Ausstellung im Stadtmuseum: Bonner Keller erzählen Geschichten

Ausstellung im Stadtmuseum : Bonner Keller erzählen Geschichten

Viele Bonner Keller sind über die Jahrhunderte erhalten geblieben. Was den meisten verschlossen bleibt, macht nun eine von Hans-Pierre Bothien kuratierte Ausstellung im Bonner Stadtmuseum sichtbar.

Einige Jahre hat sich Filmemacher Georg Divossen zusammen mit Hans-Werner Greuel in den Bonner Untergrund begeben. Während sich die Stadt an der Oberfläche laufend veränderte, Bauwerke abgerissen oder durch Brand und Krieg verschwanden, sind viele Bonner Keller über die Jahrhunderte erhalten geblieben. Was den meisten verschlossen bleibt, macht nun eine von Hans-Pierre Bothien kuratierte Ausstellung im Stadtmuseum sichtbar.

„Oft haben wir ewig gebraucht, die Keller ausfindig zu machen oder eine Genehmigung zum Besuch zu bekommen“, erinnert sich Divossen. Seine Recherchen zu dem vor zwei Jahren fertiggestellten Film „Bonner Keller erzählen Stadtgeschichte“ war die Basis für die gleichnamige Ausstellung im Stadtmuseum gelegt. „Doch in den letzten zwei Jahren haben wir mit der Idee zu dieser Ausstellung noch einige weitere Keller gefunden, die den ‚Ritt durch die Geschichte‘ vervollständigten.“

Dabei erinnerte sich der Sankt Augustiner daran, wie man sich bei seiner Anfrage an das Bonner Münster aufgeregt habe, als er bei der Erzdiözese seine Bitte vortrug, den „Keller“ sehen zu wollen. Erst der direkte Draht zum damaligen Stadtdechanten Wilfried Schumacher verschaffte ihm einen Zugang zur Gruft. Wo sie auch hinkamen, konnten Divossen und Greuel Entdeckungen machen, die sich in dem Prinzip der „überbauten Vergangenheit“ ähnelten. So steht das barocke Bonner Rathaus auf einem Keller, der aus dem Mittelalter stammt und zu einem kleineren Fachwerk-Rathaus gehörte. „Alles, was irgendwie unter der Erde lag, wurde dann im Zweiten Weltkrieg zum Luftschutzkeller erklärt“, stellte der filmende Heimatfforscher fest.

7000 historische Postkarten

Als „skurril“ bezeichnete Divossen eine Geschichte, der er durch einige der 7000 historischen Postkarten des Sammlers Greuel auf die Spur kam. Unter dem kurfürstlichen Schloss, der heutigen Universität, wurde einer der ältesten und höchsten Gewölbekeller seit den 1920er Jahren vom Weingut Streng als Probierstube und Lagerraum genutzt. Im Zweiten Weltkrieg hatten sich dort amerikanische GIs zusammen mit der Familie Streng eingeschlossen und galten als vermisst. Erst nach einigen Tagen fand man dort die weinselig Betrunkenen und führte sie ab.

Greuel konnte sich daran erinnern, wie er Anfang der 50er Jahre als Kind mit einem Keuchhusten in den Keller der Kurfürstenbrauerei geschickt wurde. Man glaubte zu der Zeit, dass Luftfeuchtigkeit und Pilzsporen aus dem Brauprozess gesundheitsfördernd wirken könnten (was heute als wenig wirksam beurteilt wird). Unter Kunstverein, Künstlerforum und Blumenhof ist heute noch der riesige Markthallenbunker zu finden, der sich zwischen Hochstadenring und Eifelstraße erstreckt. In unzähligen Kabinen konnten dort Familien untergebracht werden, die sich dort auch in der Nachkriegszeit noch häuslich einrichteten.

Und es gab in Bonn auch die sogenannten „Existenzialistenkeller“: Der Gastronom Hans Blatzheim betrieb im Keller der damaligen Scala-Lichtspiele die Untergrundkneipe „Tabu“. Auch der 50 Meter lange Keller an der Königstraße, den Emmy Meurer zum Künstlertreff „Zur Kerze“ machte, dürfte noch vielen Bonnern ein Begriff sein. In den Gründerzeithäusern der die „Kerze“ umgebenden Straßen wohnten die Familien meist in der Beletage des ersten Stocks. Derweil werkelte das Dienstpersonal im Souterrain oder Keller. Dort wuschen die Frauen tatsächlich und im übertragenen Sinne, die „schmutzige Wäsche“ der anderen Leute und erfanden die tollsten Geschichten.

Die Ausstellung„Keller erzählen Bonner Stadtgeschichte“ ist vom 15. Mai bis 7. Juli im Stadtmuseum, Franziskanerstraße 9, zu sehen. Infos zu Öffnungszeiten und Führungen im Museum und durch Bonner Keller sind auf www.bonn.de unter dem Stichwort „Stadtmuseum“ zu finden.

Mehr von GA BONN