Die Wäsche ist gewaschen: Bonner Wäscherei Hey auf dem Venusberg schließt

Die Wäsche ist gewaschen : Bonner Wäscherei Hey auf dem Venusberg schließt

Die Wäsche ist gewaschen: Zum Monatsende schließt die Reinigung von Marlies Hey am Haager Weg. Das Ende des Mietvertrags ist auch das Ende des Arbeitslebens der 75-Jährigen.

„Ich kann nur noch Waschen. Reinigen geht nicht mehr. Das KWL (Kohlenwasserstoff-Lösungsmittel) wird noch diese Woche abgeholt“, sagt Marlies Hey, die seit über 30 Jahren die Reinigung am Haager Weg betreibt. Ende des Monats ist Schluss damit.

Der kleine Pavillon ist verkauft und wird voraussichtlich einem lukrativeren Neubau weichen. Genaues weiß auch Marlies Hey nicht. Dass die Kündigung ihres Vermieters auch das Ende ihres Arbeitslebens bedeuten würde, war der 75-jährigen Geschäftsfrau dagegen längst bewusst.

Sie gibt den Platz hinter ihrer Theke, am Bügeltisch oder vor der großen Reinigungstrommel nur ungerne auf. Er hat ihr viele Jahre Sicherheit und Lebenssinn gegeben. Er hat geholfen, ihre Krebserkrankungen und einen Schlaganfall zu überstehen. „Die wenigsten Kunden haben mir das angemerkt“, sagt sie heute rückblickend. „2013 fing ich an lahm zu werden. Konnte keine Treppe mehr hoch oder runterlaufen. Hab‘ aber hier gestanden und gebügelt. Alles mit der Hand.“

Und sie hat es gerne gemacht. Gerne auch noch länger. Ihr werden vor allem die netten Kunden in ihrem neuen Lebensabschnitt fehlen. Das fröhlich grüßende Winken der Vorübergehenden. Dabei könnte es ihr ein kleiner Trost sein, dass auch sie vielen ihrer Stammkunden fehlen wird.

Laut Günther Jauch die beste Reinigung im Rheinland

„Schreiben sie ruhig, dass es eine ganz große Schweinerei ist, dass die Heys hier vertrieben werden“, ist von Pharmakologin Klaudia Gaal aus Ückesdorf zu hören, die einen aufrichtig verzweifelten Eindruck hinterlässt. Nicht nur weil ihre wertvollen Designerstücke nun von unbekannten Händen gereinigt werden sollen, sondern auch, „weil es so ein tolles Pärchen wie die Heys nicht alle Tage gibt“.

Sie wird nun einer Empfehlung von Marlies Hey folgen und eine Reinigung in Bad Godesberg aufsuchen. Selbst TV-Moderator Günther Jauch hatte schon im Jahr 2000 in seinem „Stern TV“ festgestellt, dass die Hey’sche Reinigung die beste im ganzen Rheinland ist. Hartnäckig verschmutzte Textilien der TV-Tester wurden damals nur von Marlies Hey vorbildlich gereinigt.

Inzwischen dürften es bald an die 100 Kunden sein, die in dem kleinen rot gebundenen Abschiedsbuch der Heys ihre Lobes- und Dankesworte hinterlassen haben. Und der Monat ist noch nicht zu Ende. Seit acht Jahren steht Ralf Hey (63) seiner Frau zur Seite. Der Steinmetz ist seit seiner Frühverrentung ihr „Mädchen für alles“ geworden. Er kocht, bedient Kunden, füllt die Maschinen und führt Schäferhündin Tessa (6) aus.

Ein echtes Bönnsches Mädche

„Eine arme Seele ist das“, sagt Ralf Hey. Die Hündin hatte in ihren sechseinhalb Jahren bereits sechs Besitzer und acht Monate Tierheim hinter sich. So laut sie auch die eintreffenden Kunden anbellt, so wenig Angst hat man vor ihr. Man kennt sich. Die Heys haben Tessa in ihr Herz geschlossen.

Vielleicht auch, weil Marlies Hey weiß, was es bedeutet, im Leben hin- und hergeworfen zu sein. Auch sie hatte als Kind zeitweise in einem Bonner Waisenhaus gelebt. Als echtes Bönnsches Mädche wurde sie am Rhein in der Giergasse geboren und besuchte die Marienschule in der Altstadt.

Mit 15 Jahren stand sie bereits in der Annahmestelle der Roisdorfer Reinigung Ferster am Alten Rathaus. Von dort ging es im Rhythmus von jeweils etwa zwölf Jahren in Reinigungen nach Plittersdorf und Duisdorf. Das chemische Reinigen wurde ihr Leben. 2002 konnte sie das Geschäft von Lothar Weber am Haager Weg 26 übernehmen, für den sie bereits 15 Jahre am gleichen Ort angestellt gearbeitet hatte.

Wenn sie nun nach der Räumung ihrer Geschäftsräume ein letztes Mal die Türe abschließt, wird sich ihr Leben radikal verändern. Die große Wohnung in Meckenheim kostet so viel an Miete, wie beide zusammen an Rente beziehen. Kurzerhand hat das Paar beschlossen, aus ihrer Liebe zur Natur eine Zukunft zu machen. Jetzt wartet eine gerade erstandene 50-Quadratmeter-Blockhütte im Eifeldorf Dockweiler auf Marlies, Ralf und Tessa.

Das alles unweit des Nürburgrings, wo die Motorsport-Fans Marlies und Ralf Hey darauf hoffen, schon bald wieder Rennen der Formel 1 sehen zu können. Zeit genug haben sie jetzt dafür.