihm“. Ein Erklärungsansatz für die vergleichsweise hohe Zahl Bonner Jugendlichen, die zu Islamisten wurden, den Wolfgang Kaes der Autorin so nicht durchgehen lässt: Allzu perspektivlos sei das Leben in Bonn ja nicht gerade, so Kaes. Sie schreibe eben „aus einer sehr subjektiven Perspektive“, so Findeisen. Die Frage, ob sie einen guten Schutzengel gehabt habe, beantwortete sie ohne Zögern: „Auf jeden Fall“.

Ihr Grenzübertritt vor fast vier Jahren dient jetzt einem guten Zweck – dank des Veranstalters der Lesung: Holger Schwab vom Buchladen 46 teilte mit, er spende den Erlös des Abends an die Organisation „Reporter ohne Grenzen“.

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