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Bonner Euro Theater fast gerettet

Musste alten Standort räumen : Euro Theater Central in Bonn ist so gut wie gerettet

Nur bis Ende Februar darf das Ensemble noch im Thalia-Kuppelsaal spielen. Doch die Genehmigung für den Umbau der neuen Spielstätte an der Budapester Straße ist in trockenen Tüchern. Der Trägerverein kann das städtische Haus somit kaufen.

Das Bangen hat ein Ende: Das Euro Theater Central, das im Sommer 2019 sein Domizil im Mauspfad nach fast 50 Jahren räumen musste, hat die Genehmigung für den Umbau eines Hauses in der Budapester Straße so gut wie in der Tasche. Nach einem monatelangen Verfahren kann dort die Zukunft geplant werden. Nur noch die fest zugesagte Eintragung einer Baulast ins Grundbuch der Stadt fehlt – eine Formsache, die angesichts des engen Zeitplans des Theaters allerdings noch auf den letzten Metern für Probleme sorgen könnte. Daher hält sich Intendantin Ulrike Fischer auch ein wenig zurück. „Ich bin vorsichtig optimistisch“, sagt sie. „Der Sekt steht kalt, aber wir haben ihn noch nicht geöffnet.“

Andererseits deutet alles darauf hin, dass die Geschichte des Euro Theaters ein gutes Ende findet. Gerade rechtzeitig: Die Alternativ-Spielstätte im Kuppelsaal der Thalia-Buchhandlung steht ab Ende Februar nicht mehr zur Verfügung, da das Junge Theater als eigentlicher Mieter den Raum selber benötigt. „Uns war klar, dass dies nur eine Übergangslösung sein konnte, und wir sind Moritz Seibert und seinem Ensemble sehr dankbar, dass sie uns so lange ausgehalten haben“, so Fischer. „Wir müssen bald mit dem Umbau anfangen können, um auch weiter in Bonn stattzufinden.“

Dabei ist die Budapester Straße 19 schon seit Mai 2019 im Gespräch. Damals hatte der Stadtrat dem Verkauf der kommunalen Immobilie an den Trägerverein des Euro Theaters zugestimmt – doch die Mühlen der Bürokratie mahlen nun einmal langsam. „Erstaunlicherweise waren etwa Statik oder Brandschutz relativ schnell geklärt“, betont Fischer. „Letztlich hat vor allem die Entfluchtung den gesamten Prozess verzögert.“

Das Problem: Auch das Nachbargebäude ist Eigentum der Stadt. „Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens für die Nutzung des Gebäudes als Theater müssen wir eine formelle Nachbarzustimmung für eine notwendige Fluchttreppe erteilen, da diese unmittelbar an der Grundstücksgrenze errichtet werden soll“, erläutert Andrea Schulte vom Presseamt. „Zunächst wurde geprüft, ob eine gemeinsame Nutzung der Fluchttreppe möglich ist. Nach Abstimmung zwischen dem Bauordnungsamt und dem Städtischen Gebäudemanagement wurde dieser Vorschlag verworfen und die Zustimmung nun kurzfristig erteilt.“ Außerdem würden auf dem Nachbargrundstück Stellplätze geschaffen, die mit Baulast gesichert werden: „Das heißt, es wird ein öffentlich rechtlicher Vertrag geschlossen, der diesen Platz dauerhaft für diesen Zweck zur Verfügung stellt.“

Trotz dieser Verzögerungen im Genehmigungsverfahren ist Ulrike Fischer voll des Lobes für die Stadt. „Alle haben uns nach besten Kräften unterstützt“, betont sie. „Sämtliche Fraktionen haben sich für uns eingesetzt, ebenso wie Oberbürgermeister Ashok Sridharan – und was die Verwaltung für uns getan hat, finde ich angesichts der Personalengpässe, die ich aus erster Hand mitbekommen habe, wirklich bemerkenswert. Noch am Dienstag bin ich von einem Amt zum nächsten gerannt, und alle haben sich Zeit genommen, obwohl sie unglaublich viel auf den Tischen liegen hatten. Dafür bin ich ungeheuer dankbar.“

Sobald die Baugenehmigung vorliegt, kann der Kaufvertrag unterschrieben werden, der schon vorliegt. „Wir hoffen, dass wir in den kommenden sechs Wochen alles unter Dach und Fach haben“, so Fischer. „Die Finanzierung für den Kauf steht soweit, auch wenn wir uns natürlich weiterhin über Spenden aus der Bevölkerung freuen, mit denen wir die Umbaumaßnahmen stemmen können. Aber irgendwie kriegen wir das schon hin.“ Vor einigen Monaten hatte die Intendantin erklärt, das Theater werde in den Kauf des Hauses inklusive notwendiger Umbauten rund 500 000 Euro investieren. Der Umzug aus der alten Spielstätte war notwendig geworden, nachdem die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP den städtischen Zuschuss von 144 000 Euro im Jahr gestrichen hatte.