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Bonner Stadtsportbund drückt beim neuen Bäderkonzept aufs Tempo

GA-Interview : Stadtsportbund drückt beim Bäderkonzept aufs Tempo

Ute Pilger, Vorsitzende des Stadtsportbundes, spricht im GA-Interview über das neue Konzept der Stadtverwaltung. Es müsse nun schnell etwas passieren: „Für die Bonner Bäder ist es weit nach zwölf.“

Im Rat hat im Mai die Diskussion um das neue Bäderkonzept begonnen. Über den „Rahmenplan zur Neuordnung der Bäderlandschaft“, wie die Stadtverwaltung ihre Vorschläge nennt, sprach Andreas Baumann mit Ute Pilger, der Vorsitzenden des Stadtsportbundes Bonn (SSB). Sie war früher selbst eine erfolgreiche Leistungsschwimmerin.

Seit den 90er Jahren debattiert der Rat über die Zukunft der verfallenden Bäder. Hat die Stadtverwaltung mit ihren Vorschlägen jetzt den gordischen Knoten durchschlagen?

Ute Pilger: Ich bin verhalten optimistisch. Klar ist, dass schnell etwas passieren muss. Der Rahmenplan der Stadtverwaltung ist im Kern nichts Neues. Was neu und wichtig ist: Dass man jetzt von einem vernünftigen finanziellen Rahmen ausgeht. Und dass im Vorfeld breit diskutiert worden ist.

Das Bürgergutachten, auf das Sie anspielen: War das ein guter Weg?

Pilger: Der Stadtsportbund war wie andere Initiativen dadurch eingebunden, dass wir in den Planungszellen eine Viertelstunde Zeit hatten, unser Anliegen vorzutragen. Ich war von Anfang an sehr kritisch dem Bürgergutachten gegenüber. Es ist auch am Ende nichts herausgekommen, was wir nicht schon wussten. Jetzt haben wir aber schriftlich, wie wichtig das Schwimmen den Bonnern über alle Altersklassen hinweg ist. Schulschwimmen ist für viele ein großes Anliegen, ebenso wie längere Öffnungszeiten und eine getrennte Betrachtung von Schulen, Vereinen und Freizeitschwimmern, um die Bäder effizienter zu nutzen. Wenn man das Gutachten liest, sieht man, dass fast jede Planungszelle gesagt hat: Das Wasserland-Bad wäre nicht schlecht gewesen.

Woran ist das Wasserland-Projekt – eine durch die Stadtwerke gebaute und betriebene große Schwimmhalle – im Bürgerentscheid 2018 gescheitert?

Pilger: Ich glaube, die größte Sorge der Menschen war, alle anderen Hallen könnten geschlossen werden – also auch Hardtbergbad und Beueler Bütt. Das stand aber in keinem Ratsbeschluss. Als SSB standen wir voll hinter dem Projekt. Es ist uns aber nicht gelungen, den Mehrwert des Wasserland-Bades klar zu machen. Es wäre vom Zuschussbedarf her deutlich günstiger gewesen als das, was nun mit der neuen Rahmenplanung vorliegt. Es wäre barrierefrei gewesen, mit getrennt nutzbarem Familien- und Sportbereich, großen Rutschen, einem üppigen Wellness-Angebot. Das können wir mit dem Bäderkonzept nur schwer auffangen. Da wird jeder merken, dass es Abstriche geben wird. Aber wir sollten jetzt nach vorn schauen.

Bringt das neue Konzept mehr Wasserfläche in den Bonner Bädern?

Pilger: Nein. Es gibt zwei 25-Meter-Bahnen mehr – entweder in einem Neubau oder im Frankenbad, wenn dort das Wettkampfbecken auf acht Bahnen erweitert wird. Zwar sieht die Stadt in Neubauten zusätzliche Lehrschwimmbecken vor. Aber dafür sollen Becken an Schulen geschlossen werden. Das ist sinnvoll, weil Lehrschwimmbecken in öffentlichen Bädern auch von anderen genutzt werden können, wenn die Schulklassen weg sind. Mit dem Wasserland-Bad hätte es in Bonn tausend Quadratmeter mehr Wasserfläche gegeben, trotz Schließung von Franken- und Kurfürstenbad.

Es hieß jahrelang, die Stadt könne sich den Zuschuss für die Bäder nicht mehr in voller Höhe leisten. Mit dem neuen Konzept wird es aber jetzt teurer als bisher, oder?

Pilger: Dafür müsste man genauere Zahlen haben. Ich glaube schon, dass es am Ende ein wenig teurer wird. Auf der anderen Seite spart die Stadt, wenn sie Kombi-Bäder baut, die in der Betriebsführung deutlich günstiger sind als zwei getrennte Standorte für Frei- und Hallenbad. Mit neuer Technik und energetischer Optimierung wird man auch einiges einsparen.

Glauben Sie, dass die Hallenbäder nach Sanierungen und Neubauten endlich besser ausgelastet sein werden?

Pilger: Davon bin ich überzeugt. Bisher bieten sie nur eine geringe Aufenthaltsqualität. Mit modernen Bädern kann man das deutlich besser erreichen. Gerade mit Kindern fahren viele bisher nach Troisdorf oder Rheinbach, weil es da Familienbäder gibt. Wenn wir so etwas demnächst am Hardtberg haben, wird das ein Pluspunkt sein.

Meinen Sie ernsthaft, dass ein modernisiertes und leicht erweitertes Hardtbergbad ein Anziehungspunkt wie das Monte Mare in Rheinbach mit Wellenbad, Tauchbecken und Sauna werden kann?

