Neuer Grundstücksmarktbericht: Bonner Immobilienmarkt ist leergefegt

Neuer Grundstücksmarktbericht : Bonner Immobilienmarkt ist leergefegt

Die Immobilien werden in Bonn immer teurer – und begehrter. 7300 Euro pro Quadratmeter wurden im vergangenen Jahr jeweils für eine Wohnung in direkter Rheinlage in Bonn oder eine Neubauwohnung in der Südstadt gezahlt.

Insgesamt fuhr der Immobilienmarkt mit einem Umsatzvolumen von mehr als 1,3 Milliarden Euro wieder einen neuen Rekord ein: ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei ging die Zahl der abgeschlossenen Kaufverträge insgesamt um rund 20 Prozent zurück.

Das geht aus dem Grundstücksmarktbericht hervor, den gestern Peter Hawlitzky, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Stadt, und Christof Linnemann, Sachgebietsleiter der Geschäftsstelle des Ausschusses, vorstellten.

Die hohe Nachfrage nach Immobilien bei gleichzeitig geringem Angebot an Wohnungen, unbebauten Grundstücken und Häusern sowie das niedrige Zinsniveau würden die Preise auf dem Immobilienmarkt in die Höhe treiben, so Hawlitzky: „Der Markt ist ziemlich leer gefegt. Es wird immer schwieriger, ein Grundstück oder eine Immobilie zu bekommen, und die Nachfrage ist groß.“

Dass das Umsatzvolumen so hoch ist, liegt vor allem daran, dass auf dem Büromarkt im vergangenen Jahr hohe Preise erzielt wurden – insbesondere im Bundesviertel. Allein im Segment der Büro- und Geschäftshäuserobjekte wurden 448 Millionen Euro umgesetzt – fast viermal so viel wie ein Jahr zuvor. Grundlage für den Bericht sind insgesamt 2901 notariell beurkundete Kauffälle im Jahr 2015.

Bauland ist deutlich teurer geworden. Für unbebaute Grundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser zahlte man im Schnitt fünf Prozent mehr, für Bauland, auf denen Mehrfamilienhäuser errichtet werden sollen, sogar acht Prozent mehr als 2014.

Der Bodenrichtwert lag damit in guten Wohnlagen bei 455 Euro, in einfachen Wohnlagen bei 320 Euro pro Quadratmeter, wenn man ein Ein- oder Zweifamilienhaus bauen wollte. Wobei es einfache Wohnlagen nur noch in Beuel-Ost gibt, überwiegend handelt es sich in Bonn um mittlere Wohnlagen. Zu den guten Wohnlagen zählen beispielsweise Buschdorf, das Musikerviertel oder Duisdorf. Sehr gute Wohnlagen sind die Südstadt, Venusberg/Ippendorf oder die Rheinlagen.

Der durchschnittliche Bodenrichtwert für Mehrfamilienhausgrundstücke beträgt in guten Wohnlagen 465 Euro pro Quadratmeter, in einfachen Lagen 300 Euro pro Quadratmeter. Für Gewerbegrundstücke werden in Bonn durchschnittlich 110 Euro pro Quadratmeter bezahlt.

Der Preis für eine Immobilie hängt von vielen Faktoren ab, betonte Linnemann. Dazu zählen neben der Lage auch Zustand oder Ausstattung. Ein Blick in die Tabellen zeigt, dass etwa für ein neu gebautes Reihenmittelhaus 814.900 Euro gezahlt wurden, für ein Reihenendhaus 756 200 Euro. Dabei handelt es sich aber nur per definitionem um Reihenhäuser, auf dem Markt werden diese etwa als Stadtvillen angeboten – große Einfamilienhäuser, die den Strukturen der Gründerzeitvillen nachempfunden wurden.

Wenn man also von Durchschnittspreisen spricht, liegen diese eben zwischen 100.000 und rund 800.000 Euro.

Durchschnittspreise und Wertsteigerung: Für eine Neubauwohnung zahlt man in Bonn im Schnitt 3240 Euro pro Quadratmeter. Das ist etwa der Preis, den man auch schon 2014 zahlte. Ähnlich sieht die Entwicklung bei den 30 bis 50 Jahre alten Wohnungen aus: 1470 Euro pro Quadratmeter.

Die größte Wertsteigerung gab es bei den 50 bis 70 Jahre alten Eigentumswohnungen. Der Kaufpreis lag 2015 etwa 16 Prozent über dem Wert des Vorjahres und damit bei rund 1700 Euro pro Quadratmeter. Bei den fünf bis 30 Jahre alten Wohnungen verzeichneten die Gutachter eine Preissteigerung von drei Prozent: durchschnittlich 1770 Euro pro Quadratmeter.

Insgesamt, so stellen Hawlitzky und Linnemann fest, sind die Immobilien in Bonn „wertbeständig“. Dass Wohnlagen wie etwa Beuel-Süd nicht mehr unter den Superlativen erscheinen, hänge damit zusammen, dass sich diese Wohnlagen mittlerweile auf hohem Niveau etabliert hätten.