Zukunft der maroden Hallen: Bonner Sportstätten benötigen 100 Millionen Euro

Zukunft der maroden Hallen : Bonner Sportstätten benötigen 100 Millionen Euro

Die Stadt arbeitet an einer Prioritätenliste für ihre Sportstätten. Unterdessen hat sie sich als Austragungsort der Landesspiele der Special Olympics 2021 beworben.

Die Sportstätten in Bonn sind ähnlich wie die Schwimmbäder in marodem Zustand. Für rund 100 Millionen müsste die Stadt ihre Turn- und Sporthallen sanieren. Jeweils 40 bis 50 Millionen werden für die Turn- und Sporthallen sowie für die Sportplätze und Außenanlagen benötigt.

Unter den städtischen Turn- und Sporthallen haben laut Presseamt etwa 20 den dringendsten Sanierungsbedarf. Die Liste der Probleme reicht von Rissen in den Hallenböden über defekte Unterböden bis zu Mängeln an Prallschutzwänden und in sanitären Anlagen. Aber auch an den Außenanlagen muss nachgebessert werden. Dabei geht es vor allem um die Sanierung, Erweiterung und den Neubau von Umkleidegebäuden. Am Sportpark Nord müssen zudem eine Tribüne saniert sowie die Werkstätten des Sportstättenpflegedienstes erneuert werden.

Um die Situation zu verbessern, hat die Stadt eine Sportentwicklungsplanung in Auftrag gegeben. Ein Expertenteam um den Sportwissenschaftler Professor Robin Kähler von der Universität Kiel hat seit Anfang des Jahres den Zustand der Sportstätten untersucht, Vereine, Schulen und Bürger zu ihren Bedürfnissen befragt. Davon ausgehend erstellen die Experten einen Sanierungsplan für die nächsten fünf bis zehn Jahre, der sich an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt orientiert. Dabei sollen Anlagen bevorzugt werden, die sich in der Nähe von Schulen befinden. Die Stadtverwaltung muss dem Rat eine gesamtstädtische Prioritätenliste vorlegen, bevor die Sanierungen beginnen. „Im Zuge von Verdichtung müssen Synergien geschaffen werden“, erklärt Kähler zudem. So könnten auch Wiesen wie die Rheinauen als Sportstätten für Schulen und Vereine mit eingeplant werden.

Geld für Sanierungen ist allerdings knapp. Zwar hat der Rat die Sportpauschale gerade von zwei auf drei Millionen Euro im Jahr erhöht. Aus diesem Topf müssen neben Investitionen aber auch die Betriebskosten finanziert werden. Unabhängig von der Sportpauschale hat die Stadt im vorigen Jahr allein für die laufende Instandhaltung der Sporthallen und Plätze drei Millionen Euro ausgegeben.

Bewerbung für die Special-Olympics

„Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Bernd Seibert, Geschäftsführer des Stadtsportbunds Bonn (SSB). Der Verband ist Teil des Kernteams, das an der Sportentwicklungsplanung arbeitet. „Aber dafür brauchen wir Geld“, so Seibert. Hilfe könnte aus dem Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ der Landesregierung kommen. In den nächsten vier Jahren sollen 300 Millionen Euro in die NRW-Sportanlagen fließen.

Unterdessen hat sich die Stadt als Austragungsort der Landesspiele der Special Olympics 2021 beworben. „Bis dahin muss etwas getan werden“, so Seibert. Die Spiele werden alle zwei Jahre veranstaltet und richten sich an Sportler mit einer geistigen oder mehrfachen Behinderung. Die Wettkämpfe sollen in der Hardtberghalle (Basketball, Judo, Tischtennis), Erwin-Kranz-Halle (Badminton), im Sportpark Nord (Fußball, Leichtathletik, Radsport, Rollerskating und Boccia) sowie im Frankenbad (Schwimmen) ausgetragen werden, falls Bonn den Zuschlag erhält. Für Tennis, Reiten, Voltigieren, Golf, Bowling und Kanu verfügt die Stadt allerdings nicht über eigene Anlagen. Deshalb sollen „Sportstätten von Dritten“ gemietet werden. „Es ist nicht geplant, für die Special Olympics neue Sportstätten zu errichten oder vorhandene Anlagen zu erweitern“, erklärt Markus Schmitz vom Presseamt. Die Sportstätten soll die Stadt dem Veranstalter kostenfrei zur Verfügung stellen.

Die Sportstätten sind allerdings nicht barrierefrei. Daran wird die Stadt bis zu den Spielen auch nichts ändern: „Aus finanziellen und personellen Gründen wird es nicht möglich sein, die Sportstätten bis 2021 barrierefrei zu ertüchtigen“, heißt es in einer Beschlussvorlage zur Bewerbung. Der Landesverband setzt eine Barrierefreiheit nicht als Bewerbungskriterium voraus. Bis Ende des Jahres soll entschieden werden, ob Bonn den Zuschlag für das Sportevent erhält.

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