Pilger: So etwas werden wir in Bonn nicht haben. Aber ich glaube, dass das Hardtbergbad gerade für junge Familien attraktiv wird, schon durch die Gestaltung mit einem großen Außenbereich und der Möglichkeit, im Sommer bei schlechtem Wetter in die Halle auszuweichen. Ob das an die Zahlen vom Monte Mare herankommt, muss man sehen.

Sollte Bonn das Frankenbad als Schwimhalle sanieren? Oder stattdessen lieber einen Neubau am Römerbad errichten?

Pilger: Wir als Stadtsportbund sind dafür, das Römerbad mit einer neuen Halle in ein Kombi-Bad umzubauen. Das Frankenbadgebäude und der Vorplatz sollten als Sport- und Kulturstätte erhalten bleiben. Für Bonn wäre ein solches Zentrum ein absoluter Mehrwert. Ich denke zum Beispiel an die vielen kleinen Vereine und Gruppen, die im Moment noch die alte Volkshochschule an der Wilhelmstraße nutzen dürfen und langfristig Räume suchen. Am Frankenbad hängt viel Herzblut. Meins in gewisser Weise auch, weil ich dort schwimmen gelernt und viele tolle Wettkämpfe erlebt habe. Ich glaube aber, was die Zukunftsfähigkeit angeht, ist es nicht der beste Standort. In einem Neubau kann die Stadt eine parallele Nutzung von Wettkampf-, Mehrzweck- und Lehrschwimmbecken baulich besser realisieren. Wenn an anderer Stelle ein wettkampftaugliches Bad errichtet wird, können wir damit aber genauso leben.

Frankenbad-Fans argumentieren, das Römerbad sei zu schlecht erreichbar…

Pilger: Bonn ist nicht London oder Paris. Ich glaube, es gibt hier keinen Ort, den man nicht erreichen kann. Da hat man zum Beispiel im Rhein-Sieg-Kreis mit ganz anderen Entfernungen zu kämpfen. Solche Diskussionen hindern uns immer wieder daran, eine Lösung zu finden. Wir sollten nicht nur über einzelne Stadtteile nachdenken, sondern über das große Ganze – das Schwimmangebot im gesamten Stadtgebiet.

Ist ein temporär errichtetes Bad sinnvoll, wie es die Stadt vorschlägt?

Pilger: Auf jeden Fall. Allein wegen des Schulschwimmens, für das Ersatzflächen nötig sind. Heutzutage kann man Hallenbäder errichten, die man hinterher versetzen kann. Das ist kein Vergleich etwa mit der Traglufthalle über dem Friesdorfer Bad, sondern da gibt es viele intelligente technische Lösungen. Man muss ja auch im Hinterkopf behalten: Was machen wir, wenn die Stadt eines der alten Bäder aus technischen Gründen wie damals beim Kurfürstenbad schließen muss? Dann brauchen wir Ersatz. Ebenso für die Schwimmhalle im Sportpark Nord während der Sanierung. Von rund 800 Schulschwimmstunden in der Woche finden 27 Prozent dort und im Frankenbad statt. Und warum nicht dieses temporäre Bad später ans Ennertbad versetzen, um dort eine Kombi-Anlage zu schaffen?

Es sei denn, die Stadt errichtet zeitnah einen Neubau am Römerbad: Dann könnte der als Ausweichfläche während der Sanierung im Sportpark Nord dienen und später das Frankenbad ersetzen…

Pilger: Könnte man so machen. Das wäre dann eine ganz andere Planung und würde voraussetzen, das Frankenbad so lange wie möglich in Betrieb zu halten.

Kann man das Frankenbad so modernisieren, dass dort wieder internationale Wettkämpfe stattfinden können?

Pilger: Für solche Wettkämpfe gibt es klare Verbandsvorgaben. Raumprogramme, Abstandsregeln innerhalb des Beckens, wie das Becken gestaltet ist. Das im denkmalgeschützten Frankenbad hinzubekommen, sehe ich als sehr schwierig und kostspielig an. Zwischen Mehrzweckbecken und Sportbecken stehen Säulen. Die kann man ja nicht einfach versetzen.

Der Verein Frankenbadfreunde will mit einem Bürgerantrag die Sanierung des Hallenbads durchsetzen. Nach dem Motto: Zuerst mein Stadtbezirk?

Pilger: Ich will nicht hoffen, dass wir da wieder hinkommen. Alle Ini-
tiativen sollten eine gesamtstädtische Lösung im Blick behalten. Am Ende steht ja auch die Frage, was sich die Kommune finanziell leisten kann. Deshalb muss man zum Beispiel die Kosten eines Neubaus am Römerbad und einer Vollsanierung des Frankenbadgebäudes als Schwimmhalle sauber gegenüberstellen. Dazu dient der Prüfauftrag, den der Rat nun der Stadtverwaltung erteilen soll.

Wie viel Zeit bleibt der Stadt Bonn aus Ihrer Sicht, wenn Schul- und Vereinsschwimmen nicht gefährdet werden sollen?

Pilger: Da fragen Sie mich was. In den Bädern gab es in den vergangenen Jahren ja immer wieder große technische Probleme. Für das Hardtbergbad hat der Rat schon die ersten drei Sanierungsmodule beschlossen und sollte möglichst schnell die Module vier bis sieben verabschieden. Dann könnte man zumindest an einer Stelle sicher sein, innerhalb von zwei, drei Jahren ein gutes Schwimmangebot zu haben. Wenn der Prüfauftrag zur Rahmenplanung erteilt ist, dürfen wir nicht ein halbes Jahr die Hände in den Schoß legen. Dann müssen wir uns schnell in einem wie auch immer beschaffenen Gremium zusammensetzen und überlegen, wie jeder einzelne Standort mit welchem Nutzungskonzept am Ende aussehen soll. Sonst werden wir uns noch über Jahre nicht von der Stelle bewegen. Für die Bonner Bäder ist es weit nach zwölf.