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Unmut an der Führung: Bonner Wehrleute beklagen Ungleichbehandlung

Unmut an der Führung : Bonner Wehrleute beklagen Ungleichbehandlung

Die seit langem schwelenden Querelen in der Bonner Feuerwehr, bei denen es im Kern immer wieder um die Amtsführung von Feuerwehrchef Jochen Stein ging, sind erneut offen ausgebrochen.

Darauf lässt eine Mail an den GA schließen, die aus Kreisen der Bonner Feuerwehr stammt. Darin heißt es: "Wir haben kein Vertrauen mehr zu unserem Amtsleiter und seinen beiden Stellvertretern! Die verkaufen uns!" Gemeint sind damit Steins Stellvertreter Carsten Schneider und Marcus Hinz, Abteilungsleiter Technik. In ihrem Zorn haben die Feuerwehrleute auch Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch angeschrieben.

Stein des Anstoßes ist dieses Mal "eine immens hohe Anzahl von Minusstunden auf den Stundenkonten", die der Mail zufolge "viel Frust und Ärger" hervorrufen. Vor allem sehen sich die Feuerwehrleute mit einer Ungleichbehandlung konfrontiert: "Die Minusstunden sollen nun Ende des Jahres gelöscht werden! Die Überstunden bleiben bestehen", klagt der Beschwerdeführer in seiner Mail weiter. Nach Informationen des GA soll sich nämlich die Amtsleitung nicht dazu geäußert haben, wie mit den Überstunden umzugehen ist, ob diese etwa vergütet werden. "Auch sollen weiterhin auf allen Wachen Überstunden geschoben werden", moniert ein anderer Feuerwehrmann. Damit gibt es laut dem Verfasser der E-Mail eine Reihe von Kollegen, "die im Sommer schön frei hatten, während wir wie die Blöden geschafft haben! Welche Ungerechtigkeit!"

Ganz konkret kennt der Beschwerdeführer Einsatzdienstbeamte mit Mehrarbeitsstunden von bis zu 200 Stunden auf dem Arbeitszeitkonto. Andererseits, so der Verfasser der Mail weiter, sei Fakt: Die Mehrheit der Kollegen habe ein sehr hohes negatives Stundenkonto von bis zu 500 Stunden. Insgesamt würden sich diese Unterstunden auf 36 000 summieren. Diese hohe Zahl, die sich seit 2013 bis Ende dieses Jahres angesammelt hat, nennen auch andere Quellen.

Amtsleiter Jochen Stein bestätigt, dass sich in den Wachabteilungen zum Jahresende die Minusstunden auf rund 32 000 Stunden summiert haben dürften. Hauptursache ist nach seiner Aussage die immer "noch nicht mögliche Nachqualifizierung von Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern". Da dieses Personal während seiner Nachqualifizierung dem normalen Feuerwehrdienst nicht zur Verfügung gestanden hätte, habe man mehr Feuerwehrleute vorhalten müssen, so Stein. Im Klartext: Solange die Nachqualifizierung nicht beginnt, ist die Feuerwehr an vielen Stellen überbesetzt.

"Die Prüfung, wie mit den Minusstunden in Zukunft verfahren werden muss, ist noch nicht abgeschlossen", betonte Marc Hoffmann, stellvertretender Stadtsprecher: "Eine Streichung von individuellen Minusstunden und Mehrarbeit zum anstehenden Jahreswechsel ist wie auch in den vergangenen Jahren nicht vorgesehen." Über das Thema der Minusstunden werde die Amtsleitung aber alle Wachabteilungen im Januar informieren: "Entsprechende Termine sind bereits vereinbart", betont Hoffmann.

Trotzdem kritisiert der Verfasser der Mail in Richtung Führung: "Sie bekommen die Leitstelle nicht in Griff und nun brennt bei uns im Einsatzdienst auch der Weihnachtsbaum!" Nach Informationen des General-Anzeigers muss es bereits am Mittwoch in einem Gespräch der Personalvertretung mit Mannschaft und Amtsleitung über dieses Thema hoch hergegangen sein.

Was den Anonymus vollends auf die Palme bringt: "Weder Amtsleiter Stein noch sein Stellvertreter Schneider halten es für nötig, mit uns zu sprechen und die Situation zu klären!" Er fragt sich: "Was ist nur aus unserer Feuerwehr geworden?" Diese Beschreibung scheint nicht aus der Luft gegriffen, wie ein erfahrener Insider bestätigte: "So schlimm wie jetzt war es noch nie bei uns." Angesichts "zahlreicher Baustellen", zu denen er auch der anstehende Aufbau der neuen Wache in der Uniklinik zählt, ist der Insider skeptisch, ob nochmals Ruhe einkehren wird: "Wenn ein Feuer ausgetreten ist, lodert das nächste schon wieder auf."

Zu der erneuten Kritik am Führungsverhalten der Amtsleitung wie etwa mangelhafter Kommunikation und Teamfähigkeit sagte Jochen Stein: "Diese Kritik ist mir nicht bekannt und wurde intern so auch nicht an mich herangetragen." Daher wolle er dazu öffentlich nicht Stellung nehmen. Natürlich könnten die Feuerwehrleute aber intern ihren Unmut äußern und bekämen "nicht den Kopf abgerissen". "Schließlich ist Führungskultur auch in der Bonner Feuer ein Thema", bekräftigte Stein. Nicht von ungefähr habe er Ende vergangenen Jahres mit seinen Führungskräften zusammen mit einem Personalcoach das eigene Führungsverhalten hinterfragt. Nach Informationen des GA war das eine Maßnahme, die der für die Feuerwehr zuständige Dezernent Wolfgang Fuchs angeregt hatte, wobei Stein sagte: "Das kam auch aus der Feuerwehr heraus."

Ungeachtet der Kritik an seinem Feuerwehrchef, der zuletzt auch wegen seines Verhaltens eines Systemausfalls in der neuen Leitstelle (der GA berichtete) attackiert wurde, hält Dezernent Fuchs an Stein fest: "Er ist ein anerkannter Fachmann, und ich glaube, dass er auch der anderen Probleme in der Feuerwehr Herr wird."