Zusammen weniger allein: Bonner Traditionskneipe "Op de Miel" hatte auch Heiligabend geöffnet

Zusammen weniger allein : Bonner Traditionskneipe "Op de Miel" hatte auch Heiligabend geöffnet

Die Bonner Traditionskneipe "Op de Miel" bietet seit 13 Jahren in der Bonner Altstadt den Menschen Zuflucht, die diesen Abend nicht zu Hause verbringen möchten.

Die meisten verbringen den Heiligen Abend zu Hause mit ihrer Familie. Was aber, wenn am 24. Dezember niemand da ist, mit dem man Kartoffelsalat mit Würstchen essen kann? Seit 13 Jahren bietet das "Ob de Miel" in der Bonner Altstadt den Menschen Zuflucht, die diesen Abend nicht zu Hause verbringen möchten.

Etwa 20 Personen feiern jedes Jahr im "Op de Miel" den heiligen Abend. "Es kommen viele Stammgäste und Menschen, die eben keine Angehörigen mehr haben", erklärte Christiane Ender. Die Kellnerin arbeitet seit fünf Jahren in der Traditionskneipe. Dieses Jahr bediente sie zum ersten Mal am Heiligen Abend. "Jeder ist Mal dran", sagte Ender und sah dabei alles andere als unglücklich aus. "Ich hätte heute Abend sonst auch nichts Großes gemacht", gestand sie. Ihren Lebensgefährten hatte sie einfach als Gast mitgebracht.

Ender freute sich am meisten auf die guten Gespräche. "Dafür ist heute einfach die richtige Zeit", sagte die Kellnerin, während sie ihre Gäste herzlich begrüßt. "Theo, was möchtest du trinken", rief sie über die Theke. Viele Gäste kennen sich bereits, haben sich sogar im "Op de Miel" verabredet. "Wir treffen uns heute zum Knobeln", erklärten Latti, Volkmar und Dieter. Die Freunde sind zum ersten Mal am Heiligen Abend in der Traditionskneipe. "Was soll man denn machen, wenn man Single ist", fragte Volkmar. "Besser, als alleine Zuhause zu sitzen", einigten sich die Herren. Norndien Müschenborn, der bereits zum zweiten Mal dabei ist, fühlt sich ebenfalls wohl: "Es ist fast wie bei der Familie", findet er.

"Meine Frau ist im Pflegeheim - seit vier Jahren", erzählte Theo Gutermann, der an der Bar Platz genommen hatte. Der Ur-Bonner komme seit dem Schlaganfall seiner Frau an Heilig Abend immer nach dem Besuch im Heim ins "Op de Miel", um dort mit bekannten Gesichtern den Abend ausklingen zu lassen. "Ich kann heute nicht alleine zu Hause sein", gestand der Rentner mit ernstem Gesicht. "Meine Mutter würde sich im Grab umdrehen, wenn sie wüsste, dass ich Heilig Abend in einer Kneipe sitze", glaubt Gutermann. Doch die Umstände ließen es nicht anders zu. "Ich bin wirklich froh, dass ich hier sein kann", bedankte er sich mit dem Blick auf Christiane Ender, die dem Mann mit Hut tröstend zulächelte.

Wer wollte, konnte sich auch eine Kleinigkeit zu Essen mitnehmen. "Die Küche ist heute geschlossen, deshalb müssen sich die Gäste selbst versorgen", so Ender. Auf den Tischen standen Knabbereien und Käseteller, an denen sich die Besucher frei bedienen durften. Die Kneipe ist mit roten Schleifen und Tannenzweigen stimmungsvoll dekoriert. Stille Nacht schallte durch den Raum. "Die Gäste dürfen sich heute die Musik wünschen", freute sich Ender. Am ersten Weihnachtstag hat die Kneipe geschlossen. Doch schon am 2. Weihnachtstag sind die Türen wieder für die Gäste geöffnet. "Wir sind für viele schon ein zweites Zuhause", glaubt die Kellnerin. Deshalb sei der 25. Dezember wirklich der einzige Tag, an dem das "Op de Miel" geschlossen habe.

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