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Von Kondom bis Transgender: Bonner Schüler lernen die Pubertät kennen

Von Kondom bis Transgender : Bonner Schüler lernen die Pubertät kennen

Der Bonner Arbeitskreis Sexualpädagogik richtet seit mehreren Jahren einen Parcours an der Endenicher Hauptschule aus. Dabei lernen die Schüler alles über ihren Körper und Sexualität.

Tarkan (13) und Miguel (14) sprachen über das Thema Sexualität, als würden sie übers Wetter sprechen. „Wir reden offenüber alles“, sagte Tarkan. Etwa über zu häufiges Masturbieren zu Pornofilmen: „Das Gehirn stellt da eine Verknüpfung her.“ Das könne später beim echten Geschlechtsverkehr zu Erektionsstörungen führen. Diese Filme würden keine Wirklichkeit darstellen. Gelernt hatten die Siebtklässler der Karl-Simrock-Schule das an der Station „Sexualität und neue Medien“ des Sexualpädagogischen Parcours, den sie und ihre Stufenkameraden am Dienstag durchliefen.

Seit Jahren richtet der Bonner Arbeitskreis Sexualpädagogik (siehe Kasten) diesen Parcours regelmäßig an der Endenicher Hauptschule aus – und zwar mit hohem Aufwand, wie Marcel Maus von der Aids-Prävention der Bonner Caritas zugab. Wichtig sei dabei, zu vermitteln, „dass Sexualität etwas Positives ist“, und dass es Einrichtungen in Bonn gibt, an die man sich bei Fragen wenden kann. Diese Einrichtungen hatten sich die vier Stationen aufgeteilt: Neben den neuen Medien ging es um sexuelle geschlechtliche Vielfalt, sexuelle Rechte und Verhütung sowie um sexuelle Gesundheit.

Einiges wussten Tarkan und Miguel schon, etwa dass es auch Kondome für Frauen gibt und dass nur Präservative einen wirklich sicheren Schutz vor Krankheiten bieten. „Aber ich weiß nicht, was für Krankheiten man bekommen kann“, so Miguel. Auch zu den Themen Homosexualität und Transgender gab es viel Nachholbedarf.

„Ich bin froh, dass wir den Sexualparcours hier haben“

Jungen und Mädchen durchliefen die Stationen getrennt. Das habe sich als sinnvollste Lösung erwiesen, so Maus, weil die Themen oft doch recht persönlich und intim seien. Ein vorrangiges Anliegen sei es, Respekt vor dem eigenen, dem anderen Geschlecht und den verschiedenen anderen Formen von Sexualität zu haben.

„Ich bin froh, dass wir den Sexualparcours hier haben“, sagte der Schulsozialarbeiter Wolfgang Küpper. „Die Schüler kriegen über die Medien ja sehr früh viel mit.“ Darauf müsse man sie vorbereiten, und die Jugendlichen nähmen das Angebot gerne an. Maus konnte das bestätigen. „Ich habe den Eindruck, die Schüler sind interessiert.“ Und dass sich die Siebtklässler ernsthaft damit beschäftigen, zeige sich auch in den Feedback-Fragebögen, die im Anschluss an den Parcours ausgeteilt wurden, sowie in den Gesprächen, die stets ein halbes Jahr später durchgeführt werden. Das Angebot sei ein wichtiger Schritt gegen Vorurteile und zu einem respektvollen Umgang miteinander.