Mundart: Bonner Heimatforscher Herbert Weffer ist gestorben

Mundart : Bonner Heimatforscher Herbert Weffer ist gestorben

Die Bönnsche Mundart hat einen ihrer bekanntesten Sprecher und Schreiber verloren. Heimatforscher Herbert Weffer ist am vergangenen Samstag im Alter von 92 Jahren gestorben, wie aus Kreisen seiner Familie und Freunden bekannt wurde.

Wer ihn kannte, war von seinem rheinischen Mutterwitz schnell gefangen. Seine beiden Bönnsch-Wörterbücher sind Standardwerke für alle, die auf die richtige Schreibweise des Dialekts achten. Weffer war von 1971 bis 1993 als Archivar des Rhein-Sieg-Kreises beschäftigt. Und auch nach seiner Pensionierung blieb er dem historischen Metier ehrenamtlich und aus Überzeugung treu. Es gibt wohl niemanden sonst, der 250 Stammbäume und 150 Familienwappen entworfen und gezeichnet hat. Der Mundart-Experte, der in Endenich geboren wurde, aber schon seit den 1970er Jahren mit seiner Frau Gisela in Limperich wohnte, war auch Mitgründer des Arbeitskreises „Bönnsch-Freunde für die Erhaltung der Mundart“, an deren Stammtischen er früher regelmäßig teilnahm.

810 Veröffentlichungen

Weffer machte sich einen Namen mit 810 heimat- und familienkundlichen Veröffentlichungen, darunter 37 Büchern. Ein besonders unterhaltsames trägt den vielsagenden Titel „Der rheinische Genitiv und seine Mitläufer“. Darin erläuterte er zum Beispiel die beliebte „Um-für-zu-Wendung“, mit denen Bönnsche gerne Sachverhalte umschreiben: „Ich bruche ene Schruuveträcke, um für zu die Schruuve erinzedriehe.“

Weffer hielt im Laufe der Jahre zahllose Vorträge, sein Urteil war bei Institutionen gefragt, die bei der Mundart in keines der vielen Fettnäpfchen tappen wollten. So beriet er auch den Festausschuss Bonner Karneval, wenn es um die Schreibweise des Sessionsmottos ging. Eine enge Beziehung pflegte er zu seinem Freund Hans Nolden. „Die Freunde der Bonner Mundart verlieren mit ihm ihren unermüdlichen Kämpfer für unseren Bonner Dialekt“, erklärte Nolden in einer Reaktion auf Weffers Tod.

Wer Weffer zu Lebzeiten traf, behält dessen zahlreiche Anekdoten in Erinnerung. Wie jene, als er sich als Kind beim „Herzblättchen“-Kartenspiel mit Erwachsenen sein Taschengeld aufbesserte, weil er immer gewann. „Es gab im Krieg keine neuen Karten“, erklärte Weffer einmal. „Und ich kannte alle von hinten.“ Seinen 85. Geburtstag vor sieben Jahren hatte Weffer noch groß gefeiert, in den letzten Jahren aber spielte die Gesundheit nicht mehr mit, und er nahm kaum noch an Veranstaltungen teil.