3175 Fahrraddiebstähle in 2018: Bonner Ermittlungsgruppe geht gegen Fahrraddiebe vor

3175 Fahrraddiebstähle in 2018 : Bonner Ermittlungsgruppe geht gegen Fahrraddiebe vor

Seit März gibt es bei der Polizei die Ermittlungsgruppe "Bike". Die Beamten haben sich zum Ziel gesetzt, mehr Fahrraddiebstähle aufzuklären. Das Team kann bereits einige Erfolge vorweisen.

Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen – und auch in diesem Jahr ist bislang keine Besserung in Sicht. Das soll sich ändern, meint die Bonner Polizei, die deshalb zum 1. März die Ermittlungsgruppe (EG) „Bike“ eingerichtet hat. Das Ziel des vierköpfigen Teams: Fallzahlen senken und die Aufklärungsquote erhöhen, fasst die 44-jährige EG-Leiterin zusammen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Die ersten Erfolge stellen sich bereits ein. Mehrfach schon wurden potenzielle Diebe dingfest gemacht, die die gestohlenen Räder im Internet verkaufen wollten. So auch im jüngsten Fall Ende März. Eine 34-jährige Bonnerin durchforstete das Internet auf der Suche nach ihrem Fahrrad, das in der Weststadt gestohlen worden war. Mit Erfolg. Auf einer Online-Plattform erkannte sie ihr Rad - und meldete sich bei der EG.

Die wurde sofort tätig. Individuelle Merkmale wurden gecheckt, weitere Hinweise geprüft. Schnell stellte sich heraus, dass es sich tatsächlich um das Rad der 34-Jährigen handelte. „Da der Verdächtige in Köln wohnte, haben wir uns mit den Kollegen zusammengetan“, erklärt die EG-Leiterin. Denn auch dort gibt es seit dem 1. April eine Fahrrad-Ermittlungsgruppe, mit der die Bonner eng vernetzt sind. Schon einen Tag später stand die Durchsuchung bei dem 47-Jährigen an, das Rad wurde sichergestellt und anhand der Rahmennummer eindeutig identifiziert.

Dass Opfer ihr Eigentum im Internet entdecken, ist eher die Ausnahme. Meist sind es die Ermittler, die anhand von bestimmten Merkmalen die gestohlenen Fahrräder auf Online-Verkaufsplattformen entdecken. Wie oft das vorkommt, könne sie nicht sagen, so die EG-Leiterin. „Es gibt dazu keine Statistik.“ Gefühlt aber sei es derzeit häufig der Fall.

Kontrolle auf Flohmärkten

Doch die Recherche im Internet ist nicht der einzige Weg, um potenzielle Diebe aufzuspüren. Hinzu kommt die klassische „Straßenarbeit“, unter anderem mit Zivilfahndern. So gebe es zum einen den täterorientierten Ansatz, erläutert die EG-Leiterin. Soll heißen, dass die Ermittler gezielt an Personen herantreten, die in den vergangenen Jahren mehrfach Räder gestohlen haben. Zum anderen kontrolliere man auf Flohmärkten und habe die Diebstahlschwerpunkte im Auge. Das sind unter anderem die Bahnhöfe in Bonn und Bad Godesberg oder der Hofgarten.

Ist dort zum Beispiel jemand aus der Szene „mit einem erkennbar hochwertigen Fahrrad unterwegs, wird er angehalten“, so die 44-Jährige. Dann wird überprüft, ob die Rahmennummer als gestohlen gemeldet wurde, der Radler muss nachweisen, dass ihm das Gefährt wirklich gehört. „Außerdem kommt es vor, dass uns Bürger hochwertige, nicht abgeschlossene Räder an ungewöhnlichen Orten melden.“ Auch dann wird geschaut, ob der Besitzer ausfindig gemacht werden kann. Gelingt das nicht, wird das Fahrrad sichergestellt. Auf jeden Fall gilt: Allein könnte die EG es nicht schaffen, Unterstützung kommt nicht nur aus dem eigenen Kriminalkommissariat 37, sondern von allen Direktionen und Kommissariaten.

Doch warum werden so wenig Fahrraddiebe erwischt? Es sei grundsätzlich schwierig, weil die Täter meist unbeobachtet agieren, sagt die EG-Leiterin. „Man stellt sein Rad ab, geht weg und kommt wieder. Sollte es in der Zwischenzeit gestohlen worden sein, habe ich keinerlei Anhaltspunkte. Es sei denn, jemand hat zufällig etwas gesehen und meldet sich dann bei der Polizei“, führt die 44-Jährige aus. Außerdem agieren die Täter unterschiedlich. Da sind die ortsansässigen Diebe, die ein Rad mitnehmen – nur um es drei Straßen weiter wieder zu verkaufen. Doch es gibt auch die überregionalen, professionellen Tätergruppen, die das Diebesgut (teilweise mit ins Ausland) nehmen und später verkaufen.

Zunächst ist die Ermittlungsgruppe „Bike“ bis zum 31. Oktober aktiv. Dann sollen die Ergebnisse evaluiert werden – und es entscheidet sich, ob das vierköpfige Team rund um die 44-jährige Leiterin Fahrraddieben weiterhin das Leben schwer machen kann.

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