Reaktionen auf GA-Bericht: Bonner erinnern sich an ihre Zeit in den Kultkneipen

Reaktionen auf GA-Bericht : Bonner erinnern sich an ihre Zeit in den Kultkneipen

Unsere Reise in die Vergangenheit der Bonner Kultkneipen ist auf große Resonanz gestoßen: Zahlreiche Leser schildern ihre Erinnerungen und Anekdoten zum damaligen Kneipenleben.

Konzerte in den Rheinterrassen, Haschichgeruch vor dem Muffendorfer Underground oder die Entstehung der Mittelrheinischen Flippermeisterschaft in der Schumann-Klause: Unsere Reise in die Vergangenheit durch Bonns Kultkneipen hat zahlreiche Anekdoten hervorgebracht.

Doch damit fing das nostalgische Erinnern an Bonns vergangene Kneipen und Clubs erst an: Viele Leser wurden durch den GA-Bericht in ihre eigene und ganz persönliche Vergangenheit in Bonns Kneipenkultur zurückversetzt. Zahlreiche Zuschriften erreichten uns, in denen Leser ihre Anekdoten und Erinnerungen wieder aufleben lassen.

In der Diskothek Au Chateau tummelte sich das Who is Who der Bonner Kneipenszene, erinnert sich der Betreiber, Helge Klassen. Nach 21 Jahren war Schluss, als sich das Au Chateau durch das Aufkommen von Großdiskotheken nicht länger halten konnte. Klassen wandelte die Disko kurzerhand in eine Eckkneipe um und betreibt das Lokal seitdem unter dem Namen Zartbitter. 2018 feiert Klassen dort ein Jubiläum: Am 24. Dezember wird der Wirt seit 50 Jahren Inhaber einer Gaststätte in Bonn sein.

Erinnerungen an die 80er-Jahre

Dieter Büttner erinnert sich an die Konzerte in den Rheinterrassen. Viele bekannte Gruppen hätten dort gespielt. Das erste Konzert, was er in dem Kultlokal gesehen hätte, sei von der norwegischen Band "Ruphus" gewesen. Es seien nur knapp zwölf Leute im Publikum gewesen, weil keine Plakate aufgehängt wurden. "Die Band machte nach 45 Minuten eine Pause, hat sich zu den paar Zuschauern gesetzt und sich mit ihnen unterhalten und dann noch weitere 45 Minuten gespielt", schreibt Büttner von seinem Konzertabend aus dem Jahr 1980.

Sabine Schumacher aus Mondorf erinnert sich gerne an die Wochenenden der Jahre 1984/1985 zurück. Zu der Zeit fuhr sie mit ihrer Freundin Petra regelmäßig ins PUB in der Dorotheenstraße. Dort lernte Sabine Schumacher ihren Mann Johannes kennen, mit dem sie in diesem Jahr 30 Jahre verheiratet ist.

Tamara Koch erinnert an die 1980er Jahre und die kunterbunte Punk- und Künstlerkneipe M8 am Stadthaus. Für Koch galt nicht das Kontiki, sondern das Risiko an der Berliner Freiheit, nur wenige Meter vor der Kennedybrücke, als die erste Bonner Neonkneipe. Geführt wurde das Risiko von einem blonden Österreicher namens Nino, erinnert sich Koch. Der Legende nach soll sich über dem Risiko eine illegale Spielhölle befunden haben, die für das Ende des Risikos gesorgt haben soll, weil die Neonkneipe mit ihrem Publikum zu viel Aufmerksamkeit auf den Standort lenkte.

Auch das Madox verdiene mehr als eine kleine Erwähnung, schließlich habe der Club von 1980-84 als „das Mekka für die Bonner Punk- und New-Wave-Jugend“ gegolten. Diskothekentechnisch war es 1984 auch in der Friedrichstraße mit dem "IF" interessant, erinnert sich Koch. „Da konnte man doch tatsächlich am Sonntagnachmittag tanzen gehen.“

Von Soulbands und Jazz-Liebhabern

Walter Stemmel erzählt von den zwei Musikclubs Sixteen(hundred) und Busstop. "Sie waren gleich nebeneinander am heutigen Standort des Bristol Hotels." Jeden Sonntag hätte im Busstop seine Soulband "Take 5" gespielt. Die Gäste hätten meist schon zwei Stunden vorher Schlange gestanden, so Stemmel. Ansonsten erinnere er sich an viel Rauch, Bier, die "schönsten Mädels" und "geile Musik".

