Gründerin der Andheri Hilfe: Bonnerin Rosi Gollmann will weiter engagiert helfen

Gründerin der Andheri Hilfe : Bonnerin Rosi Gollmann will weiter engagiert helfen

Rosi Gollmann, Motor der Andheri Hilfe, feiert ihren 92. Geburtstag. Schon als Achtzehnjährige hat sie sich entschlossen, auf eine eigene Familie zu verzichten und ihr Leben anderen zu widmen.

Rosi Gollmann, die Gründerin der Andheri Hilfe und -Stiftung, antwortet im GA-Gespräch immer noch mit derselben konzentrierten und warmen Stimme, mit der sie seit Jahrzehnten über ihre Arbeit spricht. Dabei wird die Grande Dame deutscher Indien- und Bangladesch-Hilfe an diesem Sonntag 92 Jahre alt.

„Wenn ich meinem langen Leben eine Überschrift geben soll, dann lautet sie: Den Menschen zugewandt“, sagt Gollmann. „Das ist für mich heute noch der Inhalt eines jeden Tages.“ Den Vorsitz ihres Vereins hat sie 2001 an Elvira Greiner weitergegeben. Doch immer noch führt Gollmanns erster Weg morgens zum Computer. Warten E-Mails aus den Partnerländern auf sie? Gibt es Neues über die Hilfe zur Selbsthilfe für die Ärmsten der Armen? Für die Straßenkinder, für Frauen, denen man Rechte und Würde aberkennt, für die Blinden in Bangladesch oder Menschen mit Behinderung und nicht zuletzt für die vom Klimawandel hart Betroffenen? „Für sie darf ich weiterhin von morgens bis abends tätig sein.“ Das ist also schon mal klar gestellt. Rosi Gollmann tritt auch mit 92 Jahren noch nicht kürzer.

Braucht keine Sekretärin

Denn es warteten ja auch Anrufe der Freunde, Spender und Stifter auf Antworten, berichtet Gollmann, die einst im Schatten des Sterntors geboren wurde. Aber nein, eine Sekretärin brauche sie nicht für die vielen Anliegen. „Wissen Sie, oft vertrauen mir Menschen sehr Persönliches an. Sie wollen beraten oder getröstet werden oder sich einfach einmal aussprechen“, erklärt sie.

Sie hatte einst Katholische Theologie studiert. Gollmann wäre sicher eine prima Seelsorgerin geworden. Schon als Achtzehnjährige hatte sie sich entschlossen, auf eine eigene Familie zu verzichten und ihr Leben anderen zu widmen. Und genau das hat sie verwirklicht. Wie sehr junge Menschen doch bewusst und konsequent Fragen und Argumente angingen, stellt die alte Dame dann im Gespräch in den Raum. „Warum nimmt man die so wichtigen Anliegen der jungen Generation nicht ernst?“, fügt sie nachdenklich hinzu. Die jüngsten Wahlergebnisse erklärt sich Gollmann mit Blick auf die Friday-for-Future-Bewegung.

Sah noch den zugefrorenen Rhein

Im Rückblick auf ihr Leben nennt die noch 91-Jährige zwei besondere Ereignisse. Vor 90 Jahren sei der Rhein bei Bonn einmal zugefroren gewesen. Und da habe sich die nicht einmal zweijährige Rosi von der Hand ihrer älteren Cousine losgerissen. „Ich wollte hin zu den Menschen auf der anderen Rheinseite, die an dem Tag auf dem Eis unterwegs waren“, sagt Gollmann. Das sei doch ein erstes Omen für ihr Lebensprinzip, zu den Menschen hinzustreben, gewesen. Und genau vor 60 Jahren habe sich dieses frühe Erlebnis realisiert, fährt Gollmann fort: Auf einen Artikel in der Zeitschrift „Stern“ über das Leid indischer Waisenkinder hin hätten sie als Religionslehrerin und ihre Schüler mit einer Päckchenaktion reagiert: 400 Sendungen gingen damals an 400 Waisen in Andheri, einem Vorort von Mumbai (damals Bombay). Der Samen für ihr lebenslanges Engagement war gelegt: 1967 gründete Gollmann ihre Andheri Hilfe. Unermüdlich betrieb sie dann Aufbauarbeit, polierte bei Wirtschaft und Politik unzählige Klinken und schonte sich selbst in keiner Situation.

Für Privates bleibe da kaum Raum, antwortet Gollmann auf GA-Nachfrage. Ihre Adoptivtochter Maryann aus dem Heim in Andheri stehe ihr seit 50 Jahren Tag für Tag zur Seite. Und dann sagt Gollmann zum Schluss des Gesprächs noch: „Ich bin dankbar, dass ich immer noch aktiv sein darf, so lange ein guter Gott mir dazu die Kraft gibt.“ Im Herbst 2018 trat die alte Dame bei mehreren vom Bonner Kulturamt organisierten Veranstaltungen im Rahmen der Käpt'n Book-Lesewochen auf: putzmunter, mitreißend und schlagfertig.

Ein langes und glückliches Leben habe sie, sagt Gollmann schließlich mit einer Dankbarkeit und Gelassenheit, die staunen macht. „Denn man bekommt immer mehr zurück, als man gibt.“

Kontakt zur Bonner Andheri Hilfe: Telefon: 0228/9 26 52 50, www.andheri-hilfe.de.

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