Ausstellung in der Bertolt-Brecht-Gesamtschule: Bonner Schüler engagieren sich gegen Antisemitismus

Ausstellung in der Bertolt-Brecht-Gesamtschule : Bonner Schüler engagieren sich gegen Antisemitismus

Die Bonner Bertolt-Brecht-Gesamtschule ist erste Station der Ausstellung „Juden in Deutschland haben wieder Angst“. Zeugen berichten von Antisemitismus im Alltag.

Die Bekanntschaft mit einem oder mehreren Juden ist nicht alltäglich. Da ist Murat eine Ausnahme. Über Antisemitismus hat der 16-jährige Schüler der Bertolt-Brecht-Gesamtschule mit ihnen bislang nicht gesprochen. Aber die Ausstellung „Juden in Deutschland haben wieder Angst“, die am Dienstag an seiner Schule eröffnet wurde, könnte das ändern.

Die Ausstellung wurde unter Trägerschaft der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) von deren Leiter Hidir Celik und Uri Robert Kaufmann, Leiter der Alten Synagoge Essen, konzipiert. Zeitzeugen berichten von der Judenverfolgungen im Nationalsozialismus und Juden, die heute in Deutschland leben, von ihren Erlebnissen und Erfahrungen mit Antisemitismus und der Sonderstellung jüdischer Einrichtungen mit Polizeischutz.

„Das ist ein Gift, das sich ausbreitet“, konstatierte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bei der Eröffnung. Die Ausstellung solle zeigen, was es bedeutet, in Angst zu leben, so die Antisemitismusbeauftragte des Landes NRW, und anregen, darüber zu sprechen. „Ich hoffe, Sie fühlen sich angesprochen“, wandte sie sich an die Schüler.

Schüler lehnen Hass ab

Antisemitismus lehnt Celina (16) ab. „Keine Art von Rassismus ist angebracht. Wir sind alle Menschen; wir sollten uns alle akzeptieren sollten.“ Keiner solle einen anderen hassen, sagte auch Sena (16). „Es ist doch egal, welche Religion man hat oder wie man aussieht.“ Menschen sollten aufhören mit dem Hass. Murat fand es deshalb wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Antisemitismus längst nicht aus den Köpfen der Deutschen verschwunden ist.

Jeder vierte Deutsche trage antisemitische Gedanken mit sich, merkte Oberbürgermeister Ashok Sridharan an. Laut Leutheusser-Schnarrenberger spielen nach den letzten größeren Ereignissen wie dem Angriff auf die Synagoge in Halle 40 Prozent der Juden in Deutschland mit dem Gedanken auszuwandern. Und Margarete Traub, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bonn, betonte, dass zuletzt die Zahl solcher Übergriffe um 80 Prozent zugenommen habe. „Im 21. Jahrhundert haben wir Juden wieder Angst.“

„Woher kann dieser Hass kommen, wenn es doch keine Berührungspunkte gibt?“, fragte Schulleiterin Margarete Ruhnke: Pfarrer Uwe Grieser, stellvertretender Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn, mahnte mit Blick auf viele antijüdische und antiislamische Darstellungen an christlichen Kirchen: „Wenn es um die Bekämpfung von Antisemitismus geht, sind noch viele Hausaufgaben zu machen.“ Es sei wichtig, so Sridharan, eine solche Ausstellung an Schulen zu zeigen, damit sich junge Leute mit dem Thema befassen und diesem „besonderen Makel“ Deutschlands entschieden entgegentreten. Er appellierte: „Lasst uns solidarisch mit den Jüdinnen und Juden sein.“ Der OB lud die Schüler ein, am diesjährigen Tag der Kippa teilzunehmen.

Die Ausstellung „Juden in Deutschland haben wieder Angst“ ist bis Ende Februar im Foyer der Aula der Bertolt-Brecht-Gesamtschule, Schlesienstraße 21-23, zu sehen.