Ärger beim Katastrophenschutz: Bonner THW fühlt sich unterfordert

Ärger beim Katastrophenschutz : Bonner THW fühlt sich unterfordert

Das Technische Hilfswerk (THW) darf nur ausrücken, wenn es von der Feuerwehr darum gebeten wird. Doch das geschieht offenbar viel zu selten - wie zuletzt bei Orkan Friederike zu beobachten. Die Stadt weist Vorwürfe zurück.

Rund 170 Einsätze verursachte das Orkantief ,,Friederike‘‘ am 18. Januar in Bonn. Überwiegend waren es umgestürzte Bäume, die die Helfer beschäftigten. Wie der stellvertretende Stadtsprecher Marc Hoffmann erklärte, konnten alle Einsätze noch am selben Tag abgearbeitet werden – und zwar von der Bonner Feuerwehr. Für das Bonner THW um seinen Ortsverbandsbeauftragten Axel Müller-Storp war das einmal mehr enttäuschend. „Obwohl wir sowohl über Geräte als auch über Helfer verfügen, die speziell für Einsätze mit der Kettensäge geschult sind, wurden wir erneut nicht angefordert“, sagt er. Und das obwohl Müller-Storp am Tag von „Friederike“ gleich zwei Mal der Feuerwehr Unterstützung angeboten hatte.

Selbstständig darf das THW nicht ausrücken: „Wir kommen nur auf ausdrückliche Anforderung etwa von Feuerwehr oder Polizei.“ Für Axel Müller-Storp wäre eine stärkere Einbindung seiner Aktiven bei solchen Einsätzen nicht nur „motivationsfördernd“. Auch würde es dem Bürger helfen, da viele Schadensstellen zügiger abgearbeitet werden könnten. Das Problem werde dadurch noch größer, dass es keine gemeinsamen Übungen mehr gebe. Alles zusammen erzeuge laut Müller-Storp Frust beim THW.

Däumchendrehen nach dem Unwetter

Ähnlich ist die Stimmungslage bei einer der regelmäßigen Übungen von rund einem Dutzend THW-Leuten im Kottenforst, wo sie den Umgang mit der Motorsäge trainieren. Mit dabei ist Rainer Gebhardt (42), seit über 20 Jahren THW-Mitglied. Als er am Sturmtag auf seiner Arbeitsstelle eintraf, während um ihn herum praktisch nichts mehr ging, und anscheinend jede helfende Hand gebraucht wurde, musste er sich von Kollegen die ironische Frage gefallen lassen: „Du bist doch auch beim THW, oder?“ Ähnlich ärgerlich war das erneute Däumchendrehen nach dem Unwetter für Christoph Ott, 27 Jahre alter THW-Ausbilder für die Motorsäge: „Das ist so, als würde man als Fußballer die Woche über hart trainieren und müsste samstags auf der Bank sitzen.“

Eigentlich hätte das nicht sein müssen, meint Müller-Storp, der an dem Orkantag jede Menge geeigneter Einsatzstellen für seine Leute lokalisiert hatte: „Die umgestürzten Bäume auf dem Kaiser-Karl-Ring hätten wir rasch mit unserem großen Radlader von der Fahrbahn ziehen können“, ist er überzeugt. Der Vorteil für die Feuerwehr wäre gewesen, dass sie ihre Kräfte für ihre eigentliche Aufgabe, den Brandschutz, hätte schonen können. Wie indes aus Feuerwehrkreisen zu erfahren ist, gibt es eine Art ungeschriebene Vorgabe der Führung, wenn irgend möglich auf „Blau“, sprich das THW „zu verzichten“.

Dass sieht man bei der Stadt anders. „Die Feuerwehr wurde ihrem gesetzlichen Auftrag entsprechend zum Schutze der Bevölkerung tätig“, betont Marc Hoffmann vom Presseamt. „Die 18 Löscheinheiten der Freiwilligen Feuerwehr arbeiteten hierbei den Großteil der Einsätze ab, sodass die Berufsfeuerwehr für weitere Einsätze zur Verfügung stand.“

Großübung mit dem THW

Eine Einbindung von Einheiten des THW in Amtshilfe sei aus Sicht des diensthabenden Einsatzleiters der Feuerwehr aufgrund des Lagebildes „nicht indiziert gewesen“. Zudem ist es aus Sicht Hoffmanns „auch originäre Aufgabe der Feuerwehr gemäß des Gesetzes über den Brandschutz, die Hilfeleistung und des Katastrophenschutzes NRW (BHKG), abwehrende Maßnahmen im Brandschutz, der Hilfeleistung auch bei Naturereignissen und bei Katastrophen zu gewährleisten“. Auch sei es Fakt, dass die beiden in Bonn befindlichen THW-Ortsverbände „immer wieder zur Unterstützung“ bei Einsätzen im Rahmen der Amtshilfe aufgrund ihrer speziellen Fähigkeiten angefordert würden. So bei einem drohenden Gebäudeeinsturz am 17. Oktober in Endenich und planmäßig beim aktuellen Rheinhochwasser.

Unzutreffend ist laut Hoffmann zudem der Vorwurf, dass es keine gemeinsamen Übungen geben würde. Vielmehr habe erst im vergangenen Jahr eine solche stattgefunden. Seit 2017 würden solche Übungen auch von der Stadt gefördert. Laut Müller-Storp gab es die letzte Großübung mit dem THW vor über zehn Jahren, und zwar 2004. Das jetzt wieder gemeinsam geübt werden soll, empfindet er als „Fortschritt“.

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