Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten: Bonner Schülerinnen Landessieger bei "Anders sein"

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten : Bonner Schülerinnen Landessieger bei "Anders sein"

Konfessionelle Konflikte, die Schicksale von Zwangsarbeitern, die Situation von Flüchtlingen: Mehr als 5000 Schüler setzten sich beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit historischen Themen auseinander.

Das Motto hieß diesmal "Anders sein". Die 73 Landessieger aus Nordrhein-Westfalen zu wurden am Montag im Haus der Geschichte prämiert.

Von September vergangenen Jahres bis Februar 2015 erarbeiteten die Jugendlichen insgesamt 1563 Beiträge. "Unsere Teilnehmer bewegt das Thema. Sie wenden sich gegen Vorurteile und Ausgrenzung und fordern mehr Toleranz", sagte Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung, die den Preis auslobt und für jeden Gewinner 250 Euro bereithält. "Es geht um Verständlichkeit und kritisches Hinterfragen" erklärte Thomas Paulsen von der Körber-Stiftung, die seit 1973 alle zwei Jahre zum Geschichtswettbewerb aufruft. Vor allem gehe es aber darum, etwas zu Ende zu bringen. "Auch wenn man während seiner Recherche auf Probleme und Schwierigkeiten stößt", so Paulsen.

Die Bonner Preisträgerinnen

Laura Pott: Das jährliche Spargelessen mit der ganzen Familie brachte die 17-Jährige auf die Idee, die Geschichte ihrer Vorfahren zu erforschen. "Es gab immer nur Gerüchte über meinen Urgroß-Onkel Jacques Lejeune, die ich untersuchen wollte", erzählt sie. Und alles bestätigte sich, nachdem sie durch Zufall seinen Sohn Christian Lejeune aus Belgien, der ebenfalls Jurist ist, im Internet fand. Sein Vater hatte damals die Gerichtsbarkeit im Kongo aufgebaut, Jacques führte die Juristen-Dynastie fort.

Isabel Kerkfeld, Hannah Langen und Marie Christ: In ihrem Geschichts-Leistungskurs am Clara-Schumann-Gymnasium haben die drei Elftklässlerinnen nur wenig erfahren. "Dabei ist die Schwulen-Bewegung mit dem Christopher Street Day (CSD) in Köln ganz nah", sagt Hannah Langen. Bei ihrer Recherche schauten sie sich zunächst die Historie in den USA an. "Da gab es sogar Razzien der Polizei", erzählt Isabel Kerkfeld.

Die bunten Paraden, so wie in der Domstadt, seien als Zeichen der Lebensfreude entstanden. Viele Infos besorgten sich die Mädchen von Interviewpartnern, dort schnappten sie auch das Zitat und Leitthema auf, dass der CSD "besserer Karneval" sei. "Heute wird die Parade kritisiert, weil sie nicht mehr so politisch ist wie früher", sagt Marie Christ. Weil sie unter Zeitdruck standen, unterstützte sie die Aids-Hilfe bei ihren Recherchen. Schwierig sei gewesen, alles Niedergeschriebene für einen 45-minütigen Podcast zusammenzufassen. Der wurde auch im Radio beim Bürgerfunk ausgestrahlt und musste deswegen verständlich eingesprochen und mit weniger historischen Daten versehen sein.

Tina Reetmeyer: Ihre Großmutter und ihre Landsleute aus Siebenbürgen waren, egal wo sie hinzogen, Außenseiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie als Deutsche fremd in Rumänien, als sie in den 80er Jahren nach Deutschland kamen, waren sie genauso fremd. "Das war für meine Oma immer eine große Belastung, die meine Mutter gar nicht mitbekommen hat, weil sie zu klein war", erzählt Tina Reetmeyer. Auch sie selbst hat durch den 20-seitigen Roman, den sie geschrieben hat, viel über ihre Familiengeschichte erfahren.