Abgeschnitten von der Außenwelt: Bonner Schüler führen Stück über Handysucht auf

Abgeschnitten von der Außenwelt : Bonner Schüler führen Stück über Handysucht auf

Der Literaturkurs des Ludwig-Erhard-Berufskollegs hat Volker Zills Stück „Smombies“ bearbeitet und führt das Stück über sechs mediensüchtige Jugendliche am Freitag auf

Noch ein Tag, dann wird es ernst für den Literaturkurs der Stufe 13 am Ludwig-Erhard-Berufskolleg: Am Freitagabend führen die Schüler ihr Theaterstück „Smombies“ auf. Aus dem Prüfungsraum wird ein Theater, die Schule wird umdekoriert. Auf und neben der Bühne wurde viel vorbereitet: Zusätzlich zur Theateraufführung werden auch Sekt und Essen angeboten.

Der Begriff „Smombies“ beschreibt das Phänomen der sogenannten Smartphone-Zombies, also Handynutzern die außer ihrer virtuellen Welt nichts mehr mitbekommen. Auf der Bühne wird die Geschichte von sechs mediensüchtigen Jugendlichen erzählt. Sie alle wurden von ihren Eltern oder in einem Fall durch die Jugendrichterin in die Therapieanstalt „Haus Offline“ eingewiesen. Drei Therapeuten versuchen dort mit einer Woche Entzug die Jugendlichen von ihren Handys zu lösen und ihnen in verschiedenen Experimenten und Therapiestunden deutlich zu machen, wie abhängig sie von den Geräten sind.

Die Schicksale dahinter

Kursleiterin Annette Zimmer wollte mit dem Thema auch klären, was die Leute eigentlich an der virtuellen Welt lockt und gerade auch die Schicksale dahinter beleuchten. Für jede Rolle wird daher auch aufgezeigt, wie sie zur Anhängigkeit von der mobilen Digitalwelt gekommen sind. Aber auch die drei Therapeuten wurden als unterschiedliche Individuen ausgearbeitet. Damit das auch zu den Schauspielern passt, wurde an der Textvorlage „jede Menge umgearbeitet“, so Zimmer.

Volker Zills Stück „Smombies“ wurde von allen gelesen und bewertet, berichtet Jens Eßer: „Dann haben wir unsere eigenen Ideen eingebracht und es so umgeschrieben, wie wir das wollten.“ Auch die Rollen wurden an die Schüler angepasst, dann konnten die intensiven Proben losgehen. Jetzt kurz vor der Aufführung war natürlich auch der Zeitdruck hoch. Dazu kommt: Bei allen überwiegt vor der Aufführung ein wenig das Lampenfieber.

Nah am eigenen Leben

Dass das Thema so nah am eigenen Leben dran war, hat die Arbeit am Stück für alle eher erleichtert. „Es war manchmal schon komisch, als Smombies über die Bühne zu laufen“, erzählt Anna Nguyen: Auch wenn man nicht süchtig sei und sich auch nicht so zeigen möchte, zeige das Stück ja auch irgendwie, wie schnell es mit einer Sucht gehen könne. Trotzdem sei es einfacher gewesen, sich in seine Rolle hineinzuversetzen, weil man sich ja auch selber oft mit Medien beschäftige, so die Schüler. „Ich kenne das auch, wie man vom Handy ständig vom Lernen abgelenkt wird“, so Phoneshay Sisoumang. Daher spreche ihn das Stück an. Trotz dem medienkritischen Tenor und deutlichem Ausgang von „Smombies“ fühlen sich die Schüler nicht ertappt. „Von meiner Position aus, ist mir schon klar, dass man viel konsumiert“, erklärt Philipp Flohe. Es erleichtere eher die Identifikation mit der Rolle.

Am Freitag geht es um 19 Uhr im Raum C 4-04 des Berufskollegs los. Tickets an der Abendkasse kosten fünf Euro, ermäßigt drei Euro.