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Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“: Bonner liefert Lebensmittel für Wohnungslose

Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“ : Bonner liefert Lebensmittel für Wohnungslose

Der Bonner Unternehmer Hans-Joachim Fandel beliefert in der Corona-Krise den Verein für Gefährdetenhilfe. Damit hilft er dem Verein, Wohnungslosen das Nötigste zur Verfügung zu stellen.

Nelly Grunwald strahlt über das ganze Gesicht. Eigentlich blickt die Geschäftsführerin vom Verein für Gefährdetenhilfe in diesen Tagen eher sorgenvoll in die Zukunft. Doch als Hans-Joachim Fandel an diesem Mittag den Transporter in die Einfahrt der Beratungsstelle in der Quantiusstraße lenkt, sind die aktuellen Probleme erst einmal vergessen. „Ist das nicht super, dass es solche Initiativen in dieser für alle schwierigen Zeit gibt?“, sagt Grunwald. Diesmal hat Fandel eine große Ladung Gebäck, Kuchen und Schokolade dabei. In den Tagen zuvor brachte er vor allem Konserven und Nudeln.

Schon seit einiger Zeit steuert Fandel regelmäßig das VFG-Gebäude an. „Natürlich ist die Krise eine Herausforderung für uns alle. Aber die Wohnungslosen leiden viel mehr als wir“, sagt Fandel. Deshalb hat der Geschäftsmann und Senator im „Kleinen Senat“ vor ein paar Tagen seine Kontakte spielen lassen. Im Freundes- und Bekanntenkreis sowie über die sozialen Netzwerke machte er auf die besonders große Not der Wohnungslosen aufmerksam. „Die Stadt ist wie leergefegt und so haben diese Menschen keine Chance, Spenden zu erhalten oder ihre Zeitung zu verkaufen.“ Während die meisten nur mit persönlichen Einschränkungen leben, hätten die Obdachlosen mit existienziellen Problemen zu kämpfen.

Spenden werden dringend benötigt

Für ihn gab es daher nur eine Option. „Raus aus dem Sessel und aktiv werden“, berichtet er. Und die Resonanz ist groß. Das Spendenkonto füllt sich schnell und Fandel konnte bereits die ersten Einkaufstouren starten. Vakuumiertes Brot, Konservendosen, Nudeln sowie Obst brachte er zum VGF in die Quantiusstraße. Es sind Spenden, die dort dringend benötigt werden. Denn die Schließung der Tafeln trifft Einrichtungen wie diese besonders hart. „Für uns ist das ein totaler Einbruch“, erklärt Geschäftsführerin Grunwald. Denn in der Küche der Einrichtung wird täglich gekocht. Morgens und mittags gibt es dort kostenlose Mahlzeiten. „Wir kochen immer, was da ist. Und das stets in großen Töpfen. Wenn die leer sind, dann gibt es auch nichts mehr“, so Grunwald. Und diese Töpfe waren in den vergangenen Tagen schnell leer. „Ohne Herrn Fandel hätten wir nicht gewusst, wie es weitergeht“, freut sich die Geschäftsführerin.

Ganz so einfach war die Aktion für den Bonner Unternehmer am Anfang jedoch nicht. „Auch helfen will gelernt sein“, gibt er zu. Am Anfang sei man sehr blauäugig an die Sache herangegangen. Aber gemeinsam mit der VFG sei man schließlich hineingewachsen. Mittlerweile melden sich viele bei ihm, die helfen wollen. „Ich bin wirklich überrascht, wie viele tolle Ideen es gibt“, sagt Fandel. So will jemand seine Sammlung von Karnevalsorden verkaufen und das Geld zur Verfügung stellen. „Derzeit passiert sehr viel und es wird sicher noch einige tolle Initiativen geben“, ist sich Fandel sicher. „Viele machen mit, weil sie sehen, dass ihre Spende denjenigen hilft, die von der Situation besonders hart getroffen werden.“ Deshalb dokumentiert er die Spendenübergaben auch immer wieder mit Fotos. „So kann jeder sehen, dass die Hilfen die Richtigen erreichen“, ergänzt er.