Kritik an zu langen Planungsverfahren: Bonner Unternehmer machen der Verwaltung Druck

Kritik an zu langen Planungsverfahren : Bonner Unternehmer machen der Verwaltung Druck

Mehr Tempo in Bauleitverfahren, vernünftige Verkehrslösungen und ausreichend Wohnraum – das waren am Dienstagabend die am meisten zu hörenden Forderungen von Bonner Unternehmern. Adressat der Appelle war die Stadtverwaltung.

Anlass war die Präsentation einer Unternehmensbefragung, die das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) im Auftrag der städtischen Wirtschaftsförderung in Bonn durchgeführt hat. Difu-Gutachterin Sandra Wagner-Endres stellte die Kernaussagen vor.

Wie bereits im Dezember berichtet, wurden 2700 Bonner Unternehmen angeschrieben, knapp 300 reagierten, füllten die Fragenkataloge aus und ergänzten sie teilweise mit individuellen Antworten. Vergleichsweise schlecht schnitten im Ergebnis der Service der Verwaltung, die Verfügbarkeit von Expansionsflächen und Fachkräften sowie die Verkehrslage und die Parkmöglichkeiten ab. Auch beim Thema Sicherheit sehen die Unternehmen offenbar Handlungsbedarf. Positiver bewertet wurden zum Beispiel der Anschluss an das überregionale Verkehrsnetz.

In einer Podiumsdiskussion, moderiert von GA-Redakteurin Delphine Sachsenröder, monierte Bernd Siegemund, Geschäftsführer des bundesweit operierenden Gesundheitsdienstleisters BAD mit Sitz in Bonn, die verwaltungsinterne Zusammenarbeit, an der es seiner Ansicht nach in Bauleitplanverfahren hapere. „Die Wirtschaftsförderung hat uns sehr unterstützt, aber mir scheinen ihre Zähnchen zu kurz und stumpf zu sein“, so Siegemund. Seine Bewertung unterstützte auch Dirk Voegeli, Chef der gleichnamigen Fachfirma für Karosserie und Lack und Bonner Prinz in der vergangenen Karnevalssession: Vor einigen Jahren habe er ein halbes Jahr warten müssen, bis die Verwaltung einen Ortstermin ermöglichen konnte, berichtete er. „Wir würden uns eine beratende Stelle wünschen, mit der sich solche Prozesse beschleunigen ließen“, sagte er.

Und Eierlikörproduzent William Verpoorten berichtete von Verhandlungen über drei Jahre und elf Monate, bis es gelungen sei, das Firmengelände um einen Zipfel an der Vorgebirgsstraße zu erweitern – und damit den Standort Bonn zu sichern. Kritisch äußerten sich die drei Gesprächspartner auch zur Verkehrs- und Baustellenpolitik und zur Entwicklung von bezahlbarem Wohnraum. „Das sind zeitliche Szenarien, die unerträglich sind“, reagierte der Oberbürgermeister auf die Schilderungen und forderte die Anwesenden ausdrücklich dazu auf, sich in solchen Fällen bei ihm zu melden. Allerdings seien in jüngster Zeit auch schon Verwaltungsprozesse verbessert worden. In jedem Fall würden die Erkenntnisse der Studie für positive Veränderungen genutzt, versicherte Sridharan. In drei Jahren soll es die nächste Befragung geben.

Die Ergebnisse der Difu-Studie gibt es unter Rubrik „Wirtschaft“ auf www.bonn.de

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