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Freiherr-vom-Stein-Realschule : Bonner Schüler malen ihre Corona-Wirklichkeit

Freiherr-vom-Stein-Realschule : Bonner Schüler malen ihre Corona-Wirklichkeit

Schüler der Freiherr-vom-Stein-Realschule haben im Kunstunterricht Bilder mit ihren Befindlichkeiten zur Corona-Zeit gemalt. Herausgekommen sind Werke von hoher Qualität und Originalität.

„Malt ein Bild, das ausdrückt, wie ihr die Corona-Zeit erlebt“, schrieb Monika Zies der 8. Klasse der Freiherr-vom-Stein-Realschule (FVSR) als Aufgabe im Kunstunterricht. Schon seit Beginn des Lockdowns im März gab es auch an der FVSR nur noch „Unterricht auf Distanz“. Im Klartext hieß das, die 570 Schülerinnen und Schüler durften bis zu den Lockerungen Anfang Mai ihre Schule nicht mehr betreten. Bis heute hat sich nur wenig daran geändert, wenn man von dem inzwischen nur für wenige Stunden erlaubten einmaligen Schulbesuch in der Woche absieht.

Wo an anderen weiterführenden Schulen bereits vor Corona erste Schritte in Richtung Digitalisierung gegangen wurden, mussten an der FVSR erst einmal mühevoll die E-Mail-Adressen von Schülern oder deren Eltern erfragt oder angelegt werden. Auch wenn vereinzelt Online-Sitzungen per Zoom oder ähnlichen Videochats stattfanden, war und ist die von Englischlehrerin Martina Küsel-Wenz betreute Homepage der Schule zusammen mit dem Mailkontakt zu den Schülern das einzige Mittel der Kommunikation.

Intensiver telefonischer Kontakt mit Eltern und Schüler

„Wir konnten nicht davon ausgehen“, so Zies, „dass alle Schüler über einen PC verfügten.“ Manchmal habe es auch nur ein Smartphone in der Familie gegeben. „Trotzdem“, sagt Zies und wird dabei von ihrer Kollegin Küsel-Wenz bestätigt, „lief unser Homeschooling im Großen und Ganzen sehr gut.“ Die Lehrerinnen konnten dem Unterrichten auf Distanz sogar etwas abgewinnen. Durch den intensiven telefonischen Kontakt mit Schülern und deren Eltern habe man mehr Nähe und Wissen voneinander aufbauen können als je zuvor. Eine „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ von Schülern hatte es zuvor in dieser Form nicht gegeben. „Das hat aber auch zur Folge gehabt“, ergänzt Küsel-Wenz, dass viele Lehrer oftmals bis spät in die Nacht Arbeiten kontrollierten und bewerteten, um sie im späteren telefonischen Gespräch mit den Schülern individuell besprechen zu können.

Wo früher drei Klassenarbeiten im Halbjahr korrigiert wurden, gab es nun ständig Aufgaben, die entsprechend der Schülerleitung nachgearbeitet werden mussten. „Aber unser Konzept kam bei den Eltern sehr gut an“, stellt Schulleiter Martin Finke fest. Der regelmäßige Rundruf seiner 45 Kollegen habe bei den Eltern das Gefühl bestätigt, dass man sich intensiv um das Fortkommen ihrer Kinder bemühe. „Wir hatten immer schon eine starke Beziehung zu den Eltern unserer Kinder gesucht“, so Finke, „doch jetzt ist sie noch intensiver worden.“ An seiner Schule habe man nichts zu verteilen gehabt: Statt Laptops habe man Briefe verschickt und Schüler wie Eltern mit kostenlosen Apps vertraut gemacht. „Heute sind wir froh, wieder einen Präsenzunterricht zu haben und die Kinder in Abständen von fünf oder sechs Tagen sehen zu können.“ Es sei schon wesentlich, so der Schulleiter, sich in die Augen sehen zu können. Es ginge eben nichts über eine unmittelbare Kommunikation. „Wir haben unsere Schule in der Corona-Zeit fast täglich neu erfinden müssen“, fasst Finke die Corona-Zeit zusammen.

„Die Qualität der Bilder hat mich überrascht“, sagt der Schulleiter zu der eingangs erwähnten Aufgabenstellung der Kunstlehrerin voller Stolz auf seine zehn- bis 16-jährigen Schüler. So sind teilweise druckreife Karikaturen entstanden, die beispielsweise zeigen, wie das Virus die ganze Welt in den Griff nimmt, oder wie die persönliche Befindlichkeit der Schüler während der Schulschließung war. So malte sich die 14-jährige Quiaam im Regen stehend alleine auf der Welt, um damit ihre traurige Einsamkeit während des Lockdowns auszudrücken. Sie durfte ihre Wohnung nicht verlassen, um ihren herzkranken Vater sowie ihren lungenkranken Bruder nicht mit einer eingeschleppten Infektion zu gefährden. Nur per Whatsapp hielt sie Kontakt zu ihren Freundinnen. Nicht nur aus Sorge um ihre Familie spricht sie von der Angst vor einer zweiten Covid-19-Welle, „wenn sich die Menschen nicht an die Regeln halten.“

Quiaam ist traurig, nicht nach Marokko fahren zu können

Das strikte Einhalten von Schutzmaßnahmen ist für alle Schülerinnen wesentlich. Viktoria (14) erzählt, dass viele erst durch die Pandemie gelernt hätten, nicht nur an sich, sondern auch an andere zu denken. Ihre Klassenkameradin Mariam (15) zeichnete Ärzte, die die „Last der Welt“ auf ihren Schultern tragen. Sie teilt Quiaams Angst, die Familie anzustecken und ist traurig darüber, dass sie in diesen Sommerferien nicht wie sonst die Familie in Marokko besuchen kann: „Darauf freuen wir uns normalerweise das ganze Jahr.„

Während Qiaam mit ihren Eltern nach Holland ans Meer fahren wird, bleiben die meisten Kinder zu Hause oder planen Tagesausflüge in Freizeitparks. Kevin (14) und Özlem (14) sind sich sicher, dass es das Beste ist, auch in den Ferien zu Hause zu bleiben und sich an die Regeln zu halten. Das Homeschooling hatte für sie, wie auch für ihre Klassenkameradinnen vor allem den Vorteil, ausschlafen und sich das Erledigen der Hausaufgaben selber einteilen zu können. Schwierig sei gewesen, so Özlem, dass die Eltern nicht bei allem behilflich sein konnten. Lehrer könnten das einfach besser, ist sie überzeugt.