"Und wollte man mal richtig 'abhotten', dann ging man in den Hotclub am Kaiserplatz, tief unten im Keller. Jazz und Rock'n-Roll waren angesagt", schreibt Leserin Karin Schönfelder aus ihrer Erinnerung. Jazz-Liebhaber seien aber auch im damals angesagten Southborder-Jazzclub in Bad Honnef tanzen gegangen. Oft habe sie dort die letzte Straßenbahn verpasst und sei dann per Anhalter nach Hause gekommen. "Der muffige Weinkellergeruch hing noch Wochen in den Klamotten", schreibt Schönfelder.

Die Eltern schickten sie dann Sonntagnachmittag zum Tanztee in die Beethovenhalle, wo "gut erzogene junge Damen laut Etikette mit dem Herren zu tanzen mussten, der am schnellsten zur Stelle war", so Schönfelder. Da das nicht so prickelnd gewesen sei, habe sie sich dann lieber im City-Café am Markt oder im Kaiser-Café am Kaiserplatz aufgehalten, "wo dann auch die cooleren Typen verweilten."

Erinnerungen aus der Sicht einer Thekenkraft

Anette Kaspers musste in den Achtzigerjahren neben der Bürotätigkeit abends noch in verschiedenen Bonner Kultkneipen jobben, damit das Geld reichte, schreibt sie an den GA. Sie habe unter anderem in der Schnapsuhr im Musikerviertel gekellnert: "Ich erinnere mich noch an die riesen Sauerei, die die Gäste mit den kostenlosen ungeschälten Erdnüssen anrichteten, die in einer Rille an der Theke jedem zur Verfügung standen. Die Putzfrau habe ich jedes Mal bedauert, aber ich glaube die vielen Gäste, und es war immer rappelvoll, kamen nur wegen den kostenlosen Erdnüssen."

Als sie in der Dorotheenstraße direkt neben der Studentenkneipe PUB gewohnt habe, sei ihr jeden Montagabend der Song "Marmor, Stein und Eisen bricht" von der Bar aus ins Schlafzimmer gedröhnt, so die Bonnerin. Es sei so laut gewesen, dass sie es nicht ausgehalten habe und auf ein Bier in die Kneipe gegangen sei. 1976 habe sie als Thekenfrau in der Kneipe Pinte gearbeitet, erzählt Kaspers. "Tablettweise tranken die Gäste, vornehmlich Jazzfreunde, damals auch gerne Apfelkorn oder Baco (Cola im Schnapsglas mit einem Spritzer Barcardi)."

Dieter Bungers erinnert sich gerne zurück an seine Zeit im Club 46 in den Sechziger- und Siebzigerjahren. Er sei damals freier Mitarbeiter im Bundeskanzleramt und sei heilfroh über das Kontrastprogramm gewesen, das ihm diese Kneipe abends geboten habe. Zum Bier habe es immer Soleier und Buletten gegeben. "Bei reichlich Bier spielten wir dann Skat, politisierten und schmiedeten Pläne für unseren nächsten Segeltörn", schreibt er.

Helmut Westkamp stand in der Kanne am Bonner Talweg hinter der Theke und erinnert an das Simpel, das aufgesucht wurde, wenn die Schumannklause um 1 Uhr schloss: „War ein schöne Zeit in Bonn – von 1975 bis Anfang der 80er Jahre.“

Unterwegs nach der Sperrstunde

An die Sperrstunde für das Bonner Kneipenleben erinnert sich Günther Montag, der gerne in der Kaiserklause einen Absacker trank: "Man setzte sich nach ein Uhr ständig der Gefahr aus, von den Ordnungshütern aufgegriffen zu werden." Erwischten einen die Polizeibeamten seien Belehrungen und eine Einladung zum Polizeirevier gefolgt. "Man gab sich dort zerknirscht ob der Gesetzesübertretung und gelobte Besserung", schreibt Günther.

Norbert Flöcken erzählt von einem ganz besonderen Nebenjob während des Studiums. Er sei Aushilfsfahrer bei einem Getränkehandel gewesen und habe Bierfässer und andere Getränke an die Bonner Kneipen ausgefahren. Vor der Fahrt zur Schumann-Klause sei er vom Chef gewarnt worden: "Nur abladen und ausliefern, wenn vorher bezahlt worden ist!"

Flöcken habe bald selbst als Kunde sein Bier in der Schumann-Klause getrunken und die Warnung seines Chefs schnell verstanden. Viele Kunden ließen ihre Getränke anschreiben und so hätten sich hinter der Theke die Bierdeckel mit den Schulden der Kunden haushoch gestapelt.

Haben Sie noch eine passende Geschichte zu den Kneipen in Bonn zu erzählen oder ein Foto aus den damaligen Zeiten? Schicken Sie uns eine E-Mail an online@ga-bonn.de.

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