Festsaal der LVR-Klinik Bonn: Bonner Tangofestival lockt zahlreiche Tänzer an

Festsaal der LVR-Klinik Bonn : Bonner Tangofestival lockt zahlreiche Tänzer an

Der Festsaal der LVR-Klinik Bonn wurde am Samstagabend zum Anziehungspunkt für alle Tango-Freunde. Schon zum zwölften Mal lockte das Tangofestival begeisterte Tänzer an.

Sarah-Lena Schuster war am Samstagabend zwar mit einem Tanzpartner zum Tangoabend im alten Festsaal der LVR-Klinik Bonn gekommen, aber das hieß nicht, dass sie nur mit ihm tanzen würde. Für sie ist genau das das Tolle am Tango: "Man erlebt mit völlig fremden Menschen total intensive Momente, und dann geht man wieder auseinander", sagte sie. Seit drei Jahren hat sich Schuster dem argentinischen Tanz verschrieben: "Ich habe viele andere Tänze ausprobiert, aber nirgendwo anders ist die Sprache so komplex wie im Tango."

Der Abend war Teil des zwölften Tangofestivals, das die Tanzlehrer Harald Rotter und Susanne Illini organisiert haben. Die beiden waren aber bei dieser Veranstaltung, zu der auch Besucher aus Frankreich, England, Kroatien und anderen Ländern gekommen waren, nur Gäste: Gastgeber waren Bernd Karsten und seine Frau. Sie organisieren diesen Tanzabend seit dem ersten Tangofestival 2007. "Ich war der erste Tangotänzer in Bonn", so Karsten. Und er hat sich dem klassischen Tango verschrieben: Für Neo- oder gar Non-Tango, die bei den anderen Veranstaltungen auch getanzt werden, habe er nichts übrig, sagte er.

Eine kleine Tango-Szene in Bonn

Inzwischen gibt es mehrere Hundert Tangotänzer in Bonn, immer noch eine kleine Szene, man kennt sich untereinander. "Tango ist im Moment ein Modetanz geworden", meinte der Gastgeber. "Viele Frauen genießen das. Denn es geht beim Tango ausschließlich um die Frau." Der Mann habe die Pflicht, seine Tanzpartnerin zu verwöhnen und immer wieder mit neuen Tanzschritten zu überraschen. Das erfordert Konzentration und Übung.

Sylvia Brabänder und Michael Hocks sind da gerade erst am Anfang: Sie lernen Tango seit November. "Im Sommer gibt es am Beueler Rheinufer immer Tangotanzen unter freiem Himmel, da wollten wir auch mal mitmachen", erklärten sie. Hocks stellte fest: "Das ist schwer zu lernen. Tango erfordert eine unheimliche Konzentration, und die lässt im Lauf des Abends nach." Deshalb waren sie noch da, als die Musik nicht mehr vom Band, sondern live vom Quartett Tango Bravo kam, aber auf die Showeinlage von den argentinischen Gasttänzern Gabriel Ponce und Analía Morales, die erst nach Mitternacht auftraten, wollten sie nicht warten. Tango Bravo spielte Tangomusik aus der Blütezeit dieses Tanzes, den 30er und 40er Jahren. Das, erklärte Rotter, ist die Musik, zu der klassisch getanzt wird. Alles andere sei Neo- oder Non-Tango - das erste moderne Tango-Musik, das zweite vom Rhythmus her eigentlich kein Tango, aber man tanzt ihn dennoch darauf.

Tango macht die freie Improvisation aus

Alle Anwesenden schätzen noch ein zweites Element dieses Tanzes: "Uns gefällt, dass es so viele Möglichkeiten gibt, das zu tanzen", sagte Brabänder. Die freie Improvisation mache den Tango aus, so Rotter. "Das ist der einzige Tanz, der bis in die einzelnen Schritte frei ist." Und man sei sehr eng beieinander, das erfordere große Konzentration. "Trotzdem ist das eine Sache zum Entspannen. Wenn man einen schlechten Tag hatte, reichen zehn Minuten Tango, und man hat das vergessen." In Argentinien sei es völlig normal, nachmittags für eine halbe Stunde irgendwo Tango zu tanzen und dann nach Hause zu gehen.

Das Festival startete am Freitag mit dem Musiker-Duo Ranas und DJane Danusia im Pfarrsaal von Sankt Adelheid in Pützchen, wo am Sonntagabend die polnische Band Bandonegro zum Tanz aufspielte. Dazu präsentierte Tanguerilla aus Bremen eine Musik- und Lichtshow. Mit dem Tanz in den Mai mit Beltango Quinteto und DJ Harald klingt das Festival am Montagabend ab 20 Uhr im Pfarrsaal aus.

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