Türkisch-kurdischer Konflikt: Bonnerin bangt täglich um Verwandte in der Heimat

Türkisch-kurdischer Konflikt : Bonnerin bangt täglich um Verwandte in der Heimat

Die 29-jährige Ärztin Aveen Khaleel kam vor einem Jahr aus dem nordsyrischen Gebiet nach Bonn. Jeden tag bangt sie um Verwandte in der Heimat.

Eine Arztpraxis in der Bonner Südstadt, Mitte Februar. Die junge, zierliche Frau im weißen Kittel an der Anmeldung fällt zwischen dem anderen medizinischen Personal zunächst nicht weiter auf. Ihr Deutsch ist nicht akzentfrei, aber gut verständlich. Und das, obwohl sie mit der Sprache erst vor einem Jahr in Berührung kam. Wer Medizin studierte, egal an welchem Ort der Welt, versteht notgedrungen etwas vom Lernen.

Aveen Khaleel ist 29 Jahre alt. Beruf: Ärztin. Wohnort: Medinghoven. Heimat: Nordsyrien, Afrin. Dass die Kurdin aus jener Region stammt, die seit Wochen die Schlagzeilen aus dem Kriegsgebiet beherrschen, erfuhr ihre Arbeitgeberin Daniela Kreuzer erst kürzlich. Über die Türkei und dann per Flugzeug, so sei sie nach Deutschland gekommen, erzählt Aveen Khaleel. Ein gutes Jahr ist das nun her. Mit der Arbeit als Aushilfe in der Praxis für Allgemeinmedizin und einem Sprachnachweis will sie sich mittelfristig die Anerkennung ihrer Approbation erarbeiten.

Auch ihr Ehemann, ein studierter Jurist, lebt in Bonn. Um die Angehörigen in der Heimat macht sie sich große Sorgen. „In der Familie gab es einige Verletzte, entferntere Verwandte hatten auch schon einen Todesfall zu beklagen: einen zehnjährigen Jungen“, erzählt sie.

Daniela Kreuzer überlegt derzeit gemeinsam mit ihr, was man für die Region tun könne. Erste Kontakte zu internationalen Hilfsorganisationen seien bereits geknüpft, bislang jedoch ohne konkretes Ergebnis. Derweil versucht die junge Kurdin, ein Netzwerk zu Landsleuten aufzubauen, von denen viele in Bonn und der Region leben. „Mir geht es darum, dass Hilfslieferungen speziell zur medizinischen Versorgung der Kinder und Frauen nach Afrin gebracht werden“, sagt sie. Zum Vorgehen der türkischen Armee und den Reaktionen des Auslands hat sie eine klare Meinung: Einem brutalen Verbrechen werde tatenlos zugeschaut, sagt sie. „Hier führt ein Nato-Mitgliedstaat Krieg gegen eine Stadt, die kleiner ist als Bonn.“

Mit der Familie stehe sie per Telefon in Kontakt, die Eltern hätten sich wegen der Angriffe außerhalb des Heimatortes in Sicherheit gebracht.