Tatverdächtiger ist polizeibekannt: Bonner soll Mädchen in Wohnwagen missbraucht haben

Tatverdächtiger ist polizeibekannt : Bonner soll Mädchen in Wohnwagen missbraucht haben

Der 54-Jährige, der im Bonner Melbtal eine Zwölfjährige in einem Wohnwagen sexuell missbraucht haben soll, ist der Polizei bereits wegen diverser Straftaten bekannt. Er streitet die Tat ab.

Es ist ein kaum einsehbares Wiesengrundstück am Hang des Melbtals, direkt hinter der Emilie-Heyermann-Realschule, die an der Robert-Koch-Straße liegt: Hier stand der Wohnwagen, in dem eine Zwölfjährige von einem Bonner (54) sexuell missbraucht worden sein soll. Die Polizei stuft das, was dem Mädchen mutmaßlich angetan worden ist, als „ausgesprochen schwere Straftat“ ein. Ein Richter erließ am Montag einen Haftbefehl wegen des Verdachts auf schweren sexuellen Missbrauch.

Das Mädchen war am vergangenen Donnerstag aus einer Kindereinrichtung am Niederrhein weggelaufen – offenbar nicht zum ersten Mal. Schon im Sommer 2018 soll sie sich nach GA-Informationen im Wohnwagen des Tatverdächtigen aufgehalten haben, dessen jugendlichen Sohn sie kennt. Am Sonntag schickte die Polizei eine Streife nach Poppelsdorf, nachdem sie einen Hinweis erhalten hatte. Im Wohnwagen trafen die Beamten laut Polizei das Mädchen, den 54-Jährigen sowie dessen 50-jährige Freundin an. Es habe sofort Anzeichen für einen sexuellen Missbrauch gegeben, so Polizeisprecher Frank Piontek. Die Polizei nahm die beiden Verdächtigen vorläufig fest. Das Kind kam nach einer ersten Anhörung in die Obhut des Jugendamtes, das es über Nacht sicher unterbrachte. Seit Montag ist die Zwölfjährige wieder in ihrer Einrichtung am Niederrhein, wie Stadtsprecherin Monika Hörig mitteilte.

Am Tatort übernahmen am Sonntag Beamte des für Sexualdelikte zuständigen Kriminalkommissariats 12 und Spezialisten des Erkennungsdienstes in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen und die Spurensicherung. Zur Beweissicherung beschlagnahmten die Beamten den Wohnwagen sowie einen weiteren Wohnwagen, der sich ebenfalls auf dem Gelände befand. Das Technische Hilfswerk leistete dabei Unterstützung.

Im Zuge der Ermittlungen erhärtete sich der Tatverdacht gegen den 54-Jährigen, der den Missbrauch allerdings abstreitet. Die Beamten stellten eine Videokamera sicher, die nun ausgewertet wird. Ob kinderpornografisches Material gefunden wurde, ließen die Ermittler am Montag offen. Es werde geprüft, ob es andere Missbrauchsfälle geben könnte, erklärte Polizeisprecher Robert Scholten. „Konkrete Hinweise auf weitere Opfer haben wir nicht“, sagte er.

Der verhaftete Mann, offenbar ein Alkoholiker, ist der Polizei bereits wegen Gewalt-, Drogen- und Eigentumsstraftaten bekannt. Vor vielen Jahren sollen ihm nach GA-Informationen auch Sexualdelikte zur Last gelegt worden sein. Nach Angaben der Grundstückseigentümer lebte der ehemals Obdachlose schon seit etwa acht Jahren in dem Wohnwagen. Die Miete sei vom Sozialamt beglichen worden. Der 54-Jährige sei stets freundlich und hilfsbereit aufgetreten. „Was ihm jetzt vorgeworfen wird, können wir uns einfach nicht vorstellen“, betonten sie auf GA-Nachfrage.

In der benachbarten Emilie-Heyermann-Realschule scheint der Tatverdächtige bisher nicht aufgefallen zu sein. „Wir haben unser Gelände immer gut im Blick“, sagte Schulleiter Markus Schmude am Montag und verwies für weitere Fragen an die Bezirksregierung Köln. Die Behörde war am Rosenmontag geschlossen.

Die 50-jährige Freundin des Mannes setzte die Polizei nach ihrer Vernehmung wieder auf freien Fuß. Die Ermittlungen gegen die Bonnerin dauern an.

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